Studie des Bundes
Der große Zins-Klau bei Dispokrediten

Eine Studie der Bundesregierung zeigt: Die Dispozinsen sind viel zu hoch. Das ist nicht das einzige Problem. Nach einer Untersuchung für Handelsblatt Online trödeln Banken bei den Zinssenkungen. Was Kunden tun können.
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Wie passen das historische Zinstief und zweistellige Dispozinsen zusammen? Gar nicht, finden offenbar Ilse Aigner, Bundesministerin für Verbraucher. „Wollen die Banken den Kredit bei ihren Kunden nicht verspielen, müssen sie runter von überhöhten Dispozinsen“, sagte Aigner. Die Institute müssten Vorteile aus günstigen Zinsen bei der eigenen Geldbeschaffung weitergeben.  

Eine Studie im Auftrag der Bundesregierung kommt zu dem Schluss, dass „die Erträge aus dem Dispokreditgeschäft die Kosten, die dem Kreditinstitut für dieses einzelne Produkt entstehen, deutlich übersteigen“. Die Gewinne würden zur Quersubventionierung anderer Leistungen eingesetzt – oder als Gewinn verbucht ermittelte das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung und das Institut für Finanzdienstleistungen. Ein Zins von höchstens zehn Prozent würde reichen, um profitabel arbeiten zu können.

Eine Untersuchung der FMH-Finanzberatung unter 64 Banken zeigt: Im Schnitt verlangen die Institute 10,95 Prozent. Die Spannen liegen zwischen 5,25 und 13,63 Prozent. „Allein vom Marktgeschehen sind solche Spannen nicht zu erklären“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Fünf Institute, darunter die Commerzbank, Targobank, Berliner Sparkasse, Berliner Volksbank, sowie die Sparkassen Hannover, Langen-Seligenstadt nehmen bei einzelnen Konten mehr als 13 Prozent.

Die in der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) zusammengeschlossenen Spitzenverbände halten die Konditionen dagegen für marktgerecht und weisen auf die wegen wegen der Flexibilität höheren Kosten sowie den im Vergleich zu anderen Krediten höheren Ausfallraten hin. "Diese Gewinnmaximierung zu Lasten von Verbrauchern muss ein Ende haben“, fordert dagegen Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband. „Das gelingt nur mit einer gesetzlichen Deckelung des Zinssatzes.“ Gesetzliche Vorgaben lehnen sowohl Bundesministerin Aigner wie auch die Banken ab.

Günstige Dispozinsen
Die günstigsten Anbieter auf einen Blick. Die deutsche Skatbank senkte ihren Satz nach Vorgabe der EZB um um 0,25 Prozentpunkte. 
InstitutKontoDispozins in %Zins für die geduldete Überziehung in %
Deutsche SkatbankTrumpfKonto5,259,75
DABDAB Girokonto6,9511,95
PSD Bank Westfalen-Lippe GiroDirekt Premium7,5011,50
PSD Bank Berlin-BrandenburgGiroDirekt7,5011,50
DKB Deutsche KreditbankDKB-Cash7,9012,00
Teuerste Anbieter 13,6318,75
Quelle: FMH-Finanzberatung. Stand: 19. Juli 2012.

Nicht nur die absolute Höhe der Sätze ist aktuell ein Problem. Die Banken setzen die Vorgaben bei Zinssenkungen nur mit großen Verspätungen um. Vor zwei Wochen senkte die Europäische Zentralbank ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf aktuell 0,75 Prozent. Banken müssen ihre Konditionen an einem Referenzzins anpassen. Laut FMH orientiert sich ein gut 70 Prozent der Institute an dem seit Wochen fallenden Euribor. Ein Drittel nimmt den Leitzins als Referenz. „Erfreulich wäre es gewesen, wenn Banken bereits Ende letzter Woche die Senkung weiter gegeben hätten“, sagt Herbst.

Nach seiner Analyse für Handelsblatt Online haben in den beiden Wochen seit der Leitzinssenkung aber nur 7 von 63 Banken ihre Zinsen gesenkt. Nur zwei Institute reduzierten ihre Sätze um mehr als 0,25 Prozentpunkte - und das obwohl beide Banken bereits im Marktvergleich sehr günstige Konditionen bieten.

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  • Die, die sich über zu hohe Dispozinsen aufregen sind sowieso diejenigen, die Ihren Dispo (sofern sie denn einen haben) dauerhaft in Anspruch nehmen. Das dies nicht Sinn und Zweck eines Dispos ist sollte wohl klar sein. Diejenigen, die nur kurz mal "disponieren" müssen, regen sich nicht auf, weil die KOsten absolut gesehen geringfügig sind. Wenn ich natürlich meinen Dispo voll ausreite und nicht zurückführen kann, bin ich selbst Schuld. Also nicht immer alles auf die Banken schieben.

  • Die Banken agieren gerade nach dem Motto "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs völlig ungeniert." Irgendwann demnächst werden die gepanzerten Geldtransporter in den Filialen wohl Sandsäcke abliefern müssen, weil sich der Volkszorn leider nicht die Richtigen (die Top-Banker) krallen kann, sondern sich bei denen entladen wird, die eigentlich nur die Erfüllungsgehilfen sind - die kleinen Angestellten in den Filialen.

  • Wo bleibt der mündige Bürger? Niemand ist gezwungen sein Konto zu überziehen. Ich wage mal zu behaupten dass ein überzogenes Konto nicht die Ursache, sonder die Folge anderer Probleme ist: Es wird auf zu großem Fuße gelebt. Irgendwann muss dann der Dispo über längere Zeit herhalten weil die anderen Quellen des Konsums wie Ratenkredite und lange Zahlungsziele ausgetrocknet sind. Dann ist der Weg zur Insolvenz vorgezeichnet. Am Ende bleibt die Bank neben anderen auf ihren Außenständen sitzen und muss die Ausfälle wieder in den Zinssatz Einpreisen. Niemand kann ernsthaft wollen dass diese Geschäft von vernünftig handelnden Kunden quersubventioniert wird.

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