Tages- und Festgeld
Der große Zinsschwund

Das historische Zinstief für Sparer ist erreicht? Von wegen! Aktuell läuft eine weitere Zinssenkungswelle der Banken bei Tages- und Festgeld. Welche Kunden darben müssen und wo es noch gute Zinsen gibt.
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DüsseldorfDie Notenbanker haben ihren Finger wieder am Drücker. Eine Zinssenkung sei „stets eine Möglichkeit“, verkündete etwa Vitor Constancio, Vizechef der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Inflation gehe „ziemlich deutlich“ nach unten und die Wirtschaft sende weiterhin „Signale der Schwäche“.

Schon beim letzten Treffen der Notenbanker wurde eine Senkung des Leitzinses diskutiert. Am 2. Mai trifft sich das Gremium erneut. Auf der Tagesordnung in Bratislava dürfte das Thema wieder ganz oben stehen. IWF-Chefin Christine Lagarde bekundete bereits Begehrlichkeiten. Die EZB hätte noch „Raum zum Manövrieren“, die lockere Zinspolitik erreiche viele schwächere Länder bislang noch nicht.

Was für die Zentralbanker noch Zukunftsmusik ist, haben viele Geschäftsbanken für ihre Sparer längst vollzogen. Eine Auswertung der FMH-Finanzberatung für Handelsblatt Online zeigt: Mindestens 20 Institute senkten ihre Zinsen für Tages- und Festgelder. Üblich sind Abschläge von 0,10 bis 0,25 Prozentpunkten. Im Einzelfall sind aber auch Senkungen von bis zu 0,5 Prozentpunkte drin.

Die neuerliche Kürzungswelle trifft vielfach Anleger, die gerne bei den Preisbrechern anlegen. Bei Tagesgeld sind unter anderem die Rabo Direct, Renault Bank Direkt oder Ikano Bank dabei, die in den vergangenen Wochen mit Kampfkonditionen regelmäßig Top-Positionen in Online-Zinsvergleichen eroberten. „Der Wettbewerb um neue Kunden ist für viele Banken nicht mehr so wichtig“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Bei den Zentralbanken gäbe es eh billiges Geld im Überfluss. „Die Konkurrenz um die besten Lockangebote wird kleiner“, sagt Herbst.

Ein Blick in die Vergangenheit lässt wechselwillige Kunden erschaudern. Vor fünf Jahren konnten Kunden noch durchschnittlich 3,5 Prozent für Tagesgeld ergattern, heute sind es nicht einmal 0,9 Prozent. Lagen Ende 2008 zwischen der besten und dem schlechtesten Tagesgeld-Offerte noch 4,25 Prozentpunkte, sind es aktuell gerade einmal 1,55 Punkte.

Kommentare zu " Tages- und Festgeld: Der große Zinsschwund"

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  • Vielleicht werden jetzt auch die letzten kapieren, dass es ohne vernünftige Investmentstruktur heut zu Tage nicht mehr geht.
    Fazit:
    Negativ Zinsen für Einlagen und auf alle anderen Assets trifft das ganz "normale" Prozedere zu

  • Was die Zentralbanker vergessen, ist, dass
    1. die Geldmengenflut zu Blasen führt, die Platzen werden. Anschließend müssen die Anleger (Banken) dann wieder gerettet werden.
    2. Die Sparer werden durch negative Realzinsen enteignet.
    3. Infalstion kann es seit 1992 nicht im nennenswerten Umfang geben, weil in China 700.000.000 faktisch Arbeitslose auf die Löhne drücken. Ohne Lohn-Preis-Spirale keine Löhne. Gewerkschaften auch in Europa üben wegen der Konkurrenz aus C Lohnzurückhaltung.
    4. Es wird aber, sobalt die Chinesen alle in Beschäftigung sind, einen starken vorübergehenden Inflationsdruck von von ca. 40 % geben.

  • Gute Entwicklung. Geld ist zum Ausgeben da und nicht um es irgendwo zu bunkern. Wachstum braucht Konsum. Zeit für negative Zinsen!

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