Tagesgeld und Festgeld
Das Rendite-Paradox

Das Zinstief ist längst erreicht, glauben viele Sparer. Doch bei Tages- und Festgeldern senken viele Banken ihre Sätze immer weiter. Welche Institute die Zinsen kappen – und wo es noch auskömmliche Renditen gibt.
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Direktbanken sind eigentlich nicht gerade für ihre zurückhaltende Art bekannt. Auf den Internetseiten werben sie in großen Lettern für Ihre Finanzprodukte. Bei Zinskonten legen sie derzeit aber eine ungewohnte Bescheidenheit an den Tag.

Eine flinke Stichprobe von Handelsblatt Online zeigt: Kaum eine Bank wirbt mehr für ihre Tages- oder Festgelder. Weder die ING-DiBa (Girokonto), noch die netbank (Online-Kredit), DAB Bank (Girokonto) oder die 1822direkt (Girokonto, Depot, Ratenkredit). Lediglich die Consorsbank lässt sich nicht lumpen. Dort steht wie in manchen früheren Tagen: „1,00% für 12 Monate“.

Die Bescheidenheit hat einen Grund. Denn Tagesgeld lohnt für die meisten Banken kaum noch. Angesichts der Liquiditätsschwemme baden die Banken im Geld. Auf dem Zinsmarkt ist nichts mehr zu holen, alle relevanten Referenzzinsen liegen im negativen Bereich. Und auch die Neukunden lassen sich bei Sätzen von 0,02 bis 1,1 Prozent immer schwerer anlocken.

„Die Hoffnung, dass die Zinsen in den nächsten Wochen stark ansteigen, dürfte vergebens sein“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. Zwar sind die Renditen für langfristige Anleihen oder Baugeld in den vergangenen Monaten nennenswert gestiegen. Im kurzfristigen Bereich tut sich aber weiterhin nichts.

„Es gibt derzeit keine Spur von einer Zinswende“, sagt der Münchner Finanzierungsvermittler Kurt Neuwirth. Bei einer echten Trendwende müsste aus seiner Sicht die Konjunktur heiß laufen und der Kurzfristzins steigen, da die EZB versuchen würde, die Konjunktur mit höheren Zinsen zu bremsen. „Davon sind wir meilenweit entfernt“, sagt Neuwirth.

Sparer die hoffen, das Zinstal wäre bereits durchschritten und die Sätze für Tagesgelder würden allmählich wieder steigen wurden in den vergangenen Monaten eines Besseren belehrt. Seit April senkten 31 der 88 untersuchten Tagesgeldbanken ihre Zinsen. In der Spitze ging es um 0,2 Prozent runter.

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