Tagesgeld und FestgeldDiese Banken bieten noch faire Prozente

Das Zinstief beutelt die Sparer. Fast noch schlimmer sind aber Banken mit ständig wechselnden Lockangeboten. Ein Vergleich zeigt, wer konstant hohe Zinsen bietet – und warum sich Festgeld wieder rechnet.

DüsseldorfDie Werbung der Banken wird immer schriller. Selbst pinkelnde Filmstars, schwitzende Ex-Kriminelle und madenessende Sternchen schrecken manche Institute auf der Jagd nach Kunden nicht mehr ab.

So wirbt die niederländische Rabo Direct während des Dschungelcamps bei RTL mit Einblendungen am unteren Bildrand für ihr Tagesgeld. „Spar Dir das“ und „Wir holen Sie aus dem Bankendschungel“ textete das Geldhaus, das sich selbst als „eine Bank ohne Krawatte, die Klartext redet und nach dem Genossenschaftsprinzip von Mensch zu Mensch agiert“ bezeichnet und Sparer aktuell mit zwei Prozent fürs Tagesgeld locken möchte.

So lautstark die Werbung für Tagesgeld vielfach geworden ist, so unberechenbar sind die Zinsen derzeit für die Sparer. Während die EZB im vergangenen Jahr nur einmal den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte senkte, fielen die Sätze für Tagesgeld im Durchschnitt um 0,7 Prozentpunkte.

Viele Direktbanken kürzten noch drastischer. Nach einer Analyse der FMH-Finanzberatung für das Handelsblatt haben fünf Institute ihre Sätze für Bestandskunden sogar um mehr als einen Prozentpunkt gesenkt. Besonders hart war der Schnitt bei der DAB Bank. Für Bestandskunden fiel der Zins für Produkte ohne Bedingungen von 2,76 Prozent auf 0,50 Prozent. Zum Vergleich: Im Schnitt erzielen Sparer bei Tagesgeld gut ein Prozent. Während das Institut im Zinsvergleich Anfang Januar 2012 noch zu den besten drei Anbietern für Bestandskunden zählte, bieten aktuell mindestens 25 Institute höhere Zinsen.

Generell gibt es einen Trend zu fallenden Zinsen. „Die Banken schaukeln sich bei den Zinsen aktuell selbst herunter“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Die Institute seien aktuell nicht sehr auf die Kundeneinlagen angewiesen. „Bei der Zentralbank gibt es Geld zu günstigen Konditionen und das Kreditgeschäft läuft aktuell eher mau“, sagt Herbst.

Kunden auf der Suche nach auskömmlichen Zinsen sollten daher wählerisch sein. Eine Analyse der FMH-Finanzberatung für Handelsblatt Online zeigt, welche Banken regelmäßig gute Zinsen bieten. Die Zinsexperten untersuchten die Konditionen für Neu- und für Bestandskunden bei Konten für Tages- und Festgeld. Der Vergleich zeigt konstant gute Anbieter sowohl für die erweitere deutsche Einlagensicherung wie für die gesetzliche Einlagensicherung. Lediglich 32 der getesteten 166 Banken schafften es in diesen vier Kategorien mindestens eine Woche unter die besten drei Angeboten.

Denn Zinshopping hat sich im vergangenen Jahr kaum gelohnt. Beim Tagesgeld schafft es Mone You in mehr als 50 der untersuchten 52 Wochen sowohl bei den Neu wie auch bei den Bestandskunden unter die besten drei Banken. Der Tagesgeld- und Festgeld-Anbieter hat Wurzeln in den Niederlanden und ist eine Marke der ABN Amro. Kunden, die dort abschließen eröffnen ein Konto bei ABN Amro. Es gilt die gesetzliche Einlagensicherung für Beträge in Höhe von bis zu 100.000 Euro.

Wer Anfang des Jahres bei Mone You abschloss, machte einen guten Schnitt. Bei einer Anlagesumme von 10.000 Euro erzielte er einen Ertrag in Höhe von 265 Euro. Kunden, die stattdessen immer beim schlechtesten Anbieter geblieben sind, erzielten lediglich 12 Euro.

Bei den Banken mit erweiterter deutscher Einlagensicherung gab es mehr Wettbewerb. Das Top-Institut bei den Neukunden war der Online-Broker Cortal Consors, der es mit seiner Offerte in 23 der untersuchten 52 Wochen auf die ersten drei Plätze schaffte. Bei den Bestandskunden landete in dieser Kategorie die AK Bank als bestes Institut 20-mal auf dem Treppchen.

Wer einmal bei einem Institut abgeschlossen hat, sollte ohnehin nicht jedem vermeintlich besseren Angebot ungeprüft hinterherlaufen. „Kunden sollten erst wechseln, wenn der Zinsunterschied mindestens 0,25 Prozentpunkte ausmacht“, sagt Herbst. Ansonsten sind die Zinsverluste für die Wechselzeit höher als der mögliche Zinsvorteil.

Die Auswahl ist nicht immer trivial. Kunden müssen nur vermeintlich günstige Schaufensterkonditionen mit zahllosen Bedingungen von nachhaltig guten Instituten unterscheiden. Zudem spielen Einlagensicherungen und Service eine Rolle. „Im Ernstfall einer Pleite ist es einfacher, in Deutschland sein Recht einzuklagen“, sagt Annabel Oelmann, die Leiterin der Gruppe Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Eine gesetzliche Absicherung in Deutschland bietet bis 100.000 Euro Schutz und darüber hinaus sollten Kunden auf Sicherungssysteme der Bankenverbünde bestehen.

Wer auf sein Geld länger verzichten kann, sollte den Abschluss eines Festgeldkontos erwägen. Im Schnitt gewähren die Banken bei Festgeld mit einer Laufzeit von 12 Monaten zwar nur 0,9 Prozent, also 10 Basispunkte weniger als bei Tagesgeld. Bei den Top-Anbietern sind die Konditionen aber gleich. „Wir rechnen mit weiter sinkenden Zinsen für Tagesgeldkonten“, sagt Herbst. „Wer jetzt Festgeld zu zwei Prozent oder mehr abschließt, dürfte auf Jahressicht den besseren Schnitt machen“. Kunden sollten nicht zu lange warten, da auch beim Festgeld die Zinsen bald sinken könnten.

Im vergangenen Jahr lagen bei Offerten mit einer Laufzeit von 12 Monaten bei der gesetzlichen Einlagensicherung die NIBC in 43 der untersuchten 52 Wochen vorne. Die NIBC bietet aktuell 2,10 Prozent und war beste Bank im Vergleich der Institute, die sich keinem Bankenfonds angeschlossen haben. Die Bank für den niederländischen Wiederaufbau unterliegt dem Sicherungsfonds in Holland, der - wie in Europa üblich - Beträge bis zu 100.000 Euro absichert.

Wer auf mehr Sicherheit setzt, lag im vergangenen Jahr bei der IKB direkt vorne. Die IKB, gegründet 1924, ist eine Spezialbank für Unternehmensfinanzierung in Deutschland und Europa. IKB direkt ist das Online-Angebot der IKB, das sich auf Tags- und Festgeld spezialisiert hat. Die Bank ist Mitglied bei der Einlagensicherung der deutschen Privatbanken und bietet aktuell einen Zins von 1,50 Prozent.

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