Tagesgeld und Sparbuch: Wer braucht eigentlich noch Zinskonten?

Tagesgeld und Sparbuch
Wer braucht eigentlich noch Zinskonten?

Die Zinsen sind im Keller, einige Institute offerieren nur noch 0,01 Prozent. Ein Verbraucherschützer erklärt, warum Sparer jetzt trotzdem Tagesgelder abschließen sollten und was bei der Auswahl der Anbieter zu beachten ist.

Viel zu bieten haben die meisten Banker derzeit nicht mehr. Die Zinspolitik der Notenbanken ließ die Renditen für Tages-und Festgelder in den Keller fallen. Trotzdem sollten Sparer nicht resignieren, erklärt Verbraucherschützer Markus Feck im Interview.

Herr Feck, Sparbücher, Tages- und Festgelder rentieren oft nicht mal mehr 0,1 Prozent. Welche Sparer sollten eigentlich solche Zinskonten noch abschließen?
Die inzwischen schon Jahre andauernde Niedrigzinsphase stellt in der Tat insbesondere für sicherheitsorientierte Sparer ein Problem dar, weil die Habenzinsen oft unterhalb der Inflationsrate liegen und das Geld real gesehen an Wert verliert. Trotzdem bleibt insbesondere ein Tagesgeldkonto notwendig, da dieses aufgrund der Flexibilität ideal für die Liquiditätsreserve ist. Diese sollte idealerweise drei Nettogehälter umfassen, mindestens aber 5.000 Euro.

Gibt es weitere Zielgruppen, für die Zinskonten interessant sind?
Auch wer für kurzfristige Ziele sparen will kommt – trotz der niedrigen Zinsen – kaum am Tagesgeld oder am Sparbuch vorbei, da andere Sparformen entweder mit Risiken verbunden sind oder die notwendige Flexibilität nicht gegeben ist. Anders sieht es aus, wenn für mittel- und langfristige Ziele gespart wird. Hier sollten Anleger in der Tat auf andere, geeignete Produkte ausweichen. Welche Produkte in Frage kommen, hängt letztlich von den individuellen Zielen und Präferenzen des einzelnen Anlegers ab.

Nicht alle Banken verzinsen nahe Null. Wie kommen eigentlich die enormen Spannen zustande – beim Tagesgeld variieren die Offerten für Neukunden zwischen 0,01 Prozent und 1,25 Prozent?
Diese Differenz kann aus ganz unterschiedlichen Gründen zustande kommen. Beispielsweise nutzen einige Kreditinstitute das Tagesgeldkonto als Akquiseinstrument, um neue Kunden zu gewinnen und bieten daher Konditionen, die über dem Marktdurchschnitt liegen.

Sind Direktbanken immer günstig?
Direktbanken haben in der Regel eine günstigere Kostenstruktur als Filialbanken und können diesen Vorteil unter anderem dafür nutzen, höhere Zinsen bei Tagesgeldkonten anzubieten. Doch selbst bei einer identischen Kostenstruktur müssen die Tagesgeldkonditionen nicht identisch sein. Die einzelnen Kreditinstitute setzen unterschiedliche Schwerpunkte. So kann bei einem Anbieter der Zins beim Tagesgeldkonto höher sein, dafür könnte zum Beispiel die Kreditkarte, der Verbraucherkredit oder auch das Girokonto teurer sein.

Lohnt bei den niedrigen Zinsen eigentlich ein Wechsel? Der Aufwand mit Postident, Online-Anmeldung und PinTan-Verfahren ist nicht ohne.
Dies ist eine berechtige Frage, die der eine Verbraucher mit ja und der andere mit nein beantworten wird. Eine allgemeingültige Antwort gibt es hier nicht, da es letztlich auf die individuelle Bewertung durch den einzelnen Verbraucher ankommt. Wer sich beispielsweise für die Summe von 10.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto bei gleicher Sicherheit von 0,4 Prozent auf 1,0 Prozent verbessern kann, bekommt letztlich im Monat fünf Euro mehr Zinsen. Damit sind wir in einer Größenordnung, die an die Kosten für das Führen eines Girokontos erinnert. Genauso wie beim Girokonto erleben wir, dass einige Kunden aus Kostengründen wechseln, andere hingegen Wert auf die Filiale vor Ort legen.

Wie können Kunden bei Tagesgeldern Lockvogel-Angebote identifizieren, die kurzzeitig hohe Zinsen bieten und danach wieder senken?
Hier sollte man vor einem Abschluss auf jeden Fall einen detaillierten Blick auf die „Sternchen“ werfen. Diese bedeuten in der Regel Einschränkungen. So kann der höhere Zinssatz nur für eine bestimmte Summe oder einen bestimmten Zeitraum gelten. Diese „Sternchen“ können aber auch mit weitergehenden Verpflichtungen verbunden sein. Beispielsweise könnte die Eröffnung eines Tagesgeldkontos nur möglich sein, wenn man auch ein Wertpapierdepot eröffnet. Der Umkehrschluss, dass Tagesgeldkonditionen ohne einschränkende „Sternchen“ letztlich besser sind, wäre allerdings auch ein Trugschluss. Denn dann kann die Bank oder Sparkasse jederzeit die Zinsen für das Tagesgeldkonto senken.

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