Taschengeld
Wenn der Finanzchef im Kinderzimmer sitzt

Was? Sie passen das Taschengeld Ihrer Sprösslinge nicht an die Inflation an? Na gut – damit sind sie nicht allein. Allerdings werden Sie nicht glauben, wo Ihr Kind beim Konsum überall mitredet.
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DüsseldorfWer glaubt, dass Eltern allein über Einkäufe und Freizeitgestaltung entscheiden, liegt gründlich falsch. Schon Kinder zwischen sechs und neun Jahren bestimmen nicht nur über ihr eigenes Taschengeld, sondern mischen auch bei den Familieneinkäufen ordentlich mit. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative KidsVerbraucherAnalyse (KidsVA).

So dürfen 76 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen und 92 Prozent der Zehn- bis 13-Jährigen selbständig ihr Taschengeld ausgeben. Außerdem bestimmen sie mit, was die Familie unternimmt (86, beziehungsweise 92 Prozent), welche Lebensmittel eingekauft werden (73, beziehungsweise 86 Prozent) und wie ihr Zimmer eingerichtet wird (56, beziehungsweise 82 Prozent). Auch ihren Wunsch, Lebensmittel, Kleidung oder Spielsachen einer bestimmten Marke zu kaufen, können sie meist bei den Eltern durchsetzen.

Pro Monat bekommen die Sechs- bis 13-Jährigen durchschnittlich 27 Euro Taschengeld. Dieser Wert stagniert seit 2012. Hinzu kommen pro Jahr jedoch durchschnittlich 179 Euro an Geldgeschenken zum Geburtstag, Weihnachten oder Ostern. Den größten Teil ihres Geldes geben die Kinder für Süßigkeiten, Kekse und Kaugummi aus (65 Prozent), es folgen Zeitschriften, Comics und Mangas (50 Prozent), auch Essen unterwegs und Fastfood wird von den Kindern bezahlt (38 Prozent). Auf Spielsachen entfallen nur 20 Prozent ihres Geldes.

Nach Hochrechnung der Studienautoren verfügen allein die sechs- bis 13jährigen in Deutschland insgesamt über regelmäßige Geldzuflüsse in Höhe von jährlich 1,82 Milliarden Euro, hinzu kommen Geldgeschenke in Höhe von 0,86 Milliarden Euro und durchschnittliche Sparguthaben von 2,42 Milliarden Euro. Dabei wurde eine Grundgesamtheit von knapp sechs Millionen deutschsprachigen Kindern in dieser Altersklasse zugrunde gelegt.

Kinder haben also zum einen großen Einfluss auf die Anschaffungen der Eltern und zum anderen selbst eine große Kaufkraft und stattliche finanzielle Rücklagen. Kein Wunder also, dass auch Banken den Nachwuchs längst als wichtige Zielgruppe erkannt haben. Sie überbieten sich geradezu mit Jugendkonten, Mäusekonten und Startkonten. „Viele Banken bieten für den Nachwuchs deutlich bessere Konditionen, als sie Erwachsene selbst bei Top-Anbietern ergattern können“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung, der kürzlich für Handelsblatt Online Giro- und Zinskonten für Kinder untersucht hat.

Die Einstellung zum Girokonto ist bei den Eltern jedoch sehr unterschiedlich. Manche wollen ihre Kinder möglichst früh an bargeldloses Bezahlen heranführen, andere lehnen das noch bis zur Volljährigkeit ab. Daneben bekommen Kinder teils auch auf ihre Sparbücher attraktive Zinsen und schon ab der Geburt können Eltern für die Kleinen Sparpläne mit monatlicher Einzahlung einrichten.

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