Tool der Woche

Welche Banken die Dispo-Zinsen senken

Nach der letzten Zinssenkung der EZB und dem Druck aus der Politik, reduzieren viele Banken ihre Dispozinsen. Eine Auswertung zeigt, welche Institute ihre Sätze anpassen. Bei einigen Banken geht es kräftig runter.
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Zahlreiche Banken bieten solventen Schuldnern Top-Konditionen. Quelle: Getty Images

Zahlreiche Banken bieten solventen Schuldnern Top-Konditionen.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfWenn es jemals Zweifel daran gegeben hat, dass die „Bild“-Zeitung als eine Art Bibel für Politiker gilt, dann dürfte die aktuelle Diskussion um Dispokredite diese ausräumen. Nach einer Umfrage des Boulevard-Blattes unter zehn Banken kam heraus, dass die meisten Institute der Stichprobe die Sätze um 0,1 Prozentpunkt senken möchten.

Damit folgt die Mehrzahl der Institute aus der „Bild“-Stichprobe den Vorgaben der Europäischen Zentralbank. Die Institute sind verpflichtet, ihre Dispozinsen an einen Referenzzins zu binden, etwa den Leitzins oder den Euribor. Bei sinkenden Zinsen müssen sie innerhalb einer bestimmten Frist ihre Sätze nach dieser Vorgabe anpassen. Stärkere Senkungen sind natürlich auch erlaubt.

Die Opposition nahm die Vorlage vom Boulevard gierig an. „Die aktuellen Zinssenkungen sind ein schlechter Witz“, wetterte die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch. Kritik kam auch von den Linken. Beide Oppositionsfraktionen fordern gesetzliche Obergrenzen für Dispozinsen.

Genau diese Obergrenze war Wahlkampfthema von SPD-Kandidat Peer Steinbrück. In den Koalitionsverhandlungen hat die CDU der SPD eben diesen Wunsch aber verwehrt. Stattdessen soll die Bank den Kunden warnen, bevor er in den Dispo rutscht und günstigere Kreditalternativen anbieten.

Kein Grund für Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, trotzdem unverdrossen eine Senkung der Dispozinsen zu fordern. „Wenn Banken gleichzeitig für die Inanspruchnahme von Dispokrediten völlig überzogene Zinsen nehmen, ist das aus Sicht der Verbraucher unverständlich,“ sagte Billen.

Zinsrutsch um bis zu einen Prozentpunkt
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15 Kommentare zu "Tool der Woche: Welche Banken die Dispo-Zinsen senken"

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  • Tja, Herr Olaf Kumpfert,

    wer den Wiso-Bericht mit der "Kredit-Oma" als Bewertungsmasstab für Arbeit der Banken heranzieht, der hat offensichtlich wenih Kenne vom Bankgeschäft. Denn in der Bericht strotzte nur so von Fehlern. Da sollte man sich eher beim ZDF beschweren, dass dort für so einen Müll unsere Zwangsabgaben verschwendet werden.
    Die anderen Unterstellungen von oben kann ich nicht bestätigen. .Habe in meinem Lebenslauf 3 Banken/ Sparkassen als Arbeitgeber vorzuweisen und keines der Argumente habe ich so je erlebt.

  • Wenn hier schon von Transparenz geschrieben wird, ist es sicher auch dem interessierten Leser gegenüber möglich, dass hier einmal alle "Zuwendungen" i.S. von WpHG/MaComp zwischen:

    Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH & Co. KG, dern Töchter,deren übergeordneter Unternehmen sowie aller freischaffenden Mitarbeiter
    und der
    FMH-Finanzberatung e.K.

    offengelegt werden.

    Gibt es eigentlich auch eine XXX-Autoberatung, die sich gegen die Überführungskosten von Neuwagen einsetzt?

  • Banker werden nicht deshalb als "Bangster" bezeichnet, weil sie gewinnorientiert arbeiten. Das ist ihr Job, den jeder Unternehmer zu machen hat.

    Banker werden als "Bangster" bezeichnet,
    - weil sie einer WiSo-Oma die ein Kredit über 4.000 Euo haben will, 8.000 und mehr zu absurden Zinssätzen aufschwatzen.
    - weil sie Handwerkern und Bauherren raten ihre kurzfristigen Projekte über teure Kontokorrente zu finanzieren, weil dies billiger sein soll. Sie wissen, dass die Handwerker nicht in der Lage sind, die Zinsrechnung auf die zahlreichen Buchungen anzuwenden.
    - weil sie vertraglich 6 % vereinbaren, aber 7 % tatsächlich kassieren.
    - weil sie falsch Rechnen, weil sie wissen, dass die Bankenaufsicht BaFin bei ihrer Meinung bleibt, Banken dürfen falsch rechnen: "Geringfügige Fehler (der Banken-d.Verf.) können dann hingenommen werden, (…)". Die anschließende Begründung der BaFin, warum Banken falsch rechnen dürfen, finden Sie in "Zinsklau", S. 288.
    - weil sie die Zinssätze auf den Kontokorrenten (Dispos) nicht anpassen.
    - weil sie Unternehmen und Kommunen bei ihren Swaps einen festen Zinssatz versprechen, aber nicht halten und bei dieser Wette heimlich gegen den eigenen Kunden wetten (zB Dill und hunderte anderer).
    - weil sie ihren Kunden eine feste Kapitalanlage versprechen, tatsächlich aber in hochriskante Anlagen gehen.
    - weil sie bei Ende der Zinsfestschreibung einer Baufinanzierung, wenn die Kapitalnutzung weiter läuft, viel zu hohe Zinssätze berechnen. Die Kunden können ja nicht weg, die Bank weigert sich die Sicherheiten herauszugeben.
    - weil sie komplexe Immobilienfinanzierungen verkaufen, in denen für den Kunden nicht erkennbar mehrfache Provisionen für den Vermittler verstecket und im Vergleich zu einer Annuität viel zu teuer sind.
    - weil sie auf dem Girokonto Zinseszinsen kassieren, die laut BGB § 282 verboten sind.
    - weil, … das reicht, glaube ich, denn ich muss heute auch noch etwas arbeiten.

  • Die Diskussion macht keinen Sinn, darum verabschiede ich mich.
    Banken werden als Bankster bezeichnet, weil sie gewinnorientiert arbeiten.
    Jede andere Branche arbeitet natürlich nicht gewinnorientiert und verlangt keinen Preis für ihre Dienstleistungen oder Produkte. Es gibt jedenfalls gute Gründe für die Preise und das Bankgeschäft ist ein wenig komplexer als sich Geld für 0,15% zu leihen und es für 10% oder mehr weiter zu verleihen. Meine Argumente habe ich oben dargelegt. Aber dank der Volksverdummung der Politiker und sog. Verbraucherschützer (die in der Regel oberflächlich, falsch und sensationsgetrieben berichten) sind die Banken in den Augen der Bürger die bösen. Komisch, dass so viele der Menschen, die gerechtfertigte Gebühren und Preise als "Abzocke" bezeichnen am nächsten TZag wieder am Bankschalter stehen und ein kostenloses Girokonto einforder oder um Spenden für die Trikots ihrer Jugendsportmannschaften oder für`s nächste Schützenfest werben.

  • Wir reden hier über Banken. Über Strom wird an einer anderen Stelle diskutiert.

  • Ja, klasse, dann sagen Sie doch ihren Chefs, sie sollen mit dieser unsinnigen Werbung für Urlaubskredite, Freiheitskredite, Unabhängigkeitskredite etc. aufhören. Es sind doch die Banken, die Milliarden in die Kreditwerbung stecken, damit der unbedarfte Kunde in diese Kreditfalle tappt.

  • Ich will ihnen erklären, Herr Insider, warum wir auf den Dispozinsen herumreiten:

    1- Nirgendwo ist Geld so teuer wie auf dem Dispo. Wenn ich mich richtig erinnere dürfen Banken bei Krediten bis zu 4 Jahren diese Kredite aus den Guthaben der Girokonten finanzieren. Sie zahlen Null Prozent und kassieren dafür über 10 Prozent.

    2- Eigenkapital frisst kein Geld, man kann damit sogar Geld verdienen. Siehe die Eigenkapitaldefintion, die zulässt, dass Immobilien, Aktien als Eigenmittel akzeptiert werden.

    3- Es gibt kaum ein Land auf der Welt in dem das Ausfallrisiko geringer als in Deutschland. Und beim Girokonto ist es nicht höher als bei anderen Ratenkrediten auch.

    4- Deshalb kommen ja die vielen ausländischen Banken zu uns. Und, weil sie nur bei uns ihre Kunden unrechtmäßig zu hohe Zinsen und Bankentgelte berechnen dürfen.

    4- Andere Kreditformen nutzen: Wunderbar, aber warum schwatzen die Bankberater z.B. den Handwerkern auf, ihre Projekte über den Dispo zu finanzieren? Die Handwerker glauben den Bankstern, dass eine Dispofinanzierung günstiger sei als ein langfristiges Darlehen.

  • Genau, und deshalb sollte man weder den Berliner noch den VW-Golf in Deutschland kaufen.

    ... und noch eins, so hoch können die Verwaltungskosten von Banken gar nicht sein, dass der 60-fache Aufschlag gerechtfertigt wäre.

    Es zeigt nur zu deutlich, dass sich da eine Branche fette Gewinne zu Lasten der Bürger einsackt und der Gesetzgeber dieses Wuchertum nicht einschränkt.

    Da Sie nach allem Bekunden aus dem Bankensektor stammen können Sie uns allen ja mal Ihre tolle Rechnung (Basis Leitzins 0,15% und Dispozins 9% bei Banken) vorstellen und vor allem, wieviel Gewinn für die Finanzintermediäre nach Abzug aller Kosten über bleibt. Vielen Dank!

  • Man sollt esich einmal mit den Sparten beschäftigen, in denen wirklich abgezockt wird: Energie z.B.
    Meine Bank kann ich wechseln, den Dispo muss ich nicht in Anspruch nehmen, sofern ich nur soviel Geld ausgebe, wie ich einnehme.
    Strom, Gas, etc benötige ich immer. Und egal bei welchem Anbieter ich beziehe, Steuern, EEG-Umlage etc zahle ich immer, obwohl die Unternehmen Milliardengewinne einfahren. Die Preise steueigen trotzdem.

  • Vielleicht sollte man auch mal sein Konsumverhalten überdenken: Jemand, der mit dem Dispo die wieder einmal dreistellige Handyrechnung zahlt beklagt sich wahrscheinlich über die hohen (aber dennoch gerechtfertigten - siehe oben) Dispozinsen. Er hinterfragt aber nicht, ob das Telekommunikationsunternehmen evtl auch überhöhte Preise abrechnet. Schon komisch, dieses Banken-Bashing.

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