Tool der Woche Wie Sie sich vor der Privatinsolvenz schützen

Heute pleite, in drei Jahren schuldenfrei? Justizminister Heiko Maas hat das Ruck-Zuck-Insolvenzverfahren für Privatschuldner eingeführt. Doch es hakt. Wie Sie den Überblick über Ihre Finanzen behalten, lesen Sie hier.
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Bei einer Insolvenz wird zuerst das vorhandene Vermögen verwertet. Quelle: Imago
Pfandsiegel

Bei einer Insolvenz wird zuerst das vorhandene Vermögen verwertet.

(Foto: Imago)

FrankfurtWie schwierig es für einen Schuldner ist, sich mit seinen Gläubigern zu einigen, zeigt seit Monaten das Beispiel Griechenland. Ganz ähnlich ergeht es auch Privatleuten. Jedes Jahr betrifft das mehr als 80.000 in Deutschland. Selbst wenn sie eigentlich gerne zahlen würden, scheitern außergerichtliche Einigungsversuche häufig.

Anders als bei den Hellenen folgt dann aber ein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren. Seit einem Jahr ist eine überarbeitete Fassung in Kraft. Dadurch sollten die Schuldner „früher eine zweite Chance“ bekommen und wirtschaftlich neu anfangen können, warb damals Justizminister Heiko Maas. Tatsache ist jedoch: In der Praxis hat sich kaum etwas verändert. „Die Hürde für den schnellen Schuldenschnitt ist viel zu hoch", bilanziert Stefano Buck, Fachanwalt für Insolvenzrecht bei Schultze & Braun.

Möglich sind Privatinsolvenzen in Deutschland seit 1999. Das Prinzip: Wenn ein außergerichtlicher Einigungsversuch mit den Gläubigern scheitert, stellt der Verbraucher bei Gericht einen Insolvenzantrag. Falls er noch pfändbares Vermögen hat, muss er dieses abgeben und damit die Verfahrenskosten oder einen Teil seiner Schulden begleichen. Sechs Jahre lang tritt er dann einen Teil seines Einkommens an die Gläubiger ab - sofern er überhaupt eines hat. Nach Ablauf dieser sogenannten Wohlverhaltensphase wird ihm die Restschuld erlassen. „Gläubiger bekommen dabei meist nur etwa fünf Prozent ihres Geldes zurück“, so Buck.

Dank der Neuregelung können Verbraucher jetzt schon nach drei Jahren schuldenfrei sein, zugleich sollen Gläubiger mehr zurückbekommen – allerdings nur theoretisch. Denn innerhalb der drei Jahre müssen die Pleitiers die Verfahrenskosten für Gericht und den Insolvenzverwalter zahlen und dazu noch mindestens 35 Prozent der Gläubigerforderungen aufbringen. „Das ist illusorisch, denn das summiert sich auf mindestens 50 bis 60 Prozent der Gesamtschulden“, sagt Birgit Höltgen, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW.

Entgegen aller Vorurteile ist maßloser Konsum keineswegs die Hauptursache für eine Überschuldung. In finanzielle Schieflage geraten Verbraucher insbesondere durch Arbeitslosigkeit, familiäre Probleme wie eine Scheidung oder den Tod des Ehepartners oder durch Krankheiten und Unfälle. Zudem müssen die Schuldner häufig Unterhaltszahlungen leisten. Dennoch gilt: Um eine Überschuldung zu vermeiden, brauchen Verbraucher einen guten Überblick über ihre Ausgaben und Einnahmen. Diesen verschafft etwa ein Budget-Rechner. Hier können die Einnahmen und Ausgaben detailliert erfasst werden und am Ende wird berechnet, wie hoch die Gesamtausgaben sind.

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1 Kommentar zu "Tool der Woche: Wie Sie sich vor der Privatinsolvenz schützen"

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  • Liebe Redaktion,

    Warum sind eigentlich Artikel über private Insolvenzen so dermaßen schlecht recherchiert?
    1. Es gibt zwei "Restschuldbefreiungsverfahren" für natürliche Personen. Bei dem Regelinsolvenzverfahren mit Restschuldbefreiung ist ein Außergerichtlicher Vergleich, den eine anerkannte Person oder Stelle testieren muss, nicht vorgesehen.
    2. Der schlimmste Fehler: Auslöser (nicht Ursache) für eine Überschuldung sind Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung. Nur weil jemand morgens aufwacht und feststellt, er ist krank, ist er doch noch nicht überschuldet! Ursache ist die langfristige vertragliche und wirtschaftliche Bindung des Schuldners an Vertragspartner, Banken, Energieversorger und z. B. Telekommunikationsunternehmen.

    Bitte demnächst etwas mehr Tiefgang.

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