Top-Analysten im Interview
„Die Altersvorsorge verliert an Wert“

Das Zinstief peinigt die Versicherer. Zwei Topanalysten erklären, wann die ersten Versicherer ihre Garantien nicht mehr bedienen können und warum die Menschen für die Altersvorsorge jetzt auf Konsum verzichten sollten.
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Es ist eine ansprechende Lage, in der die Ratingagentur Assekurata residiert. In Köln Ehrenfeld, nahe der alten 4711-Fabrik, deren golden-türkisfarbene Fassade in der ersten Frühlingssonne erstrahlt. Nicht weit vom alten Neptunbad, dem ehemaligen Schwimmbad der Arbeiter, das jetzt eine exklusive Fitness- und Wellnessoase ist.

Für solche Sehenswürdigkeiten ist aber keine Zeit im Gespräch mit den Führungskräften der Assekurata, die Bilanzen und Produkte von Versicherern bewertet. Die Gesprächsatmosphäre ist ernst. Seit Anfang März kauft die Europäische Zentralbank (EZB) zusätzlich Staatsanleihen in Milliardenhöhe an – eine Entscheidung, die sich auch auf Deutschlands Lebensversicherer auswirken wird.

Es geht um die private Altersvorsorge der Mehrzahl der Deutschen. Sparer stellen sich die Frage, ob sich ihre private Vorsorge noch lohnt. Oder ob sie von Altersarmut betroffen sein werden. Reiner Will, Geschäftsführer von Assekurata, und Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse, stehen in einem intensiven, mehrstündigen Gespräch geduldig Rede und Antwort.

Herr Will, Herr Heermann, EZB-Chef Mario Draghi wehrt sich mit drastischen Maßnahmen gegen die drohende Deflation. Macht er einen guten Job?
Will: Global betrachtet sind die Zielsetzungen der EZB, die Konjunktur in Europa anzuregen und das Inflationsziel im Auge zu behalten, durchaus wichtig. Allerdings haben die Mittel, die die EZB dafür ansetzt, auf die Versicherungswirtschaft einen starken negativen Einfluss.

Seit vergangenen Woche kaufen die Notenbanken der Euro-Länder im Auftrag der EZB Staatsanleihen. Mit welchen Folgen rechnen Sie auf den Finanzmärkten?
Will: Die Märkte antizipieren die geldpolitischen Entscheidungen. Der Euro ist schon drastisch gefallen und auch die Renditen von Staatsanleihen haben bereits reagiert. Das betrifft Deutschland, aber auch das europäische Ausland. Wenn wir nach Spanien, Frankreich oder Italien schauen, sind die Zinsen dort bereits massiv runtergegangen.

Doch genau solche Anleihen haben Versicherer doch auf den Kaufzetteln. Können sie die Garantiezinsanforderungen – im Marktdurchschnitt liegen die noch bei knapp drei Prozent – so überhaupt noch decken?
Heermann: Der Druck auf den Zinsen bleibt hoch. Wir beobachten schon heute, dass die durchschnittliche Bonität in den Portfolios der Lebensversicherer zurückgeht, weil die Gesellschaften in der Neuanlage zwangsläufig mehr Risiko eingehen müssen. Schon jetzt müssen die Versicherer Risikoprämien akzeptieren, die eigentlich im langjährigen Durchschnitt zu niedrig sind – und das wird sich durch den aktuellen großen Schritt der EZB weiter intensivieren.

Welche Anleihen mit niedrigerer Bonität halten die Versicherer?
Heermann: Das können europäische Staaten sein, die eine entsprechend höhere Ausfallwahrscheinlichkeit haben – mit der Einschränkung, dass auch da der Renditedruck höher wird. Das können aber auch Mittelstandsanleihen im Unternehmenssektor sein. Einige Versicherer investieren alternativ in Emerging-Markets-Anleihen Es gibt aber keine einförmigen Strategien. Jeder Lebensversicherer versucht, einen passenden Anlagefokus für sich zu finden.

Oft wird Versicherern vorgeworfen, sie würden zu vorsichtig anlegen. Können, wollen oder trauen sie sich nicht, für die Kunden mehr Rendite in der Anlage rauszuholen?
Will: Faktisch können sie es nicht. Im Moment muss ein durchschnittlicher Versicherer laufend rund 2,80 Prozent Verzinsung auf die Garantien im Bestand erwirtschaften – jedes Jahr, wobei die gestellten Zinszusatzreserven hier bereits berücksichtigt sind. Er braucht also laufende Ausschüttungen – und Investitionen, die ihm diese bieten. Das klassische Lebensversicherungsmodell steckt im Gefangenendilemma.

Heermann: Die Versicherer investieren den Großteil der Gelder nicht etwa deshalb im festverzinslichen Bereich, weil sie das für die einzige „richtige Anlage“ halten. Allerdings sind laufende Zinseinkünfte für die langfristige Finanzierung der Versicherungsleistungen zwingend notwendig.

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  • Wieviel kranke Börsenschwankungen seit 2001 (IT-Blase) bis heute hatten wir ?

    Welcher junge Arbeitnehmer kann die Jahrzehnte in seinem Arbeitsleben und die der Finanzwelt seriös einschätzten/beurteilen ? Wer ?

    Man hat gewollt die Rente zu unrecht kaputt geredet, damit man das gesenkte Rentenniveau und die LOBBY-RIESTER-RENTE dem Arbeitnehmer unterjubeln konnte !
    Die totale Volksverars..ung !!!

    Die immer noch kriminelle, deregulierte Finanzwelt kann dem Arbeitnehmer keine seriöse Perspektive für seine Altersvorsorge bieten/sichern !
    Siehe die betroffenen USA-Altersvorsorge-Opfer, nach den Finanzkrisen !

    Es gleicht einem Glücksspiel und ist unseriös, nett ausgedrückt !

    Eine seriöse Rentenreform muss her und endlich eine Anerkennung seiner Lebensleistung mit der entsprechenden Lebensqualität ! Und keine Almosen !



  • Wieso wird nach Ihrer Meinung die künftige Rentenergeneration betrogen?
    Es ist schon seit Jahrzehnten klar, dass man sich nicht auf den Staat verlassen kann. Jeder, der eins und eins zusammen zählen kann, diversifiziert seine Altersvorsorge u.a. durch Immobilien und Aktien. Auch hier gibt es Risiken, aber man hat nicht "alle Eier in eienm Korb". Das ist für mich das entscheidene Kriterium. Wer das nicht macht bzw. nicht gemacht hat sollte bitte nicht den Fehler bei Merkel und Draghi suchen, sondern sich an die eigenen Nase fassen. Auch wenn diese Einsicht deutlich unbequemer ist, als anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben.

  • @ Thomas Podgacki
    Hallo Herr Podgacki,
    wenn Sie meinen Kommentar richtig durchlesen werden Sie erkennen, dass ich alles andere als ein Hellseher bin. Gerade aus diesem Grund habe ich diversifiziert und nicht "alle Eier in einen Korb gelegt". Auch mir gibt keiner eine Garantie, dass diese Entscheidung die Richtige ist. Ich werde aber nicht jammern, sollte ich daneben liegen. Sie schreiben, dass "viele den Politikern" geglaubt haben. Ich kann Ihnen nur wünschen, dass Sie nicht dazu gehört haben. Allen anderen sollen bitte nicht enttäuscht sein, möglicherweise gibts ja noch den Weihnachtsmann der weiter hilft. Ihnen alles gute.

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