Überschussbeteiligung sinkt Allianz-Lebensversicherungen werfen weniger ab

Die Allianz hält nicht mehr viel von der klassischen Lebensversicherung, die lange Jahrzehnte der Verkaufsschlager der Branche war. Und die Kunden müssen sich von der Vier vor dem Komma bei der Verzinsung verabschieden.
Update: 09.12.2015 - 17:39 Uhr 15 Kommentare
Lebensversicherungen senken die Überschussbeteiligungen. Doch die reale Verzinsung bleibt deutlich im Plus – denn die Inflation liegt derzeit nahe null. Quelle: Imago
Da hilft kein Schmollen

Lebensversicherungen senken die Überschussbeteiligungen. Doch die reale Verzinsung bleibt deutlich im Plus – denn die Inflation liegt derzeit nahe null.

(Foto: Imago)

FrankfurtDie gute, alte Lebensversicherung mit Garantiezins hat ihre besten Zeiten hinter sich. Seit Jahren sinkt die Rendite – und auch der Marktführer Allianz muss bei der klassischen Lebensversicherung die Ausschüttungen senken: Die Gesamtverzinsung für die Lebensversicherung mit Garantiezins der Allianz sinkt unter die wichtige Marke von vier Prozent.

Die Rendite der klassischen Lebensversicherung setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen: Zum einen dem Garantiezins. Dessen Höhe wird bei Abschluss der Versicherung für die gesamte Laufzeit festgelegt. Vor einigen Jahren lag er noch bei vier Prozent, mittlerweile beträgt er gerade einmal 1,25 Prozent. Doch der Garantiezins wird nur auf den Sparanteil gezahlt. Das ist der Betrag, der übrig bleibt, nachdem der Versicherer Kosten für Provisionen und Verwaltung abgezogen hat.

Dazu kommen dann wiederum – wenn man nicht seine Lebensversicherung kündigt – die laufende Verzinsung, Anteile an den Bewertungsreserven und Schlussgewinne. Je nachdem, wie gut der Versicherer gehaushaltet oder das Geld seiner Kunden an den Börsen angelegt hat, fallen diese Posten höher oder niedriger aus. Und die Versicherer haben einen gewissen Spielraum dabei, wie sie diese Gelder zurücklegen oder ausschütten.

Die Allianz wird nun ihren Lebensversicherungskunden durchschnittlich eine gesamte Verzinsung von 3,7 Prozent für das Jahr 2016 gutschreiben. Diese setzt sich zusammen aus einer laufenden Verzinsung von 3,1 Prozent sowie einem Schlussüberschuss und dem Sockelbetrag für die Beteiligung an den Bewertungsreserven von weiteren 0,6 Prozent. Allianz-Leben-Kunden, die ihre Verträge zwischen 1994 und 2000 abgeschlossen haben, müssen keine Einbußen hinnehmen. Denn damals lag der Garantiezins noch bei 4,0 Prozent – und den muss der Versicherer über die gesamte Vertragslaufzeit sicherstellen.

„In einem Umfeld historisch niedriger Zinsen und volatiler Kapitalmärkte ist eine Anpassung der Überschussbeteiligung unumgänglich“, heißt es zur Begründung. Vergangenes Jahr hatte der Versicherungsriese betont, unter dem Strich noch eine Gesamtverzinsung von 4,0 Prozent zu erreichen. „Eine Vier vor dem Komma zu haben, ist ein starkes Signal“, sagte Allianz-Vorstand Alf Neumann damals. Das ist nun offenbar passé.

Aber die Allianz will nicht das Ende der Lebensversicherung an sich: Das neue Lebensversicherungsprodukt „Perspektive“ ist der neue Klassiker, lautet die Devise bei dem Marktführer; eine Lebensversicherung, die nicht mehr auf dem klassischen Garantiezins basiert. Ähnliche Lebensversicherungsmodelle haben auch andere Gesellschaften auf den Markt gebracht. Denn die Kosten für Garantien sind hoch, was sich gerade in den Zeiten niedriger Zinsen bemerkbar macht. Die Allianz trommelt daher für ihr neues Lebensversicherungskonzept, das den Kunden eine höhere Rendite in Aussicht stellt – aber eben nicht garantiert.

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15 Kommentare zu "Überschussbeteiligung sinkt: Allianz-Lebensversicherungen werfen weniger ab"

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  • Korrekturen:

    1.) "Und dafür auch noch hohe, bis vor Kurzem völlig intransparente Kosten akzeptieren und - noch schlimmer..."

    2.) "Flexibilität bei der Gestaltung UNSERER finanziellen und..."

  • "Der Grundgedanke einer Disziplinierung des Kunden über hohe Anlaufkosten und eine lange Laufzeit schufen bei vielen Kunden erst so etwas wie Durchhaltewillen, eine vorherige Kündigung soll auch weh tun."

    Sind wir alle Masochisten, oder warum sonst sollten wir uns von irgendeinem Unternehmen disziplinieren lassen??!

    Und dafür auch noch hohe, völlig intransparente Kosten (zumindest bis vor Kurzem) akzeptieren und - noch schlimmer - uns obendrein auch noch jahrzehntelang jegliche wirkliche Flexibilität bei der Gestaltung meiner finanziellen und sonstigen Lebensverhältnisse nehmen lassen, und das alles nur wegen ein bisschen (vermeintlicher!) Sicherheit?

    Lesen Sie mal den Kommentar von Herrn Keizer, da ist was dran.

    Die einzig sinnvolle Lebensversicherung ist die Risiko-Lebensversicherung, und das auch nur dann, wenn es tatsächlich etwas abzusichern gibt (in erster Linie natürlich Hinterbliebene, falls man Familie mit kleinen Kindern hat).

    Lesen Sie mal den Kommentar von Herrn Heinz Keizer

  • Die Lebensversicherer bedanken sich bei der EZB ;)

  • Seltsam, das in den ganzen Artikel nicht nachgefragt wird wie es zu der .......kommen konnte.
    Ich weiß die Antwort.

  • Mit der klassischen Lebensversicherung wurde noch nie "das Leben versichert". Das geht auch gar nicht. Es handelt(e) sich vielmehr um eine Kombination von Sparplan und Risikoversicherung, die das finanzielle Risiko beim Tod absicherte. Die Risikoversicherung kann man selbstverständlich weiterhin abschließen und sollte es bei Bedarf auch machen. Wie man sein Geld anlegt, hätte man in der Vergangenheit schon besser selber entschieden sollen und kann es selbstverständlich auch jetzt. Nur die Anlage über eine Kapitallebensversicherung mit einer sicheren (?) Rendite hat sich wohl erledigt.

  • Aber die Dividende der Allianz wurde dieses Jahr um fast 30% erhöht. Das sagt doch alles.

  • Die einzige Lebensversicherung die man(n) braucht, ist physisches Gold zur Absicherung des Vermögens. Und im Verhältnis dazu (10 bis 15 % am Gesamtvermögen aus Aktien, Immobilien etc.). Fertig.

  • Das sollte eigentlich nur Versicherungs-Kaufleuten "mit ihrer Provisionsbrille"
    gestattet sein.

  • Tja, was sagt man denn dazu?
    Kapitallebensversicherungen waren schon immer schlecht? Die Aussage ist viel zu undifferenziert. Natürlich prügeln die Verbraucherschützer seit Ewigkeiten gerne auf ihren Lieblingsfeind ein, na und, sagt das etwas über den Sinn oder Unsinn der LV aus? Quatsch. Sind Bausparverträge gut oder schlecht? Usw, usw...
    Die Kapitallebensversicherung ist schlecht im Vergleich wozu? Die Antwort darauf dürfte schwer fallen. Was ist denn das richtige Produkt für die Altersvorsorge? Rentenpapiere, Unternehmensanleihen, Bundesschatzbriefe, Festgeld, Sparpläne???? Mit Sicherheit ist der alleinige Abschluss einer Kapital-LV so wenige ratsam wie der singuläre Abschluss jeder anderen Anlageform. Mit Sicherheit gibt es an den Kosten und vor allem auch an den Vertriebsmethoden der Gesellschaften jede Menge berechtigte Kritik. Das hysterische Geschrei, dass die Gesellschaften und die Vermittler viel zu viel daran verdienen wollen, ist absolut deplatziert. Das ist wieder so eine Neiddebatte. Wer spricht denn darüber, wie hoch der Gewinn des Bäckers an einem Brötchen ausfällt. Regelmäßig ist festzustellen, dass die Anderen grundsätzlich zu viel in Rechnung stellen. Nur man selber verdient zu wenig....
    Der Grundgedanke einer Disziplinierung des Kunden über hohe Anlaufkosten und eine lange Laufzeit schufen bei vielen Kunden erst so etwas wie Durchhaltewillen, eine vorherige Kündigung soll auch weh tun.
    An der momentanen Situation und den großen Schwierigkeiten trägt vor allem auch die Politik eine Mitschuld. Gerade die hohe Beliebtheit der LV bei den Kunden hat den Finanzminister schon immer begehrlich werden lassen. Wer ist denn der größte Zwangsabnehmer für die Staatsanleihen? Natürlich die Lebensversicherer. Die engen gesetzlichen Vorgaben für das gebundene und das übrige Vermögen der Versicherer lassen zu fast 90 Prozent lediglich die Anlage in den traurigen Staatsanleihen zu. Wer soll damit auskömmliche Renditen erzielen?

  • Der Betrachter muß schon ziemlich "ALT" sein, denn 4% und mehr als Verzinsung bei der Lebensversicherung gehört schon in den Geschichtsbüchern!!!

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