Überschussbeteiligung sinkt
Allianz-Lebensversicherungen werfen weniger ab

Die Allianz hält nicht mehr viel von der klassischen Lebensversicherung, die lange Jahrzehnte der Verkaufsschlager der Branche war. Und die Kunden müssen sich von der Vier vor dem Komma bei der Verzinsung verabschieden.
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FrankfurtDie gute, alte Lebensversicherung mit Garantiezins hat ihre besten Zeiten hinter sich. Seit Jahren sinkt die Rendite – und auch der Marktführer Allianz muss bei der klassischen Lebensversicherung die Ausschüttungen senken: Die Gesamtverzinsung für die Lebensversicherung mit Garantiezins der Allianz sinkt unter die wichtige Marke von vier Prozent.

Die Rendite der klassischen Lebensversicherung setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen: Zum einen dem Garantiezins. Dessen Höhe wird bei Abschluss der Versicherung für die gesamte Laufzeit festgelegt. Vor einigen Jahren lag er noch bei vier Prozent, mittlerweile beträgt er gerade einmal 1,25 Prozent. Doch der Garantiezins wird nur auf den Sparanteil gezahlt. Das ist der Betrag, der übrig bleibt, nachdem der Versicherer Kosten für Provisionen und Verwaltung abgezogen hat.

Dazu kommen dann wiederum – wenn man nicht seine Lebensversicherung kündigt – die laufende Verzinsung, Anteile an den Bewertungsreserven und Schlussgewinne. Je nachdem, wie gut der Versicherer gehaushaltet oder das Geld seiner Kunden an den Börsen angelegt hat, fallen diese Posten höher oder niedriger aus. Und die Versicherer haben einen gewissen Spielraum dabei, wie sie diese Gelder zurücklegen oder ausschütten.

Die Allianz wird nun ihren Lebensversicherungskunden durchschnittlich eine gesamte Verzinsung von 3,7 Prozent für das Jahr 2016 gutschreiben. Diese setzt sich zusammen aus einer laufenden Verzinsung von 3,1 Prozent sowie einem Schlussüberschuss und dem Sockelbetrag für die Beteiligung an den Bewertungsreserven von weiteren 0,6 Prozent. Allianz-Leben-Kunden, die ihre Verträge zwischen 1994 und 2000 abgeschlossen haben, müssen keine Einbußen hinnehmen. Denn damals lag der Garantiezins noch bei 4,0 Prozent – und den muss der Versicherer über die gesamte Vertragslaufzeit sicherstellen.

„In einem Umfeld historisch niedriger Zinsen und volatiler Kapitalmärkte ist eine Anpassung der Überschussbeteiligung unumgänglich“, heißt es zur Begründung. Vergangenes Jahr hatte der Versicherungsriese betont, unter dem Strich noch eine Gesamtverzinsung von 4,0 Prozent zu erreichen. „Eine Vier vor dem Komma zu haben, ist ein starkes Signal“, sagte Allianz-Vorstand Alf Neumann damals. Das ist nun offenbar passé.

Aber die Allianz will nicht das Ende der Lebensversicherung an sich: Das neue Lebensversicherungsprodukt „Perspektive“ ist der neue Klassiker, lautet die Devise bei dem Marktführer; eine Lebensversicherung, die nicht mehr auf dem klassischen Garantiezins basiert. Ähnliche Lebensversicherungsmodelle haben auch andere Gesellschaften auf den Markt gebracht. Denn die Kosten für Garantien sind hoch, was sich gerade in den Zeiten niedriger Zinsen bemerkbar macht. Die Allianz trommelt daher für ihr neues Lebensversicherungskonzept, das den Kunden eine höhere Rendite in Aussicht stellt – aber eben nicht garantiert.

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  • Korrekturen:

    1.) "Und dafür auch noch hohe, bis vor Kurzem völlig intransparente Kosten akzeptieren und - noch schlimmer..."

    2.) "Flexibilität bei der Gestaltung UNSERER finanziellen und..."

  • "Der Grundgedanke einer Disziplinierung des Kunden über hohe Anlaufkosten und eine lange Laufzeit schufen bei vielen Kunden erst so etwas wie Durchhaltewillen, eine vorherige Kündigung soll auch weh tun."

    Sind wir alle Masochisten, oder warum sonst sollten wir uns von irgendeinem Unternehmen disziplinieren lassen??!

    Und dafür auch noch hohe, völlig intransparente Kosten (zumindest bis vor Kurzem) akzeptieren und - noch schlimmer - uns obendrein auch noch jahrzehntelang jegliche wirkliche Flexibilität bei der Gestaltung meiner finanziellen und sonstigen Lebensverhältnisse nehmen lassen, und das alles nur wegen ein bisschen (vermeintlicher!) Sicherheit?

    Lesen Sie mal den Kommentar von Herrn Keizer, da ist was dran.

    Die einzig sinnvolle Lebensversicherung ist die Risiko-Lebensversicherung, und das auch nur dann, wenn es tatsächlich etwas abzusichern gibt (in erster Linie natürlich Hinterbliebene, falls man Familie mit kleinen Kindern hat).

    Lesen Sie mal den Kommentar von Herrn Heinz Keizer

  • Die Lebensversicherer bedanken sich bei der EZB ;)

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