Umfrage
Die Angst vor den Schulden

Deutsche leben nicht gern auf Pump, zeigt eine aktuelle Umfrage. Denn viele Bürger machen sich Sorgen um ihre finanzielle Situation. Dabei erkennen sie aber häufig nicht die wahren Risiken für Überschuldung.

FrankfurtShopping gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen – auch am Sonntag oder gar bis Mitternacht. Doch bei der Finanzierung gibt man sich zugeknöpft: Selbst wenn sich der Konsument ein Gerät schon lange wünscht und der Händler 70 Prozent Rabatt gewährt – wenn der Kunde das Geld nicht hat, bleibt es häufig im Laden.

Für fast zwei Drittel – genauer gesagt 64 Prozent - der Deutschen kommt Schuldenmachen gar nicht in Frage, selbst wenn hohe Preisnachlässe winken, so eine aktuelle Studie des Inkassounternehmens Kruk Deutschland. Jeder Fünfte dagegen würde sich Geld von Familienmitgliedern oder Freunden dafür leihen. Weitere 14 Prozent der Kaufinteressenten nutzen den Dispo oder nehmen einen Kredit auf, um sich ihren Wunsch zu erfüllen.

Nicht nur die Schwaben sind sparsam, generell sind die Deutschen sehr zurückhaltend, wenn es um das Schuldenmachen geht. Während sich in den letzten zwei Jahren jeweils nur etwa jeder Fünfte bei Banken (20 Prozent) oder im Familienkreis (19 Prozent) Geld borgte, hat sich mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) nirgends Geld geliehen.

Ein Grund für diese Zurückhaltung könnte „The German Angst“ sein: Immerhin 63 Prozent der Befragten machten sich in den letzten zwei bis drei Monaten – wenigstens ab und zu – Sorgen um ihre künftige finanzielle Situation, nur 33 Prozent waren in diesem Punkt unbeschwert.

Die meisten der besorgten Teilnehmer befürchten ganz einfach, dass ihre Ausgaben das laufende Einkommen übersteigen könnten. Erst mit großem Abstand werden ein schlechter werdender Gesundheitszustand und Jobverlust genannt.

Trennung oder Scheidung vom Ehepartner nannten nur fünf Prozent der Befragten als Grund, besorgt zu sein. „Das ist ein interessantes Resultat, denn die häufigsten Gründe für Schulden sind gerade nicht die laufenden Kosten der eigenen Lebensführung, sondern eben Arbeitslosigkeit, Trennung oder Krankheit. Diese Risiken werden offenbar vielfach grob unterschätzt”, so Andreas Sonnleitner, Business Development Manager bei Kruk. Die Analyse basiert auf einer repräsentativen Online-Umfrage der YouGov Deutschland AG im Auftrag des Berliner Forderungsmanagers.

Das Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) hatte Anfang des Monats bereits darüber berichtet, dass die gute wirtschaftliche Lage in Deutschland zwar mehr Menschen in einen Job bringt, doch der schütze nicht unbedingt vor Überschuldung. Der Untersuchung zufolge gaben die Schuldnerberatungen 2014 für gut jeden vierten Betroffenen an, Hauptgrund der prekären Lage sei Arbeitslosigkeit oder reduzierte Arbeit. 2013 hatte diese Quote bei 28,4 Prozent gelegen. Bei etwa jedem zehnten überschuldeten Privathaushalt sahen die Berater die Einkommensarmut als zentralen Auslöser der Misere. 

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