Urteil
Bank darf Gratis-Konto nicht einfach umstellen

Wenn die Bank ein Gratis-Konto in ein Bezahlkonto umwandelt, muss der Kunde zustimmen, sein Schweigen gilt nicht als Einverständnis. Verbraucherschützer hatten gegen die Santander Consumer Bank geklagt - und gewonnen.
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Berlin/MönchengladbachEine Bank darf Verträge mit ihren Kunden einem aktuellen Urteil zufolge nicht ohne deren ausdrückliche Zustimmung ändern. Das entschied das Landgericht Mönchengladbach nach einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen die Santander Consumer Bank, wie der vzbv am Mittwoch mitteilte. Die Santander hatte im Frühjahr Schreiben an Kunden verschickt, in denen sie mitteilte, bislang kostenlose Girokonten auf ein künftig kostenpflichtiges Kontomodell umgestellt zu haben (Az. 8 O 62/12).

Nach Angaben des Gerichts vom Montag und der Verbraucherschützer hatte die Bank den betroffenen Kunden im Mai mitgeteilt, ihr Konto bleibe nach der Umstellung in den ersten zwölf Monate zunächst kostenlos. Danach falle für das sogenannte Premium-Konto eine Kontoführungsgebühr von 5,99 Euro im Monat an. Zugleich wurde demnach den Kunden mitgeteilt, sie könnten innerhalb von acht Wochen Widerspruch einlegen sowie nach Ablauf der zwölf Monate das Konto kündigen.

Das Gericht sah in der Vorgehensweise der Bank eine Irreführung der Kunden, wie der vzbv mitteilte. In dem Schreiben habe das Institut "den fehlerhaften Eindruck" erweckt, es sei ohne ausdrückliche Zustimmung der Kunden berechtigt, das Konto einseitig auf ein anderes Modell umzustellen.

Dem Urteil des Gerichts zufolge bedarf es aber "für eine Vertragsänderung übereinstimmende Willenserklärungen beider Parteien". Zwar bedürfe es für eine Vertragsänderung keiner ausdrücklichen Annahmeerklärung. Es genüge "schlüssiges Verhalten". Jedoch sei das reine Schweigen eines Vertragspartners im Rechtsverkehr nicht als Willenserklärung anzusehen. Daneben sei die angebotene Umstellung für Kunden "nicht als ausschließlich rechtlich vorteilhaft" zu bewerten, da die Konten nach zwölf Monaten kostenpflichtig würden.

Der vzbv begrüßte das Urteil. Verbraucher müssten "die Chance haben, bei unvorteilhaften Änderungen aus Verträgen auszusteigen", erklärte vzbv-Vorstand Gerd Billen. Das Urteil des Landgerichts Mönchengladbach habe dies bestätigt.

"Wenn Unternehmen ihre Verträge jederzeit automatisch zu Lasten der Verbraucher ändern dürften, würden sie mit kostenlosen Angeboten nur noch angelockt und müssten später doch zahlen", erklärte Billen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Bank kann Berufung einlegen. Die deutsche Tochter der spanischen Banco Santander ist unter anderem auf Konsumentenkredite spezialisiert, bietet aber auch Girokonten an.

 
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Urteil: Bank darf Gratis-Konto nicht einfach umstellen"

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  • Lobbyist??? Na, dann zahlen Sie doch, wenn Sie möchten... ...dann sollte aber auch noch im Gegenzug die Werbung für das "kostenlose Girokonto" verboten werden...

  • wozu überhaupt kostenlose konten?
    man nimmt eine dienstleistung in anspruch - also muss man dafür auch zahlen!

  • Es muss sich kein Richter finden.
    Da lt. Artikel das Konto erst in 12 Monaten auf kostenpflichtig umgestellt wird, hat der Kunde 12 Monate Zeit, ein neues Girokonto zu eröffnen.
    Die Veränderung von Preisen und das Vergleichen auf Verbraucherseite sehen wir übrall als positiv (siehe Kfz-Versicherungen zum 30.11. jeden Jahres kündigen).
    Wenn einem Kunden so eine Mitteilung nicht passt, hat er ja Zeit zu widerrufen oder sein Konto gleich zu kündigen.
    Damit müssen wir kein Gericht belästigen!

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