Verbraucherschützer zur Commerzbank
„Es gibt nicht nur die eine Wahrheit“

„Ramsch“- so heißt das Niveau für die Kreditwürdigkeit, in das kein Unternehmen gerne einsortiert wird. Die Commerzbank liegt nur noch knapp darüber. Im Interview spricht Verbraucherschützer Markus Feck über die Folgen.
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Markus Feck, Anwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, ist Experte für Finanzthemen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Fragen rund um die Geldanlage. Im Telefon-Interview spricht er am Mittwoch über die großflächige Herabstufung der Kreditwürdigkeit deutscher Banken durch die Rating-Agentur Fitch. Die Commerzbank hat es am stärksten erwischt, ihre Bonität beträgt jetzt „BBB“, zwei Stufen über „Ramsch“-Niveau.

Herr Feck, die Commerzbank macht negative Schlagzeilen. Ihre Kreditwürdigkeit ist von Fitch um vier Stufen auf BBB gesenkt worden und liegt damit zwei Stufen über „Ramsch“-Niveau. Muss ich mir als Kunde der Bank Sorgen machen?

Für einen normalen Girokonto-Inhaber ist das überhaupt kein Grund zur Sorge. Denn wenn ich ein Guthaben habe von unter 100.000 Euro, müsste mich selbst eine Insolvenz der Commerzbank nicht schocken. Mein Geld wäre über die Einlagensicherung geschützt.

Die Rating-Agentur argumentiert, dass es im Fall einer ernsthaften Schieflage der Bank wegen neuer EU-Regeln nicht mehr unbedingt zu einer staatlichen Stützung käme, sondern eher zu einer Abwicklung der Bank käme.

Das gilt natürlich erst dann, wenn die Eigner kein weiteres Geld der Bank zuschießen. Die Bank wird ja vorher versuchen, sich am Kapitalmarkt Geld zu besorgen. Aber nochmal: Selbst wer sein Gehaltskonto bei einer nicht ganz so gut bewerteten Bank unterhält, muss sich um sein Guthaben im Rahmen der Einlagensicherung keine Sorgen machen.

Wie sieht das aus, wenn ich Zertifikate der Commerzbank oder einer Tochter besitze?

Rechtlich sind das Inhaberschuldverschreibungen und damit nicht von Einlagensicherung umfasst. Eine Insolvenz der Bank könnte dazu führen, dass man als Anleger Geld verliert. Aber in einer wirtschaftlich schwierigeren Situation, dürfte ein Institut wie die Commerzbank eher als Übernahmekandidat für Konkurrenten interessant sein – und damit wären auch die Zahlungsverpflichtungen gesichert.

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„Tagesgeld-Zinsen können ein Lockmittel sein“

Kommentare zu " Verbraucherschützer zur Commerzbank: „Es gibt nicht nur die eine Wahrheit“"

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  • Der Herr Verbraucherschützer geht also davon aus, dass der Staat im Falle eines Fales doch rettet...

    Ich möchte aber mit meinen Steuern nicht dafür zahlen - und das möchten sicherlich die meisten Verbraucher nicht. Frag ich mich nun wessen Interessen der Herr tatsächlich im Auge hat...

  • Sollten durch das Platzen der Anleihenblase die Zinsen wieder ansteigen, werden sowieso einige deutsche Banken über den Jordan gehen. Ebenso wird es dann für die hochverschuldete Eurozone ganz eng.
    Die Renditen und Zinsgewinne der einen, sind die Verschuldung und zunehmende Verarmung der anderen.
    Warum begreift dass niemand?!
    Ich weiss, dies hier ist ein Wirtschaftsmagazin, und man liest meine Worte nicht gern, weil man die obigen Tatsachen verdrängt, um weiterhin gewissenlos weiterzocken und abkassieren zu können.



  • Ich würde den Tag feiern, an dem diese Zockerbude aufhört, zu existieren.
    Allein schon wegen der Tausende unbedarfter Sparer und Anleger, welche in den zurückliegenden Jahren ihr Geld verloren haben, müssten die dafür verantwortlichen Drücker gefeuert werden und es müßte sichergestellt werden, dass sie nie wieder fremdes Geld in die Hände bekommen.
    Ich habe persönlich erlebt, wie skrupellos diese Typen alte Leute über den Tisch ziehen und wie kaltschnäuzig und verlogen sie sich aus jeder Verantwortung stehlen.
    Je eher man mit der Abwicklung solcher "Institute" beginnt, desto besser!

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