Verbraucherschutz: Banken wollen Dispo-Zinsen im Netz veröffentlichen

Verbraucherschutz
Banken wollen Dispo-Zinsen im Netz veröffentlichen

Verbraucher können Dispo-Zinsen künftig im Internet recherchieren. Die Banken kündigten an, die Zinsen für Girokonten auf ihren Webseiten zu veröffentlichen. Die höhere Transparenz soll für mehr Wettbewerb sorgen.

FrankfurtDie deutschen Banken versprechen mehr Transparenz bei Dispo-Zinsen. Die drei großen Bankenverbände kündigten am Freitag an, die aktuellen Überziehungszinsen für Girokonten würden künftig auf den Internet-Seiten der einzelnen Banken veröffentlicht. Sie kommen damit einer Forderung von Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner nach. Sie begrüßte den Vorstoß der Verbände. „Das muss jetzt zügig von sämtlichen Banken in Deutschland umgesetzt werden – ohne Ausnahme“, forderte die CSU-Politikerin. Aigner verspricht sich davon sinkende Dispo-Zinsen, die bei vielen Banken heute deutlich über zehn Prozent liegen. „Wenn es mehr Transparenz gibt, gibt es mehr Möglichkeiten zu vergleichen und mehr Wettbewerb bei den Banken. Dann sinken auch die Preise.“

Verbraucherschützer hatten die hohen Dispo-Zinsen zuletzt verstärkt angeprangert. Auch Aigner hatte erklärt, sie sehe noch Spielraum nach unten, vor allem angesichts niedriger Leitzinsen. Nach Erhebungen der FMH Finanzberatung liegt der Dispo innerhalb des vereinbarten Limits im Schnitt bei fast 10,5 Prozent. Geht das Konto noch tiefer ins Minus, verlangen die Banken sogar fast 15 Prozent. Sparkassen und Raiffeisenbanken in ländlichen Regionen greifen Verbraucherschutz-Experten zufolge am stärksten zu.

Ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums sagte, der Ausweis der Zinsen im Internet sei nur ein erster Schritt. „Wir werden den Druck aufrechterhalten, damit den Worten auch Taten folgen.“ Wenn nicht alle Banken der Empfehlung ihrer Verbände folgten, behalte sich Aigner eine Regulierung der Dispo-Zinsen vor. Eine Obergrenze werde es aber nicht geben. „Schon heute weisen mehr als drei Viertel der Sparkassen die Dispo-Zinssätze im Internet aus“, betonte Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon in einem Brief an seiner CSU-Parteifreundin Aigner am Freitag. Auch der Privatbanken-Verband erklärte, die meisten seiner Mitglieder erlaubten bereits einen Vergleich der Dispo-Zinsen.

Die Bankenverbände betonten, der Dispokredit sei nur für kurzfristige Kontoschwankungen gedacht. Wer längerfristig mehr Geld brauche als auf seinem Konto ist, solle besser auf einen Ratenkredit umschulden, der günstiger sei als der Dispo, riet der Genossenschaftsbanken-Verband BVR. Aigner forderte die Banken auf, aktiv auf Kunden zuzugehen, denen die Umschuldung anzuraten sei.

Aigner greift mit der Transparenz-Offensive zu einem Mittel, das sich bereits bei den Geldautomaten-Gebühren bewährt habe, wie ihr Sprecher sagte. Hier hatten sich die Banken dazu verpflichtet, den Kunden bei der Auszahlung am Automaten die fälligen Gebühren anzuzeigen. Die Spitzen-Gebühren für Kunden anderer Banken seien seither ebenso gesunken wie die Entgelte, die die Institute im Schnitt verlangen. Die Privatbanken hatten sogar einheitlich die Gebühren auf maximal 1,95 Euro gesenkt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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