Verlust des Steuerprivilegs wirkt sich aus
Lebensversicherer verkaufen weniger

Im ersten Halbjahr haben die Lebensversicherer in Deutschland nach dem Boom im Vorjahr den erwarteten Dämpfer erhalten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben die Kunden mit 3,35 Mill. Verträgen knapp zwölf Prozent weniger Policen abgeschlossen als im Vorjahr. Die Beitragseinnahmen sanken um 12,6 Prozent auf 6,15 Mrd. Euro.

HB BERLIN. „Die Lebensversicherung lebt“, konstatierte Günter Bost, der für Lebensversicherungen zuständige Geschäftsführer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dennoch. „Wir haben in diesem Jahr sogar mit einem stärkeren Rückgang gerechnet“, sagte Bost.

Hintergrund der Entwicklung: Die Lebensversicherungen haben an Attraktivität eingebüßt. Dafür sorgt das seit Januar 2005 geltende Alterseinkünftegesetz. Es setzt Empfehlungen des Bundesverfassungsgerichts um. Das BVerfG hatte die unterschiedliche Besteuerung der Beamtenpensionen und der Bezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung für verfassungswidrig erklärt. Das nahm die Bundesregierung zum Anlass, schrittweise die nachgelagerte Besteuerung einzuführen. In der Folge wurde auch die kapitalgedeckte Zusatzversicherung auf das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung umgestellt. Das Privileg der Steuerfreiheit für Kapitallebensversicherungen fiel. Parallel wurde im Alterseinkünftegesetz zudem die steuerliche Förderung der privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge („Riester-Rente“) unbürokratischer gestaltet.

Das Plus bei den gebuchten Bruttobeitragseinnahmen im ersten Halbjahr von 6,1 Prozent 34,5 Mrd. Euro (einschließlich Pensionskassen und -fonds) erklärte der GDV maßgeblich mit Übertragungseffekten aus dem letzten Quartal 2004. Im weiteren Jahresverlauf werde sich dieses Wachstum abflachen.

Die GDV-Analyse des Neugeschäfts zeigt eine Veränderung der Schwerpunkte. Während die Kapitallebensversicherungen sowohl absolut als auch relativ zurückgingen, erhöhte sich die Zahl der Rentenpolicen um 1,6 Prozent auf 1,2 Mill. Verträge. Einen Boom erlebten dabei die Riester-Produkte, die im Halbjahresvergleich um fast 86 Prozent auf 247 500 zulegten. Diese Entwicklung, da ist sich der GDV sicher, werde sich bis Ende des Jahres noch beschleunigen.

Offensichtlich sind sich viele sehr junge Menschen ihrer Versorgungslücken bewusst. Immer mehr Kunden zwischen 15 und 29 Jahren schließen immer länger laufende Altersvorsorgeverträge ab.

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