Vermittlungsausschuss: Ausschüttung bei Lebensversicherung wird nicht gekürzt

Vermittlungsausschuss
Ausschüttung bei Lebensversicherung wird nicht gekürzt

Die Bundesregierung hat eine Gesetzesänderung geplant, um Lebensversicherer zu entlasten. Daraufhin fürchteten viele Bürger Einbußen. Die Einschnitte sind vom Tisch - dort liegt nun eine neue Aufgabe für Bund und Länder.
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BerlinBei der Auszahlung von Lebensversicherungen wird es nun doch nicht die von der Bundesregierung zwischenzeitlich geplanten Einschnitte geben. Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat einigte sich am Dienstagabend darauf, auf eine von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Gesetzesänderung zu verzichten.

Sie hatte vorgesehen, die Beteiligung der Versicherten an den sogenannten Bewertungsreserven zu reduzieren. Die Regelung zu den Bewertungsreserven war an das sogenannte Sepa-Begleitgesetz angehängt worden. Darin soll auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Angleichung von Versicherungs-Tarifen für Männer und Frauen („Unisex“) umgesetzt werden, die seit 21. Dezember 2012 vorgeschrieben sind.

Mit dem jetzigen Verzicht auf diese Regelung werden die befürchteten finanziellen Einbußen bei aktuell auslaufenden oder gekündigten Versicherungsverträgen doch nicht eintreten.

Mit einer Verordnung soll die Bundesregierung zudem die freien Rückstellungen der Versicherer neu regeln, um einen besseren Ausgleich zwischen Alt- und Neukunden zu schaffen. Dabei erhalten die Länder ein Mitspracherecht.

Der Bundestag hatte die nun gekippte Maßnahme bereits im November beschlossen, doch der Bundesrat rief Mitte Dezember den Vermittlungsausschuss an, der zunächst keinen Kompromiss fand und deswegen eine Arbeitsgruppe einsetzte.

Kommentare zu " Vermittlungsausschuss: Ausschüttung bei Lebensversicherung wird nicht gekürzt"

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  • @volkswirt letzte Antwort
    Tenor meiner Aussagen zum Sparbeitrag war nicht, dass das Sparbeitragsvermögen ein Sparkonto ist, sondern in seiner Anlagemechanik sich wie bei einem Sparkonto entwickelt. Aus einer regelmäßigen Einzahlung, die eine Verzinsung und Akkumulierung erfährt entsteht ein Endbetrag, der bei der Fälligkeit des Vertrages zusammen mit weiteren, auf anderen Rechnungsgrundlagen beruhenden Beträgen zur Auszahlung kommt.
    Der für den Leser von Ihnen formulierte Satz zur Garantieverzinsung bestätigt, dass die Grundverzinsung (der Rechnungszins) auf die Sparbeiträge vom Höchststand von 4% auf 1,75% nach der Deckungsrückstellungsverordnung abgesenkt wurde, weil das gesunkene Marktzinsniveau für die meisten Zinsanlagen nur eine niedrigere Grundverzinsung ermöglicht als z.B.1994. Die Versicherer zahlen erfreulicherweise eine deutlich höhere Gesamt-Verzinsung an die Kunden.
    Der Regulierer „passt nicht mal eben so“ die Grundverzinsung an. Die gesetzmäßige Notwendigkeit zur Anpassung nach den Marktverhältnissen habe ich im vorigen Absatz ja präzisiert.
    Versicherungsnehmer sollen nicht an stillen Lasten beteiligt werden, solange es stille Lasten sind, sondern nur wenn zunächst stille Lasten sich in konkrete Verlustpositionen verwandelt haben. Nach Ihrer Aussage ist deshalb eine Beteiligung des Kunden an den stillen Lasten unnötig, weil stille Lasten dann logischerweise auch nicht mit den anteilsmäßig auszuzahlenden stillen Reserven verrechnet werden müssen.
    Dass eine Beteiligung an den stillen Reserven wegen Fristenkongruenz und Kündigungsrecht nicht möglich ist, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn ein langjähriger stiller Reservebetrag z. B. 3 Jahre vor Auszahlungstermin durch Verkauf realisiert wird, erhält der Kunde bei Auszahlung daraus seinen Anteil, wenn dieser Verkauf 1 Jahr nach dem Auszahlungstermin an den Kunden realisiert wird, soll dem Kunden sein Anteil an den stillen Reserven nicht ausgezahlt werden. Warum?

  • @suchgrueblerxy
    Wie bereits beschrieben ist ein Sparbeitrag eben nicht gleich einem Sparkonto. Und dass die Garantie für die Verzinsung nicht niedriger sein muss als die erzielte Rendite erleben wir doch gerade bei den meisten Versicherern, zumindest was die 4-%-Tarifgeneration betrifft (ein Problem, was durch die Beteiligung ausscheidender Kunden an den stillen Reserven übrigens noch verstärkt wird). Und wenn Sie das VAG einmal aufmerksam lesen werden Sie feststellen, dass der Regulierer nicht mal eben nach unten anpasst. Dies ist im Übrigen auch sehr gut so, denn sonst ginge ja jegliches Vertrauen in private Altersvorsorge verloren.
    An stillen Lasten werden Versicherungsnehmer entgegen Ihrer Behauptung natürlich nicht beteiligt, denn sonst wären es ja keine stillen Lasten sondern reale Verluste. Diese wird ein Versicherer auf Festverzinsern jedoch nicht realisieren, da die in den Portfolio dominierenden Namenspapiere ja eben gekauft werden, um sie bis zur Fälligkeit zu halten und sich die stillen Lasten bis dahin - sofern sie rein zinsinduziert sind - von selber wieder auflösen.
    Ihr letzter Abschnitt würde nur dann zutreffen, wenn Versicherer exakt fristenkongruent anlegen würden und die Versicherungsnehmer kein Kündigungsrecht hätten. Eine fristenkongruente Anlage ist jedoch mit den am Markt verfügbaren Instrumenten nicht möglich.

  • @volkswirt text2
    Fakt ist: in der kapitalbildenden Lebensversicherung besteht der Beitrag aus einem Sparbeitrag und einem Risikobeitrag. Der Sparbeitrag entspricht einem Sparkonto.
    Die Garantie für die Verzinsung auf diesen Sparbeitrag ist erstens niedriger als die tatsächlich erzielte Rendite und wird zweitens vom Regulierer bei sinkenden Zinsen nach unten angepasst.
    Außerdem: In der Regel werden die Versicherten auch sofort an den stillen Lasten beteiligt, wenn diese stillen Lasten konkrete Verluste werden. Die Überschussbeteiligung wird dann im Verlust- oder Abwertungsfall nämlich gekürzt.
    Der Gedanke vom Vererben des SparVermögens stiftet nur Verwirrung, weil die Lebensversicherten mit Ihrem Lebensversicherungsvertrag nebeb der Absicherung im Todesfall mit der angesparten Ablaufsumme einen schönen zusätzlichen erheblichen Mehrertrag als Überschussguthaben erhalten, eben weil sie für ihr Sparkapital auch die um eine sichere Rendite besorgten Vermögensverwalter (=die kapitalanlegenden Versicherungsmitarbeiter) beschäftigen, die nicht spekulativ sondern vernünftig wirtschaften.
    Nun zu den Bewertungsreserven. Am Jahresende zum Bilanztermin stehen die Bewertungsreserven fest. Außerdem weiß die Versicherung dann, welche Kunden im nächsten Jahr ihre Versicherung beenden werden. Dann kann die Versicherung berechnen, welcher Anteil von dem vorhandenen Vermögen auf die im nächsten Jahr ausscheidenden Kunden entfällt. Dieser Anteil erstreckt sich natürlich auch auf die stillen Reserven. Wenn nur dieser Anteil der stillen Reserven durch Verkauf realisiert wird, können die ausscheidenden Kunden die realisierten stillen Reserven dann erhalten. Der große weitere Anteil der stillen Reserven, der auf die verbleibenden Kunden entfällt, bleibt den verbleibenden Kunden erhalten und entspricht ihrem schlüsselgerechten Anteil. Irgendwelche Risiko- oder Zeitausgleichsplanspiele sind dann nicht mehr nötig.

  • @suchgrueblerxy
    Die Risikolebensversicherung hat mit der Thematik überhaupt nicht zu tun, das haben Sie richtig erkannt. Natürlich ist auch die kapitalbildende LV ebenso wie die Rentenversicherung immer noch eine Versicherung und kein Sparkonto. Sonst gäbe es keine Garantie über solch lange Zeiträume, keine Überschussbeteiligung, keine RfB und eine volle Verlustbeteiligung bei zwischenzeitlichen stillen Lasten. Wollen Sie ausscheidende Kunden auch hieran beteiligen? Der Risikoausgleich in der Zeit sieht nunmal vor, dass Versicherungsnehmer Teile des Kapitalanlageportfolios inkl. stiller Reserven oder Lasten ebenso erben wie Teile der RfB und diese natürlich ebenso weitervererben müssen.

  • @volkswirt
    bei Lebenversicherungen muß man unterscheiden zwischen nur auf Risiko basierenden Lebensversicherungen und den eine Kapitalsumme bei Ablauf ausschüttenden KAPITALBILDENDEN Lebensversicherungen(Kapitalbildend wie ich in meinem Text geschrieben habe). Kapitalbildende Lebensversicherungen benötigen neben dem Risikoanteil auch einen Sparanteil im Beitrag (bei mir Sparkonto genannt), damit zum Ablauf dieser Art von Lebensversicherung überhaupt eine Versicherungssumme ausgeschüttet werden kann. Die nur auf Risikobeiträgen basierende Lebensversicherung erwirtschaftet kein nennenswertes Kapital zum Ablauftermin, sie zahlt nur das Versicherungskapital aus dem Risikobeitrag WÄHREND der Laufzeit des Vertrages(z.B. Bei Tod), am Ende des Vertrages aber nicht im Erlebensfall. Wenn das so ist, gehört das aus dem Sparanteil der kapitalbildenden Lebensversicherung jedes Kunden angesparte Vermögen ausschließlich diesem Kunden. Er hat diesen Betrag für sich persönlich bis zum Ablauf seines Vertrages angespart, die Versicherung hat dieses Kapital angelegt und schüttet das aus dem Sparkapital entstandene Vermögen samt Zinsen zum Ablauftermin aus. Für diesen Sparanteil des Beitrages und das daraus entstandene Vermögen darf daher der Risikoverteilungsgedanke einer Versichertengemeinschaft nicht gelten, weil das Versichertenkollektiv für die Versicherungssumme im Erlebensfall keinen Beitrag gezahlt hat. Das Kapital im Erlebensfall hat allein jeder Kunde für sich selbst angespart, das Versichertenkollektiv war an diesem individuellen Sparvorgang nicht beteiligt. Wie und wann die Kunden kapitalbildender Lebensversicherungen an dem aus ihrem individuellen Sparvorgang entstandenen Vermögen zum Zeitpunkt ihres verfrühten oder vertraglichen Ausscheidens gerecht beteiligt werden, ist eine technische Frage.

  • Private Vorsorge ist doch angeblich generationengerechter...Zumindest war DAS das Hauptargument für die Plünderung der gesetzlichen Rente in 2004.
    Und falls dem nicht so ist, müssen die Rentenkürzungen wieder rückgängig gemacht werden!
    LV, Riester & Co sind nur deswegen nicht schon 2008 entwertet worden, weil der Staat einfach alle Banken für systemrelevant erklärt hat und private Verluste mit öffentlichem Geld ausgeglichen hat. Gäbe es keine Privatvorsorge, hätte der Staat auch nicht retten müssen.

  • @suchgrueblerxy:
    Eine Versicherung ist eben gerade kein Sparkonto sondern eine Versicherung, die den einen Risikoausgleich in der Zeit und im Kollektiv vorsieht. Und durch die Beteiligung einer Minderheit an den Bewertungsreserven wird das gesamte restliche Kollektiv geschädigt. Würde Ihre These vom Sparvertrag zutreffen, müssten ausscheidende Kunden ja auch an stillen Lasten beteiligt werden.

  • jeder Kunde, der eine kapitalbildende Lebensversicherung abschließt, erteilt dem Lebensversicherer im Wesentlichen den Auftrag drei Konten einzurichten: ein Kostenkonto, aus dem die Betriebsausgaben des Versicherers während der Vertragslaufzeit bestritten werden. Ein Risikokonto,aus dem die Versicherungsleistung z.B. im Falle des Todes vor Vertragsablauf finanziert werden kann. Ein Sparkonto, auf dem Sparbeiträge angesammelt werden, aus dem die Versicherungsleistung bei Ablauf bezahlt werden. Alle drei Konten werden durch den Beitrag des Kunden finanziert. Betrachten wir nun das Sparkonto. Mit den Geldern, die auf das Sparkonto eingezahlt werden, kauft das Versicherungsunternehmen beispielsweise Staatsanleihen und kassiert während der Vertragslaufzeit Zinsen. Am Ende der Vertragslaufzeit muss das Sparkonto des Kunden aufgelöst werden, damit das Versorgungskapital an den Kunden ausgezahlt werden kann. Dem Kunden stehen die dann aufgesammelten Zinsen und die Staatsanleihe zu, die mit seinem Geld gekauft wurde, selbstverständlich mit den stillen Reserven, die am Tag seiner Vertragsauzahlung aufgelaufen sind, da der Kunde diesen Vermögenswert mit seinen Beiträgen in der Vergangenheit ja erworben hat. Das dies so ist, ergibt sich auch aus einem einfachen Gedankenspiel: Nehmen wir an, dass alle Kunden eines Versicherers am selben Tag eine kapitalbildende Lebensversicherung abgeschlossen haben, die am selben Tag fällig werden. Da alle Versicherungen am selben Tag ablaufen, müssen alle Vermögenswerte verkauft werden, da alle Vermögenswerte ausgezahlt werden müssen, natürlich mit den dann realisierten stillen Reserven

  • da wird nun so mancher seine lv schnellst kündigen, um noch ein grosses stück vom dem kuchen mitzunehmen, der eigentlich für alle bestimmt war. über kurz oder lang wird eine änderung kommen, da ansonsten für die verbleibenden kunden (nicht für die versicherer) riesenverluste anstehen, weil ja geld ausgeschüttet wird, was nur temporär in den bilanzen stand, am ende der laufzeit der anleihen aber wieder weg ist. unglaublich, dass man eine derart unsolide und auch ungerechte regelung nun weiter beibehalten will. und noch unglaublicher, dass die wenigsten zu wissen scheinen, worum es bei dieser thamtik eigentlich genau geht...

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