Vermögensaufbau
Eifrige Sparer ausgebremst

Auch wenn die Deutschen 2015 und 2016 noch mehr sparen als bisher angenommen, wird ihr Vermögen langsamer wachsen als gedacht. Das zeigt eine neue Studie. Schuld sind die niedrigen Zinsen - aber nicht nur.
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DüsseldorfIm Frühjahr sah die Welt noch rosig aus: Die Aktienbörsen boomten, der Dax und viele seiner ausländischen Pendants markierten neue Rekorde. Politische Krisen schienen zumindest halbwegs unter Kontrolle, der Konjunkturmotor schnurrte. Doch im Laufe des Jahres hat sich die Stimmung deutlich eingetrübt. Die Sorgen um Chinas Wirtschaftswachstum und die Folgen für die Weltwirtschaft sowie der Abgasskandal von Volkswagen haben die deutschen Standardwerte zwischenzeitlich massiv einbrechen lassen. Trotz einer kräftigen Erholung in den vergangenen Wochen notiert der Dax noch immer deutlich unter seinen Höchstständen.

Auch die Konjunkturaussichten sind nicht mehr ganz so rosig. „Auch wenn für Deutschland weiter mit einer stabilen Wirtschaftsentwicklung gerechnet werden kann, die vor allem vom privaten Konsum getragen wird und vom niedrigen Ölpreis profitiert, dürfte das Wachstum doch ein wenig schwächer ausfallen, als im Frühjahr abzusehen war“, schreibt Michael Stappel, Senior Economist, im aktuellen DZ Bank Wirtschaftsbrief.

All das hat auch Folgen für jeden Einzelnen und sein Vermögen. Die Genossen haben deshalb ihre Prognose zur Geldvermögensbildung privater Haushalte für 2015/1016 überarbeitet. „Das Wachstum der Geldvermögensbildung schwächt sich auf 6,2 Prozent in diesem und drei Prozent im nächsten Jahr ab“, so Stappel. Auch die Vermögen der Deutschen werden wohl langsamer als zuvor angenommen zulegen. „In diesem Jahr dürfte das Geldvermögen um 3,1 Prozent auf 5,4 Billionen Euro wachsen“, prognostiziert Stappel.

Und dieses Wachstum wird fast ausschließlich von den Ersparnissen der Bürger aus dem laufenden Einkommen getragen. Die DZ Bank schätzt, dass die private Sparquote 2015/2016 bei 9,7 Prozent liegen sollte –und damit etwas höher als bisher.

Trotz Niedrigzins wird also weiter eifrig gespart und doch nicht so viel konsumiert, wie oft angenommen. Auch eine aktuelle Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank zeigt, dass die Deutschen ihr Geld sehr wohl noch „in den Sparstrumpf stecken“. So legen derzeit 76 Prozent Geld zurück: 40 Prozent jeden Monat, 22 Prozent unregelmäßig, also beispielsweise vom Weihnachts- oder Urlaubsgeld, und 14 Prozent mehrmals im Jahr. Und die Zahl der Sparer steigt wieder. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl derjenigen, die nicht mehr sparen, deutlich zurückgegangen von 16 auf elf Prozent.

Seit 2012 nimmt auch die Zahler derer, die aus wirtschaftlichen oder persönlichen Gründen nichts zurücklegen können, leicht ab. Waren es 2012 noch 26 Prozent - und damit mehr als jeder Vierte Deutsche, sind es es jetzt nur noch 20 Prozent. Am seltensten sparen die über 60-Jährigen (63 Prozent). Mehr als jeder Vierte von ihnen kann nichts zur Seite legen. Ganz anders sieht es bei den jüngeren Befragten aus: 87 Prozent der 16- bis 29-Jährigen geben an, Rücklagen zu bilden.

Kommentare zu " Vermögensaufbau: Eifrige Sparer ausgebremst"

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  • @Frank Frei


    "Was viele Sparer auch noch nicht gerafft haben:..."

    Richtig. Um genau zu sein:

    Um eine Inflation von p% nach Abzug der Quellensteuer auszugleichen, muß der Haben-Zinssatz (4/3)*p% betragen.

    Interessant wird die Rechnung, wenn die Gauner und Diebe, die unsere Parlamente bevölkern, den fixen Quellensteuersatz abschaffen (http://www.handelsblatt.com/finanzen/steuern-recht/steuern/abgeltungssteuer-greift-schaeuble-anlegern-tiefer-in-die-tasche/12565922.html?nlayer=Finanz-News_11251556) und stattdesen den persönlichen Steuersatz für Kapitalerträge wiedereinführen.

  • "59 Prozent der Befragten signalisieren die Bereitschaft, sich mit Wertpapieren als Alternative zum Zinssparen auseinanderzusetzen."

    "Wert"papiere , LOOOOL, der ist richtig gut.

    Das, was hier "Wert"papiere genannt wird, ist nichts anderes als eine Zahl im Computer- jederzeit enteigenbar.

  • Was viele Sparer auch noch nicht gerafft haben: Es wird sogar der Inflationsausgleich mit 25% besteuert.
    Erhält man z.B. 2% p.a. an Zinsen, dann werden dafür 25% Kapitalertragssteuer + Soli fällig. Liegt die Inflation auch bei 2% p.a. dann wird Substanz besteuert!

    Der Effekt ist richtig krass bei Riester- und anderen Renten, die über Jahrzehnte laufen!

    (...)

                               
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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