Versicherung und Vorsorge
So bringt ein Unglück nicht das finanzielle Aus

Bei schwerer Krankheit droht nicht nur das Karriereende, sondern auch der finanzielle Ruin. Warum immer weniger Deutsche eine Police gegen Berufsunfähigkeit abschliessen. Und warum Studenten und Azubis im Vorteil sind.
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Selten war es so angenehm, in Deutschland zu arbeiten. Der Arbeitsmarkt läuft rund. Die Bundesagentur für Arbeit meldete im Juni nur noch 2,711 Millionen Jobsuchende. Das sind so wenig wie im Sommer 1991, dem Jahr nach der Wiedervereinigung. Facharbeiter und Führungskräfte in prosperierenden Branchen freuen sich über Karrierechancen und steigende Boni. Der Mindestlohn und die zuletzt oft sehr auskömmlichen Tarifverträge der Gewerkschaften sorgen auch bei Menschen mit niedrigeren Gehältern für Zuwächse.

Aber es gibt auch eine dunkle Seite des deutschen Jobwunders. Weil die Gesundheit nicht mehr mitspielt, müssen immer Menschen vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Das zeigt die aktuellste Statistik der Deutschen Rentenversicherung. Im vergangenen Jahr bezogen 1.755.101 Menschen eine Rente wegen Erwerbsminderung. Das sind gut 40.000 mehr als im Jahr davor und rund 105.000 mehr als noch vor zehn Jahren.

Der genaue Blick in die Statistik zeigt die Ursache. Gut 43 Prozent scheiden wegen psychischer Erkrankungen aus. Die Zahl ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als zehn Prozentpunkte gestiegen. „Das liegt neben einer besseren Diagnostik vor allem an der höheren Arbeitsverdichtung im Joballtag“, erklärt ein Sprecher der Rentenversicherung.

Wenn nichts mehr geht, steht für die meisten Arbeitnehmer die finanzielle Existenz auf dem Spiel. Denn im Schnitt liegen die staatlichen Renten abzüglich Beiträgen zu Kranken- und Pflegeversicherung bei rund 720 Euro. Und bei der privaten Vorsorge hapert es. Den 1,76 Millionen Erwerbsminderungsrenten stehen die gut 250.000 von den privaten Versicherern ausgezahlten Renten gegenüber, die nach Abschluss einer Police gegen Berufsunfähigkeit (BU) an den Kunden ausgezahlt werden. Gut 1,7 Milliarden Euro schütten die Versicherer im Jahr aus.

Die Sorge vor dem privaten Finanzfiasko bei Arbeitsunfähigkeit treibt derzeit die Verbraucherschützer auf die Barrikaden. Es gäbe viel zu wenige Verträge, Vertragslaufzeiten und Rentenhöhen seien begrenzt und einige Berufsgruppen würden von den Versicherern im Stich gelassen, mahnen der Bund der Versicherten (BdV) und die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

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