Versicherungen: Gefährliche Billig-Policen gegen Berufsunfähigkeit

Versicherungen
Gefährliche Billig-Policen gegen Berufsunfähigkeit

Mit günstigeren Tarifen wollen Berufsunfähigkeitsversicherungen neue Kunden locken. Verbraucherschützer sind skeptisch und raten genau hinzusehen, in welchen Fällen die Versicherung leistet.
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FrankfurtNur jeder vierte Deutsche hat eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Viele meinen, der Staat werde schon ausreichend für sie sorgen, wenn sie nicht mehr arbeiten können – ein schwerwiegender Trugschluss. Doch auch einige von denen, die eigentlich selbst vorsorgen wollen, erhalten keinen Schutz, weil sie schwere Vorerkrankungen haben. Andere stellen im Gespräch mit ihrem Versicherungsvermittler fest, wie teuer der private Schutz ist. Dann lieber doch nicht.

Als eine günstigere Alternative ohne große Gesundheitsprüfung präsentieren inzwischen einige Versicherer neue Policen wie die Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Während die Berufsunfähigkeitsversicherung einspringt, wenn man seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann, zahlen diese Versicherungen meist allerdings nur dann, wenn man gar keine Arbeit mehr ausüben kann.

Die Anzahl der Anbieter ist noch recht übersichtlich. Der Versicherer Generali bietet seit Jahresbeginn eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung an, bei der Kunden nur zwei Fragen zur Gesundheit beantworten müssen. Rund 10 000 Kunden haben seitdem einen solchen Vertrag abgeschlossen – im Vergleich zu 110 000 Berufsunfähigkeitsversicherungen im gleichen Zeitraum. Ein 30-jähriger Bankkaufmann zahlt im „Klassik“-Tarif 37,35 Euro, um im Ernstfall eine monatliche Rente von 1000 Euro zu erhalten, ein 30-jähriger Handwerker 55,43 Euro. Für eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen Kunden bei vielen Versicherern oft mehr als hundert Euro pro Monat.

Ein etwas anderes Modell bietet Axa seit 2010 mit der sogenannten Existenzschutzversicherung an. Sie zahlt bei Unfällen und besonders schlimmen Krankheiten, etwa bei schweren Schädigungen von Herz, Lunge oder Gehirn oder wenn man nicht mehr sehen, hören oder sprechen kann. „Das Produkt wird sehr gut angenommen“, sagt eine Sprecherin. Genaue Zahlen nennt Axa aber nicht. Bei dieser Versicherung gibt es eine Gesundheitsprüfung, aber da nicht alle Krankheiten abgedeckt werden, werden mehr Personen aufgenommen als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

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Gefährliche Billig-Policen gegen Berufsunfähigkeit

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Vorerkrankungen sind kein Ausschlusskriterium

Kommentare zu "Gefährliche Billig-Policen gegen Berufsunfähigkeit"

Alle Kommentare
  • Hallo,
    mich würde hier einmal eine echte Meinung zur Existenzschutzversicherung der Axa interessieren. Ich hatte letztes Jahr eine Herz-OP und wurde als geheilt entlassen. Außerdem habe ich Rückenprobleme und allergisches Asthma. Das ist die einzigste Alternative, allerdings hat man alle Probleme mit Muskeln, Sehnen und Bindegewebsschwäche ausgeschlossen. Für mich ist diese Versicherung wertlos, da meiner Meinung nach die meisten Gebrechen, die im Alter zur Erwerbsunfähigkeit führen, damit zusammenhängen.
    Wie ist dazu die Meinung hier? Besten Dank!

  • Ja es kommt hier wirklich auf die objektive, bedarfsgerechte und nicht provisionsgesteuerte Beratung eines renomierten Versicherungsmaklers an.

    Und für Streitfälle gibt auch noch dem Ombudsmann für außergerichtliche Einigungen

    Versicherungsombudsmann e.V.,
    Postfach 08 06 32, 10006 Berlin, www.versicherungsombudsmann.de

    Ombudsmann Private Kranken- und Pflegeversicherung,
    Kronenstrasse 13, 10117 Berlin, www.pkv-ombudsmann.de

  • Zur BU-Absichrung gibt es keine Alternative (siehe Bundesverfassungsgericht: 1 BvR 2027/02 Abs. 39). Jeder, der eine Absicherung bekommen kann, sollte sich für eine BU-Absicherung entscheiden (selbst mit Ausschlüssen).

    Ja, es gibt schwarze (oder zumindest leicht gräuliche) Schafe - diese sind guten Beratern jedoch bekannt. Lässt sich der Kunde unabhängig beraten und erkennt, dass die billigste Absicherung selten die beste sein kann, gibt es nur noch eins, weshalb ein Versicherer im Leistungsfall nicht zahlt: Schummeln bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen.

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