Versicherungen
Verbraucherschützer bemängeln dubiose Praktiken

Nicht zuletzt durch die Ergo-Skandale geraten fragwürdige Verkaufspraktiken ins Blickfeld. Verbraucherschützer sprechen von einer „sehr seltsamen Kultur“ bei den Versicherern.
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KölnVerbraucherschützer kritisieren den Verkauf von Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr als Unsitte in der Branche. Solche kapitalbildenden Produkte halte er für „grundsätzlich nicht empfehlenswert“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Stuttgart. Denn meist sei es günstiger, entweder eine Unfallversicherung oder einen Sparvertrag abzuschließen, aber keine Kombination beider Produkte.

Der Versicherer Ergo räumte ein, dass Vertreter der Tochter Victoria Kunden animiert hätten, ruhende Lebensversicherungen aufzulösen und das Geld in Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr zu stecken. Ein Vorgang, den Hajo Köster, Justiziar beim Bund der Versicherten, „widersinnig“ nennt. Denn dabei passiere Folgendes: Aus dem Kapitaltopf der Lebensversicherung wandere Geld raus. Der Vermittler nimmt davon seine Provision, der Versicherer die Kosten für sein Risiko und die Verwaltung. Dann wandere deutlich weniger Geld wieder in den Kapitaltopf der Lebensversicherung zurück. Solch ein Wechsel sei somit „völliger Quatsch“ und „reine Geldvernichtung zulasten des Kunden“.

Ergo erklärte zu dem Fall: Nach ersten Hinweisen auf solche Umdeckungen habe das zuständige Vorstandsmitglied in einem Schreiben Mitte August 2009 systematische Umdeckungen untersagt.

Köster hält dagegen: Diese „sehr seltsame Kultur“ werde in der Ergo weiter gepflegt. Dies zeige der Fall einer 79 Jahre alten Rentnerin, die bei Ergo ihr Pflegerisiko absichern wollte. Aufgrund ihres Alters und ihrer Gesundheit ging das nicht. Daraufhin habe ihr der Vertreter eine Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr verkauft – zusätzlich zu zwei Unfallversicherungen, die sie schon hatte. Der Vertrag läuft zwölf Jahre. Danach beginnt die Rückzahlungsphase von vier Jahren. Am Ende der Auszahlungen wäre die Dame stolze 95 Jahre alt, stellt der Bund der Versicherten fest.

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