Versicherungen
Gefährliche Billig-Policen gegen Berufsunfähigkeit

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Vorerkrankungen sind kein Ausschlusskriterium

Verbraucherschützer sind skeptisch. „Wir raten jedem, für den es möglich ist, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Es müsse schon sehr viel passieren, bis man überhaupt keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen könne, und erst dann würde die Erwerbsunfähigkeitsversicherung leisten. „Da stellt sich schon die Frage: Wann muss die Versicherung überhaupt zahlen?“

Wer trotzdem eine solche Police abschließen wolle, sollte sich zumindest die Bedingungen genau anschauen, rät Boss. Einige Anbieter würden beispielsweise verlangen, dass der Arzt eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens 24 Monaten prognostiziert, bei besseren Policen wären es nur sechs Monate.

Boss weist aber darauf hin, dass auch Personen mit Vorerkrankungen noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können. Wenn man etwa bereits einen Bandscheibenvorfall hatte, würde der Anbieter in dem Vertrag zwar Leistungen bei weiteren Rückenproblemen ausschließen, aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Ausschluss einiger Krankheiten sei immer noch besser als gar keine. „Und vor allem auch besser als die Erwerbsunfähigkeitsversicherung“, sagt Boss. Viele Menschen würden heute etwa mit psychischen Problemen aus dem Beruf ausscheiden, so etwas werde nur bei der Berufsunfähigkeitsversicherung abgedeckt.

Um an einen möglichst umfangreichen und einigermaßen erschwinglichen Versicherungsschutz zu kommen, empfehlen Experten, die Berufsunfähigkeitsversicherung so früh wie möglich abzuschließen. Dann besteht der Kunde leichter die Gesundheitsprüfung, zudem sind die Beiträge günstiger. Die Hannoversche Lebensversicherung rechnet vor, dass bei ihnen ein 20-Jähriger bis zur Rente mit 67 Jahren in der Summe genauso viele Beiträge zahlt wie ein 35-Jähriger bis zum selben Endalter – aber 15 Jahre länger versichert ist.

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  • Hallo,
    mich würde hier einmal eine echte Meinung zur Existenzschutzversicherung der Axa interessieren. Ich hatte letztes Jahr eine Herz-OP und wurde als geheilt entlassen. Außerdem habe ich Rückenprobleme und allergisches Asthma. Das ist die einzigste Alternative, allerdings hat man alle Probleme mit Muskeln, Sehnen und Bindegewebsschwäche ausgeschlossen. Für mich ist diese Versicherung wertlos, da meiner Meinung nach die meisten Gebrechen, die im Alter zur Erwerbsunfähigkeit führen, damit zusammenhängen.
    Wie ist dazu die Meinung hier? Besten Dank!

  • Ja es kommt hier wirklich auf die objektive, bedarfsgerechte und nicht provisionsgesteuerte Beratung eines renomierten Versicherungsmaklers an.

    Und für Streitfälle gibt auch noch dem Ombudsmann für außergerichtliche Einigungen

    Versicherungsombudsmann e.V.,
    Postfach 08 06 32, 10006 Berlin, www.versicherungsombudsmann.de

    Ombudsmann Private Kranken- und Pflegeversicherung,
    Kronenstrasse 13, 10117 Berlin, www.pkv-ombudsmann.de

  • Zur BU-Absichrung gibt es keine Alternative (siehe Bundesverfassungsgericht: 1 BvR 2027/02 Abs. 39). Jeder, der eine Absicherung bekommen kann, sollte sich für eine BU-Absicherung entscheiden (selbst mit Ausschlüssen).

    Ja, es gibt schwarze (oder zumindest leicht gräuliche) Schafe - diese sind guten Beratern jedoch bekannt. Lässt sich der Kunde unabhängig beraten und erkennt, dass die billigste Absicherung selten die beste sein kann, gibt es nur noch eins, weshalb ein Versicherer im Leistungsfall nicht zahlt: Schummeln bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen.

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