Versicherungskritiker Kleinlein
„Je schlechter das Produkt, desto eher wird es empfohlen“

Deutschlands schärfster Versicherungskritiker weiß: Weil Vertriebler noch Provision einstreichen möchten, steht eine Verkaufsrally bei Lebenspolicen an. Warum gesetzliche Rente und Immobilien eher lohnen könnten.
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Er ist das rote Tuch seiner Branche. Seit knapp drei Jahren ist Axel Kleinlein mit einer kurzen Unterbrechung Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten (BdV). Wenn er ein Produkt nicht mag, dann ist es die Lebensversicherung. Die wurde zwar gerade reformiert, aber Kleinlein bleibt angriffslustig. Trifft seine Kritik ins Schwarze?

Herr Kleinlein, die Sommerferien sind vorbei. Traditionell starten die Vertriebe jetzt ihre Altersvorsorge-Kampagnen. Die Produkte scheinen so unattraktiv wie nie. Fällt der Schlussverkauf in diesem Jahr aus?
Nein, auch in diesem Jahr werden wir einen ganz massiven Jahresschlussverkauf erleben. Ab 2015 sollen die Provisionshöhen für die einmalige Vermittlung runtergehen. Damit aber steigt der Anreiz, in diesem Jahr mit dem Verkauf von Produkten mit hohen Provisionen noch das schnelle Geschäft zu machen.

Der Gesetzgeber hat den Versicherern gerade vorgeschrieben, dass sie ihre Abschlusskosten senken müssen. Das heißt nicht, dass auch die Provisionen sinken?
Stimmt. Rein technisch gesehen muss die neue gesetzliche Regelung zu den Abschlusskosten die Provisionen nicht eins zu eins betreffen. Der Anbieter kann auch an anderer Stelle sparen. Allerdings ist die neue Vorgabe nicht nur ein technisches, sondern auch ein politisches Statement. Der Staat will, dass die Abschlusskosten inklusive Provisionen gesenkt werden.

Der Schlussverkauf wird also kommen. Ist es nicht sinnvoll bis Jahresende eine Police abzuschließen? Der Garantiezins sinkt im nächsten Jahr auf 1,25 Prozent.
Wenn man unbedingt meint, eine solche Versicherung jetzt noch abschließen zu wollen, dann ist es in der Tat besser, den Vertrag zu 1,75 statt zu 1,25 Prozent abzuschließen.                      

Wer sollte jetzt abschließen?
Eine Lebensversicherung kommt nur für die wenigen in Frage, die die eigene Lebensperspektive so klar vor sich sehen, dass sie wissen, dass sie die Prämie immer zahlen können und sie auch zahlen wollen. Sie kommt für die in Frage, die sicher wissen, dass sie zwischendurch nie an das Geld heran müssen. Das ist der Ausnahmefall.  

Die Beiträge sind aber doch gar nicht so hoch. Die meisten Verträge werden doch monatlich mit hundert Euro oder weniger bespart...
Der monatliche Beitrag ist ja nur ein Punkt. Der andere Punkt sind finanzielle Engpässe. Lebensumstände können sich ändern, man trennt sich oder man macht sich selbstständig und braucht Kapital, um ein Geschäft aufzubauen. All das kann dazu führen, dass Menschen sofort an ihr Erspartes ran müssen. Die Unflexibilität dieser Produkte muss man immer im Auge behalten.

Lohnt sich der Abschluss aus Sicht der Rendite?
Vermutlich in den seltensten Fällen. Bei Rentenverträgen ist die Rendite genau dann hoch, wenn der Kunde besonders alt wird, die Rente also besonders lange bezogen hat. Auch mit einem schlechten Vertrag könnte ich, wenn ich 150 Jahre alt würde, noch eine gute Rendite einfahren. 150 Jahre ist aber bisher, soweit wir wissen, noch niemand geworden – und es ist auch nicht abzusehen.

Wie alt muss ich werden, damit es sich lohnt?
Das kommt darauf an, was man unter „lohnen“ versteht. Zum Teil werden Sie es nicht schaffen, eine Rendite von drei Prozent und mehr zu erwirtschaften, weil sie dieses Alter nicht erreichen.

Kommentare zu " Versicherungskritiker Kleinlein: „Je schlechter das Produkt, desto eher wird es empfohlen“"

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  • Lieber Herr Kleinlein...
    VERSICHERUNGSKRITIKER KLEINLEIN
    „Je schlechter das Produkt, desto eher wird es empfohlen" ..und da der Verbraucherschutz die Lebensversicherung nicht mehr empfiehlt..muss sie um so besser sein..aber der Zweitmarkt bei dem man sich einkauft muss ja irgendwie befeuert werden;-)

  • Ich verstehe Kleinleins Argument nicht, dass die Lebensversicherung nichts für Jene sei, die zwischenzeitlich an ihr Geld heran müssten. Dafür gibt es doch seit mehr als 10 Jahren den Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Der Bund der Versicherten, dem Kleinlein vorsteht, weist selbst auf seiner Webseite auf diese Möglichkeit hin.

  • Wie alle bin ich natürlich incognito hier.

    Leider hast das Handelsblatt stark nachgelassen. Denn ansonsten hätten Sie sich mit der Vita des Hr. Klienlein etwas ausführliche auseinandergesetzt und wohl selbst erkannt, dass er nur bedingt der richtige Ansprechpartner zum thema Altersvorsorge ist.

    Allein die Behauptung gesetzliche Rente und Wohneigentum reichen aus ist schon ein sträflicher Leichtsinn der den Menschen sicherheit vorgaukelt. Keiner ist mehr ohne Eigenintiative bei der Vorsorge sicher, Hr. Kleinlein. Des Weiteren ist der Eigentumserwerb nur für eine bestimmte finanziell gut aufgestellte Schicht der Bevölkerung möglich. Und alle anderen?

    Eine vernünftige Alternative habe ich in den letzten Jahren, wenn ich von Hr. Kleinlein gelesen habe, nie von ihm vorgeschlagen bekommen. Es ist halt immer einfach was kaputtzureden als etwas besser zu machen (ich denke da nur an die Kleinleinkritik an Riester-Renten).

    Und das sich eine Lebensversicherung erst mit einer Lebenserwartung von 150 Jahren rechnet, ist reine Panikmache. Ich habe nach dem aktuellen Bericht bei Ihnen mal genauer bei bestehenden Verträgen hingeschaut und siehe da, ein real existierender Riestervertrag hat nach rd. 6 Jahren schon einen Stand erreicht, der über den gezahlten Beiträgen liegt. Na hr. Kleinlein, was sagen Sie nun?

    Aber das Handelsblatt sollte doch eher darauf achten vernünftige Kritik zu üben und gute Lösungsansätze zu erarbeiten als einfach nur "abzuschreiben" und n"nachzuplappern", denn Ihnen traut der Leser Kompetenz zu, die Sie vermissen lassen. Und der Erfolg? Verunsicherte Menschen, die Sie ins Unglück stürzen wenn ein Leser das nur glaubt.

    Bravo, Bravo, Bravo!!!!!!

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