Versorgungswerke für Freiberufler
Das Ende der Super-Renten

Rund 40.000 Anwälte sollen wie gewöhnliche Arbeitnehmer in die Rentenversicherung einzahlen. Ein überfälliger Schritt, sagen die einen. Eine Fehlentscheidung, schimpfen die anderen. Droht Freiberuflern die Staatsrente?
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Lange standen sie in Sachen Altersversorgung auf der Sonnenseite: Anwälte, Ärzte und diverse andere Freiberufler. Denn statt im staatlichen Rentensystem versichern sie sich in eigenen Versorgungswerken. Das macht sich bezahlt. Während für viele gesetzlich Versicherte der Weg in die Altersarmut vorgezeichnet scheint, zahlen die Versorgungswerke auch in schwierigen Zeiten überwiegend sehr ansprechende Renten aus.
Doch seit vergangener Woche ist nichts mehr, wie es war.

Mit drei Grundsatzurteilen hat das Bundessozialgericht (BSG) entschieden: Festangestellte Unternehmensjuristen dürfen sich, auch wenn sie eine Zulassung als Rechtsanwalt besitzen, nicht mehr von der Versicherungspflicht im staatlichen System befreien lassen. Sie müssen folglich, wie jeder gewöhnliche Angestellte, in die gesetzliche Rente einzahlen.

Anwälte in Panik

Die Branche reagierte verstört. „Das Urteil geht von völlig falschen Vorstellungen zeitgemäßer anwaltlicher Tätigkeit aus“, schimpft etwa Hartmut Kilger, Vorsitzender des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen e. V. (ABV). Er kündigte bereits an, den Richterspruch in Karlsruhe überprüfen zu lassen. Rechtsanwalt Martin Huff, der an dem Verfahren beteiligt war, hält die Entscheidungen für „eine Katastrophe“, über die nun das Bundesverfassungsgericht entscheiden müsse. Und beim Bundesverband der Unternehmensjuristen sieht man sogar den Gesetzgeber in der Pflicht.

Unabhängige Beobachter reagieren erheblich gelassener. „Dem ersten Eindruck nach ist das Urteil zumindest nicht unvertretbar falsch“, sagt Gregor Thüsing, Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit der Universität Bonn. „Ein Selbstläufer wird die Verfassungsbeschwerde nicht“, glaubt auch Richard Giesen, Professor für Arbeits- und Sozialrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Bleibt die Frage: Was wäre eigentlich so schlimm daran, wenn in die gesetzliche Rentenversicherung auch ein paar Freiberufler einzahlen müssten? Könnte das staatliche System davon womöglich sogar profitieren? Und was bedeutet die neue Rechtslage für die Renten anderer Freiberufler, etwa Ärzte oder Steuerberater?

Kommentare zu " Versorgungswerke für Freiberufler: Das Ende der Super-Renten"

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  • Richtig!

  • Stimmt. Was wir dringendst benötigen ist eine paritätischer Beteiligung im undesrat und Bundestag. Beamte nicht mehr als ... 10 % nur als Beispiel und nicht analysiert!
    Wir "Normalbürger" werden noch vorgeführt!

  • Bleiben Sie doch einmal sachlich: Sie können davon ausgehen, dass ein Versorgungswerk für gleiche Beiträge eine in etwa 2,3-fache Rente im Vergleich zur gesetzlichen Rentenversicherung abwirft. Das Verhältnis 800 EUR zu 5.000 EUR ist also Unsinn.

    Es wird im Versorgungswerk eine Rendite erzielt, die man unter normalen Umständen erwarten darf. Wenn die Rentenversicherung Bund dies nicht gewährleistet, dann stimmt etwas nicht mit dem System. Dafür kann der Freiberufler nichts.

    Es gibt keine Gleichheit im Unrecht. Also setzen Sie doch an der richtigen Stelle an und gehen politisch gegen die unfaire Behandlung der Beitragszahler in der gesetzlichen Rentenversicherung vor.

    Und was die Beamtenversorgung betrifft: Das ist wieder ein gänzlich anderes System. Sicher kann man darüber nachdenken, ob z.B. Lehrer nicht in das Angestellten verhältnis wechseln könnten, und ob die Pensionen sich nicht am Druhschnitts- statt Endgehalt orientieren müssten. Doch man kann nicht so ohne Weiteres Beamte in den Topf "Rentenversicherung" werfen.

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