Vom Sparschwein zum Tagesgeld
Papa ist schuld, dass ich nicht sparen kann

Beim Sparen sind die Deutschen weltmeisterlich. Geht es aber darum, wie sie ihr Geld anlegen, sind sie eher Kreisklasse. Warum es uns so schwer fällt, das zu ändern? Fragen Sie mal Ihre Eltern.
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DüsseldorfErst das Sparschwein, dann das Sparbuch, später Giro- und Tagesgeldkonto – so oder so ähnlich lernen Kinder und junge Erwachsenen zu sparen. Dieses Muster wird von Generation zu Generation weitergegeben. „Der Umgang mit Geld wird nachhaltig von der Familie geprägt“, sagt Rolf von Lüde, Professor an der Universität Hamburg. „Deshalb fällt es vielen Menschen schwer, sich von vorgegebenen Bahnen eines ‚richtigen‘ Sparverhaltens zu lösen, auch wenn das vielleicht notwendig wäre.“

Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie zum „familiären genetischen Code der Geldanlage“ der Fondsgesellschaft Union Investment, die von Lüde gemeinsam mit Christian von Scheve von der Freien Universität Berlin wissenschaftlich betreut hat.

Kinder lernen Geiz, Sparsamkeit, Großzügigkeit oder Verschwendung vor allem von ihren Eltern. „Innerhalb von Familien existieren charakteristische Muster des Umgangs mit Geld, die einerseits die familiäre Identität bestimmen und andererseits einen normativen Status erlangen“, erklärt von Scheve. Wer anders handelt als von Mutter und Vater vorgelebt wird kritisiert. Wer es ihnen gleich tut natürlich gelobt. 

Die familiären Erfahrungen und Wertvorstellungen wirken auch im Erwachsenenleben nach, individuelle Finanzentscheidungen werden weiterhin vor diesem Hintergrund getroffen. „An die Stelle rationalen Abwägens von Risiko und Ertrag treten unreflektierte Muster des Anlageverhaltens“, sagt von Lüde.

„Da auch in der Schule dieser wichtige Aspekt von Wirtschaft und Gesellschaft faktisch keine Rolle spielt, wird erklärbar, dass über Generationen hinweg die Grundsätze der Deutschen zum Umgang mit Geld und zum Sparverhalten im Prinzip gleich bleiben.“ Das erkläre auch, warum die Deutschen ihr Anlageverhalten nicht an die aktuellen Marktgegebenheiten – Stichwort Niedrigzinsen – anpassen. Laut einer aktuellen Bundesbank-Umfrage unter mehr als 4.400 Menschen bleiben mehr als drei Viertel ihrer Strategie treu.

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Irrationale Angst vor Aktien

Kommentare zu " Vom Sparschwein zum Tagesgeld: Papa ist schuld, dass ich nicht sparen kann"

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  • Papa ist niemals Schuld.
    Schuldige heißen: Mutti Merkel, Onkel Schäuble, Onkel Draghi, On
    kel Gabriel, Tante von der Leyen usw.
    Auch die weiteren Verwandten wie Onkel Junker, Onkel Ackermann, Onkel Schröder und Onkel Koh und Tante Frieda Springer wollen genannt werden.
    Soweit die "Märchenstunde" in der BRD.

  • Nun unter Erhard kam VW als sog. Volksaktie an den kleinen Mann. Danach das Disaster mit Cornfelds IOS und dem Mentor Erich Mende. Dann wurde in den Neunzigern, VEBA, VIAG und Telekom vom Staat an die Börse gebracht. VEBA und VIAG firmieren heute unter EON. Die Bahn sollte folgen.... Deshalb sollte der kleine Mann gelernt haben: dient dir der Staat Unternehmen an, dann gibt es nur einen Gewinner: der Finanzminister. Bei der T-Aktie legte man drauf und EON und Co. sind dank der Politik zu Pennystocks verkommen oder werden es. Der kleine Anleger legt drauf (Ausnahme: VW)

  • Wie Papa ist Schuld?
    Die heutige 68er-Elterngeneration in Deutschland erzieht doch überhaupt nicht! Das wird auf die Kindergartentante in der Kindertagesstätte und die Lehrer in den Schulen abgewälzt.


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