Vorbild Großbritannien
Flexible Lösung für den Ruhestand

Die Briten haben es uns vorgemacht: Am 6. April 2006, dem so genannten „A-Day“, trat dort eine umfassende Reform der Besteuerung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge in Kraft.

HB FRANKFURT. Der neue steuerliche Rahmen gilt für alle Bürger, stellt Pensionsfonds, Investmentfonds und Lebensversicherungen steuerlich gleich und macht keinen Unterschied mehr zwischen privatem und betrieblichem Altersvorsorgesparen. Acht unterschiedliche Systeme wurden durch eine für alle Bürger geltende und leicht verständliche Regelung ersetzt. Als Anbieter von förderfähigen Pensionsplänen kommen neben Arbeitgebern auch Fondsgesellschaften, Versicherungen, Banken sowie Vermögensverwalter in Betracht. Somit können die Bürger unter identischen Förderbedingungen an einem oder mehreren privaten oder betrieblichen Pensionsplänen teilnehmen.

In Großbritannien wurden die Eckpfeiler eines Altersvorsorgekontos Realität, wie es der BVI in Deutschland seit gut zwei Jahren propagiert. Bei der Höhe der Beiträge geht die „A-Day“-Reform sogar deutlich weiter, als man es hier zu Lande je zu fordern wagte. Es gelten nur zwei Höchstgrenzen: für den Gesamtwert der Vorsorgeansprüche (1,5 Mill. Pfund) und die jährlichen Beiträge und Erträge (215 000 Pfund), die jeder Einzelne bis zum Eintritt in den Ruhestand „brutto für netto“ aus seinem Einkommen oder Beiträgen des Arbeitgebers ansparen darf.

Für diese nachgelagerte Besteuerung ist es völlig gleich, ob die Beitragsleistungen direkt vom Sparer stammen, aus Gehaltsumwandlung, oder ob der Arbeitgeber dazu einen Beitrag leistet. Mit der Steuerbehörde wird abgerechnet, wenn das Vermögen im Alter konsumiert wird. Die Auszahlungen unterliegen der Steuer. Ausnahme: 25 Prozent des Altersvorsorgevermögens dürfen als einmalige „lump sum“ steuerfrei ausgezahlt werden.

Der britische Gesetzgeber stärkt mit seinem umfassenden Reformwerk die Eigenverantwortung der Bürger. Der Einzelne soll mit dieser Neufassung motiviert werden, so viel anzusparen, wie es zur individuellen Sicherung des Lebensstandards im Alter erforderlich ist – und zwar wann und wie es seiner individuellen Lebenssituation entspricht. Auch die Auszahlungsmodalitäten sind flexibel, sie beginnen – je nach persönlichem Wunsch des Einzelnen– in einer Bandbreite zwischen dem 55. und 75. Lebensjahr.

An diesen Grundsätzen sollte sich auch der deutsche Gesetzgeber bei anstehenden Reformen orientieren. Denn hierzulande sind betriebliche Altersversorgung, Riester-Rente und Rürup-Rente auf Grund unterschiedlicher Regeln, Förderbedingungen und Beitragsgrenzen nicht miteinander kompatibel; es fehlt an einem eingängigen und für den Bürger verständlichen Konzept der Förderung privater Altersvorsorge. Das politische Ziel einer flächendeckenden Verbreitung ergänzender, kapitalgedeckter Altersvorsorge wird deshalb bislang nicht erreicht. Der „A-Day“ ist ein Denkanstoß für Deutschland.

Stefan Seip ist Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Investment und Asset Management (BVI).

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