Vormundschaftsverfügung - Teil V der Serie
So sorgen Eltern für ihre Kinder vor

Für Eltern ist es eine der schlimmsten Vorstellungen: Ihnen stößt etwas zu und niemand ist da, der sich um ihre Kinder kümmert. Damit im Notfall kein Fremder zum Vormund wird, sollten sie dieses Schriftstück verfassen.
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DüsseldorfMit der Patentante und dem Patenonkel versteht sich der Nachwuchs prima und die Großeltern gibt es auch noch. Viele Eltern glauben, dass ihr Kind im Notfall schon gut versorgt werden wird. Tatsächlich ist die Patenschaft aber nicht mehr als ein kirchliches Ehrenamt. Und die Großeltern werden auch nicht automatisch zum Vormund. Wenn Eltern sichergehen wollen, dass ihr Kind nicht in fremde Obhut gerät, sollten sie eine Vormundschaftsverfügung verfassen.

Für den Fall, dass die Eltern das gemeinsame Sorgerecht haben und ein Elternteil stirbt, ist die gesetzliche Regelung eindeutig: Dann bekommt der andere automatisch die sogenannte Alleinsorge. Schwierig kann es für einen Vater oder eine Mutter aber schon dann werden, wenn das andere Elternteil das Sorgerecht nur vorübergehend nicht ausüben kann – etwa wegen Krankheit oder eines Auslandsaufenthalts. „Dann sind gegenseitige Vollmachten sinnvoll“, sagt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht.

„Darin sollte stehen, dass ein Elternteil bei Verhinderung des anderen das Sorgerecht für beide wirksam ausüben darf“, so Becker. Wichtig sind solche Vollmachten beispielsweise bei medizinischen Entscheidungen, Bankgeschäften oder beim Kontakt mit Behörden. „Die Zeiten, in denen Mutti für ihren Sohn problemlos alleine ein Konto eröffnen oder Vati die Tochter nach einem Umzug in der neuen Stadt anmelden konnte, sind vorbei“, sagt die Berliner Anwältin.

Eine Vollmacht oder eine vertragliche Regelung ist auch dann wichtig, wenn beide Eltern vorübergehend nicht ihrer elterlichen Sorge nachkommen können. „Man denke etwa an Urlauber, die beispielsweise wegen eines Wirbelsturms nicht zum geplanten Zeitpunkt nach Hause reisen können“, sagt Becker. Wenn ein Kind dann bei der Oma ist und krank wird, braucht die Großmutter eine Vollmacht, um medizinische Entscheidungen für den Enkel treffen zu können.

Für den Fall, dass beide Elternteile sterben, können sie eine Person als Vormund für ihr Kind benennen oder auch bestimmte Personen von der Vormundschaft ausschließen. „Die Entscheidung trifft am Ende das Familiengericht, deshalb sollten Eltern möglichst ausführlich und nachvollziehbar begründen, warum eine Person Vormund werden soll und eine andere nicht“, rät Martina Mainz-Kwasniok, Fachanwältin für Familienrecht. Wie bei einer Betreuungsverfügung haben die Betroffenen lediglich ein Vorschlagsrecht.

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