Vorsorgeatlas Generation Rentenlücke

Zu wenig Geld im Alter: Die gesetzliche Rente wird nicht reichen. Den heute Jungen werden nach dem Arbeitsleben viele Hundert Euro fehlen – jeden Monat. Wie viel, das hat ein Professor ausgerechnet.
Update: 10.10.2017 - 12:21 Uhr 25 Kommentare

„Mittzwanziger erhalten weniger Rente – und das ist gerecht so“

„Mittzwanziger erhalten weniger Rente – und das ist gerecht so“

FrankfurtDie gesetzliche Rente bleibt die Hauptstütze der Altersversorgung in Deutschland. Doch die Älteren stehen besser da als die Jungen. Wie groß die Unterscheide sind, hat der Freiburger Professor und Vorsorgeexperte Bernd Raffelhüschen im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment durchgerechnet und im „Vorsorgeatlas Deutschland 2017“ beziffert. Die Zahlensammlung gilt als umfangreichste ihrer Art.

Die 50- bis 65-Jährigen erreichen den Daten zufolge rund 64 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens, und können damit ihren Lebensstandard sichern. Raffelhüschen spricht von der „Gnade der frühen Geburt“. Die Generation der Kinderreichen sei bewusst bevorzugt, weil sie Beitragszahler in die Welt gesetzt habe.

Dagegen kommen die 20- bis 34-Jährigen nur auf 38,6 Prozent. „Sie benötigen daher etwa 800 Euro zusätzlich pro Monat und müssen aktiv werden“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, bei der Vorstellung der Studie am Dienstag in Frankfurt. Er moniert allerdings: „Die Jungen leben im Hier und Jetzt. Altersvorsorge kommt erst auf Platz drei der Sparziele.“

Das Thema Generationengerechtigkeit ist brisant. Es stand auch im Mittelpunkt des Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetzes aus dem Jahr 2004. Dort ist festgelegt, dass nie mehr als ein Fünftel des Lohns an die gesetzliche Rentenversicherung abgegeben werden soll und das Rentenniveau sich entsprechend anzupassen habe. Diese Regelung soll die geburtenschwachen nachfolgenden Generationen vor übermäßiger Belastung durch die wachsende Rentnerzahl schützen.

In der gesamten Bevölkerung haben laut Raffelhüschen etwa 33,5 Millionen Deutsche Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Beamtenversorgung und berufsständischer Versorgung. Insgesamt erreichen sie damit 48,9 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens. Zur Sicherung des Lebensstandards gelten 60 Prozent beziehungsweise das als Grundsicherung geltende Niveau als kritische Marke.

Dazu kommt die zweite Absicherungsebene mit Riester-Rente, betrieblicher Altersversorgung und der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes. Ansprüche daraus haben 19,6 Millionen Menschen, die so ihren Lebensstandard im Alter tatsächlich sichern können. Nimmt man die dritte Säule mit dem Privatvermögen hinzu, dann erreichen diese Personen sogar knapp 83 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens. „Das ist der Sahneschaum obendrauf; sich nur auf die gesetzliche Rente zu verlassen, das ist gefährlich“, sagt Raffelhüschen.

Der Vorsorgeatlas kommt für alle Versicherten in Deutschland im Durchschnitt auf eine monatliche gesetzliche Rente von 1.070 Euro. Damit erreichen die Betroffenen nur 48 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. „Entscheidend ist, die Möglichkeiten vor allem der privaten Vorsorge zu nutzen“, sagt Reinke. Er bricht vor allem eine Lanze für die Riester-Rente, die sich seiner Meinung nach bewährt hat.

So unterschiedlich altert Deutschland
Deutschland wird älter
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2015 bekam eine Frau im Schnitt 1,5 Kinder – und lag damit unter dem EU-Durchschnitt. Dementsprechend werden die Deutschen älter. Unterschiede sind vor allem zwischen Ost- und Westdeutschland zu sehen.

Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Ostdeutschland
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In einigen ostdeutschen Landkreisen und kreisfreien Städten liegt das Durchschnittsalter bei 49 Jahren, wie beispielsweise in Suhl, im Altenburger Land und in Dessau. Der Anteil der über 64-Jährigen ist hier groß und liegt bei knapp 60 Prozent.

Universitätsstädte
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Im Gegensatz dazu sind in Heidelberg nur rund 16 Prozent der Menschen älter als 64 Jahre. Das Durchschnittsalter beträgt hier 39,9 Jahre, ähnlich wie in der Universitätsstadt Freiburg: Hier sind die Einwohner durchschnittlich 39,8 Jahre alt.

Landflucht
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Viele strukturschwache Gebiete verlieren junge Menschen und altern deswegen schneller. Die Kluft zwischen wachsenden Groß- und Universitätsstädten und den Gebieten jenseits der Ballungsräume hat sich in den letzten Jahren vertieft. Besonders stark macht sich die Alterung der Bevölkerung in strukturschwachen Gebieten bemerkbar. Allein zwischen 2000 und 2015 haben Landkreise wie Suhl (minus 22 Prozent), Oberspreewald-Lausitz (minus 21,7 Prozent) und Spree-Neiße (minus 19,9 Prozent) jeden fünften Einwohner verloren.

Junges Deutschland
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Neben Universitätsstädten wie Tübingen, Erlangen, Regensburg oder Eichstätt haben auch einige Umlandkreise der wirtschaftsstarken Metropolen ein niedriges Durchschnittsalter, beispielsweise Freising (40,6) und Erding (41,4) bei München. Viele Familien zieht es hier aus den Kernstädten ins engere Umland.

Land heißt nicht unbedingt alt
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Aber nicht alle ländlichen Räume überaltern. Generell ist das Durchschnittsalter in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs sowie im Nordwesten Deutschlands besonders niedrig. So haben einige Landkreise im Westen – wie Vechta (40,0) oder Cloppenburg (40,1) – eine vergleichsweise junge Bevölkerung. Ein Grund dafür sind hohe Geburtenraten.

Landeshauptstadt Mainz – ein recht junges Pflaster
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Die jüngsten Landeshauptstädte Deutschlands sind Mainz, Stuttgart und München. Ihre Einwohner sind durchschnittlich unter 42 Jahre alt.

Die umfangreiche Datensammlung legt unterschiedliche Absicherungsniveaus in Deutschland auch getrennt nach Region, Einkommen und Geschlecht offen. Aus der geografischen Brille erhalten die Bürger im Osten Deutschlands die geringsten Zahlungen aus der gesetzlichen Rente. Im Schnitt sind es 988 Euro, in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns nur 926 Euro.

Besser kommen viele Regionen aus dem Süden Deutschlands weg. Die höchsten Rentenzahlungen erhalten die Oberbayern mit 1.169 Euro. Allerdings sind dort auch die Versorgungslücken höher, die immer auf die Bruttogehälter bezogen sind – die hier im Schnitt höher liegen.

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25 Kommentare zu "Vorsorgeatlas: Generation Rentenlücke"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das nennen wir Bildung und Leistungsgesellschaft.

  • Und scheissegal wie doof wir sind.

    Mit oder ohne Bildungsabschluss oderabgebrochenem Theologiestudium oder der Theaterwissenschaften.Hähähä

  • 1050 Euro monatlich, basta!

    Und wir Politiker 10.000 bis 15.000. Hähähä

  • Die Herren Raffelhüschen, Rürup und Riester sind: ( bzw. waren)
    a) hochbezahlte Bundestagsabgeordnete
    b) berechtigte hochbezahlte angehende Pensionäre
    c) und alle mit einem hochbezahlten Nebenjob. (Berater auf Vorstandsebene bei diversen Versicherungen)
    Alle sagen was nicht funktionieren wird, aber k e i n e r macht Vorschläge wie der Staat dies verhindern kann.
    So sehen die von vielen gewählten Volksvertreter aus.
    Auch hier gilt es wie bei Frau Merkel;: nur weiter so........
    the stupid germans

  • @ H. Narrog:
    Sie unterliegen dem Irrtum, dass Geld einen absoluten Wert an sich hat.
    Bei Bedarf wird die Denomination den Bedürfnissen angepasst. … Unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der "Haves", danach eher mehr zu haben, natürlich. Die "Not Haves" werden eingepfercht und nach den Bedürfnissen der Haves nach Diensten alimentiert. Fertig.

    In Ärzte besser als D bezahlenden Ländern (meist englischsprachig) ärgern sich die Patienten genauso über die nicht der Sprache mächtigen Deutschen wie die Patienten hier über das Gehaltsdrückersammelsurieum aus Asien und Afrika.

    There is nothing like a free lunch!

    Von dem Stuss bez. "Deutsche Urbevölkerung" wollen wir nicht weiter reden!

  • Herr Günther Meyer...

    " Wo bleibt denn da die sog. Rentenlücke, wenn die gesetzliche Rente wieder gestärkt würde ?"

    Die Staatsrente ist als Kettenbriefsystem/Ponzi Schema konzipiert. Diese Systeme funktionieren gut, teils über Generationen, solange es genug willige Zahler gibt.

    Grundherausforderung ist dass die Deutsche Urbevölkerung im Zuge der radikalfeministischen Ideologie in eine Art Gebährstreik getreten ist. Die von Fr. Merkel und Genossen neu angesiedelte Bevölkerung gehört ganz anderen Kulturkreisen an. Deren Qualifikation ist häufig nicht so hoch, dass diese hinreichend in dieses System einzahlen können, im Gegenteil ein grosser Teil der Neueinwohner lebt von staatlicher Alimentation. Es stellt sich auch die Frage ob diese Menschen überhaupt willens sind die deutsche Altbevölkerung zu alimentieren mit denen sie wenig gemein haben.

    Die deutsche Politik verspricht viel vor Wahlen und verändert das Rentensystem regelmässig entsprechend der ideologischen Launen. Es besteht die Tendenz zugunsten des Heute zu Lasten der Zukunft zu verteilen.

    Annahme: Die heutige Beitragszahlergeneration wird wenig von ihren Beiträgen haben. Eine "Stärkung der gesetzlichen Rente" hätte noch höhere Verluste für die junge und mittlere Generation zur Folge.

  • @Günter Meyer:
    Danke für die Aufklärung, ich wollte das gerade recherchieren, denn mir schwante da etwas.
    Dass der Herr Rn. hier ein Sprachrohr hat, ist bei dem Verlag, der sich nicht entblödet sich mit einem Herrn Rürup in einem eigens auf ihn zugeschnittenen "Institut" zu brüsten, aber kaum verwunderlich.
    Wie sagte der schmierige Lude? "Ich stehe nicht im Solde meiner Geldgeber."

    Auch wenn hier immer wieder wertvolle Informationen präsentiert werden: derartiges wie dieses Advertorial ohne Kennzeichnung erinnern einen dann eben an die realen Machtverhältnisse.

  • Es gibt die gut versorgten Rentner,
    die haben immer gut Verdient.
    Haus, Zusatzversicherung Betriebsrente...

    Und wir haben die Armen Rentner
    Zeitarbeit
    Schlecht bezahlt
    Geschieden und Haus verloren
    ....
    Es ist aber die Aufgabe des Staates hier die vorsorge über die Gesetzliche
    Rente zu sichern.
    Das heist jetzt müssen die Beiträge hoch und Rücklagen gebildet werden.
    Alle müssen Einzahlen ohne Obergrenze und dann eine Rente
    deren Kaufkraft nach Einzahlungen zwischen 1500 unten 3000 oben liegen sollte
    Durch die Unterschiedlichen Lebenswege und Lebenserwartungen.
    Sollten 40-45 Beitragsjahre reichen.
    Der Hilfsarbeiter fängt früher an Beiträge zu Zahlen und Stribt früher
    als der Höhere Beamte. Das muss berücksichtigt werden.
    Auch der Beruf. Wer möchte von einem 70ig Jährigen operiert werden?

    Alle Förderungen jetzt fließen zum großen Teil zu den Versicherungen und Banken
    Und auch hier, wenn Banken in Beauftragen ist das ergebnis der Studio doch klar

  • Ein Professor aus Freiburg. Befaßt sich mit der gesetzlichen Rente. Und hat damit von vorn herein sein Thema verfehlt.

    Beispiel gefällig? Ich persönlich habe eine BfA-Rente. Dazu eine Betriebsrente. Ein dritte Rente stammt aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Eine vierte aus früherer Tätigkeit im öffentlichen Dienst. Und mein Mann hat noch eine BfA-Rente. Außerdem haben wir noch Wohneigentum.

    Dem Herrn Raffelhüschen scheint verborgen geblieben zu sein, dass unsere Rentner von sehr vielen Einkommensquellen leben. Heute und Morgen. Vielleicht sollte der Herr Professor seinen Tunnelblick einmal auf den Begriff des "Haushaltseinkommens" lenken. Auch viele Rentner leben nicht allein, sondern in Wohn- und Wirtschaftsgemeinschaften (Haushalten). Und sie haben sehr oft nicht nur eine einzige Einkommensquelle, sondern mehrere.

    Schon von gehört, Herr Raffelhüschen?

  • Gut bezahlte Auftragsforschung
    Herr Raffelhüschen (Miterfinder der gescheiterten Riester-Rente und Aufsichtsrat bei der Allianz-Versicherung) kommt mal wieder zu Aussagen die nur ihm selbst und seinen Auftraggebern nützen. Der angeblich angesprochene Leser seiner Ausführungen hat nichts davon.
    Wichtig ist es, die gesetzliche Rente zu stärken. Interessanterweise ergeben neue Studien, das die Bevölkerung in Deutschland wieder wächst. (Bis 2030 ca. 3 Mio. auf dann 83 Mio Einwohner). Wo bleibt denn da die sog. Rentenlücke, wenn die gesetzliche Rente wieder gestärkt würde ?

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