Weltspartag
Vergesst das Sparschwein, lernt Investieren

Regelmäßig das Sparschwein füttern – für Kinder ist das ein lehrreiches Ritual. Erwachsene sollten sich aber nach anderen Investments umsehen. Warum wir einen „Weltgeldtag“ und neue Anlagemodelle brauchen.
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DüsseldorfMünzen klimpern in der Spardose, Kinderaugen leuchten. Und voller Stolz wird die Dose noch einmal kräftig geschüttelt. Je kleiner der Nachwuchs ist, desto günstiger ist es für Eltern, ihm diese Freude zu machen. Denn bei den Jüngsten gilt meist die Devise „Hauptsache viel“ – etwa eine Handvoll Kleingeld. Dass die Geldstücke unterschiedlich wertvoll sind und Geldscheine – obwohl sie weder glänzen noch klimpern – noch wertvoller, das lernen sie erst später. Schritt für Schritt erweitern Kinder so ihr Wissen über Geld. Diese positive Neugier scheint mit steigendem Alter allerdings verloren zu gehen.

Am heutigen Weltspartag bringen wieder Tausende Kinder ihre Spardosen in die Banken und Sparkassen, lassen dort den Inhalt zählen und dann auf ihr Sparbuch überweisen. Und die Eltern? Laut dem aktuellen Vermögensbarometer des Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) steht auch bei den Erwachsenen das Sparbuch noch immer hoch im Kurs. 58 Prozent der Deutschen nutzen es zur Geldanlage. Geschlagen wird es nur von Rentenversicherungen, in die 63 Prozent der Deutschen investieren. Auf Platz drei und vier folgen die Lebensversicherung und die selbst genutzte Immobilie.

Immerhin, dass sich mit den mickrigen Sparbuchzinsen nicht einmal die Inflationsrate ausgleichen lässt, das scheint sich inzwischen herumgesprochen zu haben. Die Konsequenz, die Sparer offenbar daraus ziehen, ist jedoch fatal. Sie legen einfach weniger Geld zur Seite. Während die Sparquote 2008 noch bei 11,5 Prozent lag, sind es heute nur noch 10,3 Prozent. Von 100 Euro Nettoeinkommen werden also 10,30 Euro angespart. „Dieser Rückgang ist bedenklich, denn zehn Prozent sollte man allein schon für die Altersvorsorge zurücklegen“, sagt Georg Fahrenschon, Präsident des DSGV. „Wenn man darüber nicht hinausgeht, bleibt nichts mehr übrig, um sich langfristige Wünsche zu erfüllen oder sich gegen Risiken abzusichern.“

Was also tun? Hilft der heutige Feiertag des Sparens, um die Menschen zu überzeugen, dass sie ihren Konsum etwas einschränken und stärker an ihre Altersvorsorge denken sollten? „Wir wollen nicht den Konsum bremsen, sondern vermitteln, dass sich Sparen lohnt“, sagt Fahrenschon.

„Man kann gar nicht früh genug damit anfangen. Wie sinnvoll das ist, versteht jeder, dem man einmal den Zinseszinseffekt erklärt hat.“ Doch was tun, wenn die Zinsen so niedrig sind und bei Sparprodukten nach Abzug der Inflationsrate keine Rendite mehr bleibt? Da wundert es nicht, dass sich die Menschen lieber jetzt sofort etwas Schönes kaufen.

Kommentare zu " Weltspartag: Vergesst das Sparschwein, lernt Investieren"

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  • Freidenker: Dumpfer Antikapitalismus, gepaart mit Kollektivismus. Ungleichheit ist der Preis der Freiheit, nur wollen Sie diesen Preis nicht zahlen. Mein Dienst an der Allgemeinheit endet damit, dass ich Steuern zahle.
    Bezüglich Ihrer orthographischen und kalkulatorischen Fähigkeiten empfehle ich Ihnen dringend diese Website:
    http://bvl-legasthenie.de/

  • @deltaone

    Ja, bescheissen wir uns alle weiter gegenseitig. Der letzte macht dann das Licht aus :)

    Setzen Sechs, Thema verfehlt!

    Wer noch die Konzerne sponsert, die eh schon Milliarden Gewinne machen, muß was an der Waffel haben. Und wer nicht kapiert das zunehmende Armut den eigenen Reichtum vermindert, sollte noch mal Mathematik lernen.

    Das einzige was Bürger mit vorhandenem Geldüberschuss machen können, ist sich selber zu organisieren. Sich zusammen schliessen. Genossenschaften gründen um der Allgemeinheit zu dienen. Konzerne dienen nur sich selbst. Und auch Sie werden irgendwann feststellen, dass man Geld nicht essen kann! :)

    Alle verblödeten Geldgierigen können sich ja weiter ihren eigenen Ast absägen. Konezrne finanzieren und zusehen wie sich die Welt immer mehr entzweit. Der Frieden, die Sicherheit den Bach herunter geht. Denn je weiter die Schere sich zwischen arm und reich öffnet, destso mehr ist auch der Reichtum gefährdet!

    Verstehen aber nur intelligente :)

  • Die Mehrheit der Kommentare belegt, dass die Deutschen ein Volk von Finanzanalphabeten sind. Gutes Sparbuch, böse Aktie, schlimme Banken, Weltverschwörung. Der Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit wird so für die Masse der Kommentatoren unmöglich.

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