Weniger Sparer
Deutsche bewerten Finanzsituation als gut

Die meisten Deutschen sind mit ihrer finanziellen Situation zufrieden. Doch besonders junge Leute und Wenigverdiener legen kaum noch etwas auf die hohe Kante. Das hat nicht nur Folgen fürs Alter.
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BerlinDer Blick in den Geldbeutel stimmt viele Deutsche so optimistisch wie lange nicht. In einer Umfrage für den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) bezeichneten 58 Prozent der Teilnehmer ihre Lebensumstände als gut oder sehr gut. Das sei der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre, erklärte Verbandspräsident Georg Fahrenschon am Donnerstag in Berlin. Nicht einmal jeder zehnte bewerte seine Verhältnisse negativ. Zugleich aber gaben 16 Prozent an, sich eine Altersvorsorge nicht leisten zu können.

Der Umfrage zufolge sorgen vor allem Geringverdiener mit einem Einkommen von unter 1000 Euro nur selten vor. Mehr als die Hälfte in dieser Gruppe spart überhaupt nicht. Das mache ihm große Sorgen, weil es die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland noch verschärfe, sagte Fahrenschon.

Nimmt man alle Einkommensklassen zusammen, könnten es sich 41 Prozent der Nichtsparer aber eigentlich leisten, Geld zurückzulegen. Sie sähen keinen Sinn im Sparen mehr – unter anderem wegen der niedrigen Zinsen. Auch Niedrigzinsen träfen besonders Menschen mit geringem Einkommen – denn sie legten ihr Geld häufig zinsabhängig an.

Während unter den Berufstätigen zwischen 30 und 60 Jahren noch mehr als zwei Drittel sehr aktiv vorsorgen, müsste aus Sparkassen-Sicht vor allem die junge Generation mehr auf die hohe Kante legen. Sie habe die Lust am Sparen verloren, sagte Fahrenschon. „Dort muss man fast von einer Erosion der Sparkultur sprechen.“ Dabei sei gerade für die junge Generation Vorsorge besonders wichtig. „Je früher ich mit Sparen anfange, auch auf niedrigem Niveau, desto größer ist der Zins- und Zinseszins-Effekt.“

Wenn die Deutschen Geld zur Seite legen wollen, machen sie das weiterhin am liebsten mit Immobilien. Jeder zweite hält die selbst genutzt Immobilie für die sicherste Geldanlage, jeder vierte auch die vermietete Eigentumswohnung. Bei Aktien bleiben die Deutschen vorsichtig. „Da sitzen die Vorbehalte nach wie vor tief“, sagte Fahrenschon.

Die Sparkassen hatten für ihr „Vermögensbarometer“ im Juni und Juli 2000 Bundesbürger ab einem Alter von 14 Jahren befragt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wenn dieser Artikel sich nicht auf die Analysen und Ausführungen des Herrn Fahrenschon beschränken, sondern dieselben noch mit den Ergebnissen einer neuen Studie über die große Kluft in den Vermögensverhältnissen der Reichen in Deutschland und den anderen kontrastieren würde, wäre das schon eine journalistische Meisterleistung. Nachfolgend der Link zur Berichterstattung über diese Studie:

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gewerkschaftsnahe-studie-reiche-sind-viel-vermoegender-als-bisher-gedacht-1.2186716

    Herr Fahrenschon wird sich aber wohl kaum davon freisprechen können, dass er trotz aller Seriosität diesen Auftritt mit einer Prise Werbung für vorausschauende Geldanlagen bei Finanzinstituten verbindet. Ihm als dem Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes sollte man dafür aber das gebührende Verständnis nicht versagen.

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