WSI-Studie

Viele Haushalte haben nur für wenige Wochen Rücklagen

Müssten sie auf jedes Einkommen verzichten und sich nur aus Erspartem finanzieren, würden viele Deutsche nur ein paar Wochen ihren Lebensstandard halten können. Doch fünf Prozent der Deutschen können ganz gelassen sein.
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Die meisten Deutschen haben kein nennenswertes Vermögen, aus dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten. Quelle: dpa
Vermögen

Die meisten Deutschen haben kein nennenswertes Vermögen, aus dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten.

(Foto: dpa)

BerlinViele Menschen in Deutschland könnten sich einer Studie zufolge allein von ihrem Vermögen nur kurze Zeit finanziell über Wasser halten. Dies geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Verteilungsbericht des gewerkschaftsnahen WSI-Instituts hervor.

„Während rund ein Drittel der Haushalte in Deutschland maximal Rücklagen für einige Wochen oder wenige Monate hat, könnten Haushalte am oberen Ende der Skala mindestens zwei Jahrzehnte durchhalten.“ Vermögen sei hierzulande sehr ungleich verteilt und sollte Familien eigentlich die Möglichkeit geben, bei Arbeitslosigkeit oder längerer Krankheit notfalls ohne laufende Einkommen ihren Konsum bestreiten zu können.

Die WSI-Forscher untersuchten, wie lange Haushalte den hypothetischen Extremfall durchhalten könnten, wenn sie auf jedes Einkommen aus Job, Rente oder Sozialtransfer verzichten müssten und stattdessen ihr komplettes Vermögen aufzehren würden. Rund 30 Prozent könnten trotz oft geringer Konsumausgaben maximal wenige Wochen oder Monate überbrücken, „weil sie kein nennenswertes Vermögen besitzen oder unter dem Strich sogar verschuldet sind“. Weitere 20 Prozent könnten sich höchstens knapp zwei Jahre über Wasser halten.

Der Deutsche kann mehr sparen – und tut das gerne
Weltspartag
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Seit 1924 wird in jedem Jahr in der letzten Oktoberwoche der Weltspartag gefeiert, in diesem Jahr am 30. Oktober. Aus diesem Anlass erhob der Bundesverband Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) eine Studie zum Sparverhalten der Deutschen.

Quelle: BVR Research

Sparvolk
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Aktuelle Zahlen zum Sparverhalten der Bundesbürger zeigen: Sparen ist und bleibt in Deutschland ein wichtiges Thema. Mit der Sparquote wird das Verhältnis von Ersparnis und verfügbarem Einkommen angegeben. Im ersten Quartal diesen Jahres lag sie bei 9,8 Prozent, und damit 0,1 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Die Sparlücke, also das Verhältnis aus monatlichem Sparziel und tatsächlichem Sparbetrag, fiel in diesem Jahr um neun Euro auf 72 Euro.

Nicht-Sparer
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Allerdings lässt sich auch eine negative Entwicklung feststellen: Vor allem Bürger aus unteren Einkommensschichten werden durch den anhaltenden Niedrigzins entmutigt. In der Gruppe der Bundesbürger mit einem Nettoeinkommen von unter 1000 Euro im Monat stieg der Anteil der Nichtsparer laut Studie von 28 auf 36 Prozent. Das wirkt sich auch auf die Altersvorsorge der Geringverdiener aus.

Gestiegenes Gesamtvermögen
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Die Deutschen sparen mehr – weil sie es können. Die Studie zeigt, dass der Durchschnittsdeutsche seine Sparfähigkeit besser ausschöpft.

Bankeinlagen
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Mit 39,6 Prozent stellen Bankeinlagen den größten Teil des deutschen Privatvermögens. Sie sind auch bei anhaltend niedrigen Zinsen nach wie vor am beliebtesten. Allein im ersten Quartal flossen den Banken so knapp vier Milliarden Euro mehr zu als im Vorjahr. Liquide Sichteinlagen, Girokonten etwa, machen den größten Anteil aus.

Versicherungsvermögen
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Knapp dahinter kommt das Versicherungsvermögen mit einem Anteil von 36,5 Prozent. Klassische Versicherungen machen in diesem Bereich den größten Posten aus. Auch die private Altersvorsorge erfreut sich steigender Beliebtheit.

Wertpapiere
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Zurückhaltend sind die Deutschen nach wie vor bei der Kapitalanlage in Wertpapiere. Allerdings, und das ist durchaus erfreulich, lässt sich hier eine steigende Tendenz erkennen. So machen Investmentfonds und Aktien derzeit fast 24 Prozent des Geldvermögens aus.

Ein Jahr und elf Monate sei der Mittelwert für alle Haushalte. Bei zehn Prozent reicht dem WSI zufolge das Vermögen dafür, den oft hohen Lebensstil mindestens 13 Jahre aufrecht zu erhalten, fünf Prozent gelingt das sogar mindestens mehr als 21 Jahre lang.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Mehrzahl der Haushalte über keine oder nur über eine sehr eingeschränkte private Absicherung durch Vermögen verfügt", sagte WSI-Direktorin Anke Hassel. Während bei vielen Menschen die finanzielle Autonomie auch bei sparsamer Lebensführung nur einige Wochen reichen würde, „haben andere über ein Jahrzehnt und manche sogar mehr als zwei Jahrzehnte zur Verfügung und können gleichzeitig weitaus mehr ausgeben.“

Ostdeutsche Haushalte würden laut Studie mit ihrem Vermögen nur halb so weit kommen wie westdeutsche. Ältere haben demnach zwar im Mittel mehr Polster, aber auch bei ihnen ist jeder fünfte Haushalt unbedingt aufs laufende Einkommen angewiesen. Alleinerziehende hätten besonders geringe Möglichkeiten, Einkommensausfälle über Vermögen auszugleichen.

  • rtr
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