Zahlungsverkehr
„Deutschland ist ein Bargeldland“

Eigentlich sind Geldscheine nur bedrucktes Papier, darauf verweist sogar der Bundesbank-Präsident. Doch das Vertrauen der Deutschen in die Banknoten ist ungebrochen. Die Kartenfirmen sehen das gar nicht gerne.
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FrankfurtOb beim Bäcker, an der Tankstelle oder im Supermarkt: Die meisten Einkäufe zahlen Deutschlands Verbraucher immer noch bar.„Bargeld ist Geld zum Anfassen“, bringt es Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Mittwoch bei einem Symposium der Notenbank in Frankfurt auf den Punkt. „Geldscheinbündel und Tresore voller Geld gehören heute noch zu den unmittelbarsten und eingängigsten Symbolen für Reichtum und Wohlstand.“

An Dagobert Ducks Geldbad erinnert sich auch Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Privatbankenverbandes BdB, gut - obwohl die Lektüre der Comics schon eine Weile her sei. Damit hat Kemmer auch gleich eine Antwort auf seine Frage: „Woher kommt die Liebe der Deutschen zum Bargeld?“ - wo es doch inzwischen eine Reihe „weitaus sicherer und bequemerer Alternativen“ zu Schein und Münze gebe.

„Bargeld ist ein zutiefst emotionales Produkt“, bilanziert Kemmer. Es werde überall akzeptiert, könne im Grunde an jeder Straßenecke aus dem Automaten gezogen werden, schütze an der Supermarktkasse vor genervten Blicken aus der Warteschlange, wenn bei Kartenzahlung die Technik stocke und könne ganz plastisch unters Kopfkissen gelegt werden. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele meint, Bargeld mache Bürger „im Grunde so frei, wie sie sein möchten“.

Die Liebe der Banken zum Bargeld, daraus macht Kemmer zugleich keinen Hehl, hält sich in Grenzen: Mehr als vier Milliarden Euro müssten Banken und Sparkassen jährlich immer noch aufbringen, um die Bargeldversorgung ihrer Kunden zu gewährleisten.

Den Durchschnittverbraucher kümmert das in der Regel wenig. 118 Euro Bargeld haben die Menschen im Schnitt im Portemonnaie, Beträge zwischen 20 und 50 Euro werden in Deutschland fast ausschließlich bar beglichen. Getreu dem Motto „Nur Bares ist Wahres“ zahlen viele Verbraucher in Deutschland auch deshalb lieber bar, weil sie dann ohne großen Aufwand den Überblick über ihre Ausgaben behalten.

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  • Das Bargeld wird nie abgeschafft. Womit sollen unsere "Eliten" denn dann ihre Nutten bezahlen? LOL

  • Nur Bargeld ist Geld.
    Nur Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel.

    Alles andere sind Guthaben.
    Guthaben ist kein Geld.

    Hätte man nur Guthaben, so wäre man den Banken auf gedeih und Verderb ausgeliefert. Man könnte sein Geld nicht von den Banken wegnehmen.

    Man sollte die Banken in ihren Rechten einschränken und nicht weiter stärken.

  • Ich gehe auch zunehmend wieder zum Bargeldverkehr über. Der Staat und interessierte Kreise sind mir für alles andere viel zu neugierig. Vertrauen ist hier fehl am Platze, weil Staat und Öffentlichkeit als anonymisierte Gruppen oder Institutionen viel zu Vorurteils belastet sind und zuviel Wissen an dieser Stelle bedrohlich und gefährlich ist. Dem Staat als anonymisiertes Konglomerat aus Interessen Vernunft zu unterstellen ist ebenso mühsam wie mit einem verzogenen Kind zu diskutieren und zu dem sinnlos, weil hier das Kind das Gewaltmonopol hat.

    H.

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