Zahlungsverkehr: Notenbanken wehren sich gegen Sepa-Verzögerung

Zahlungsverkehr
Notenbanken wehren sich gegen Sepa-Verzögerung

Die EU-Kommission hat mit der Fristverlängerung für das Zahlungsystem „Sepa“ die europäischen Notenbanken verprellt. Diese wollen eigentlich gar keinen Aufschub. Es gibt starken Widerstand.
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FrankfurtDie europäischen Notenbanken haben sich nach Informationen des Handelsblatts zufolge gegen die von der EU-Kommission angekündigten sechsmonatige Verlängerung der Umstellungsfrist für das Zahlungssystem Sepa gewehrt. Die sogenannte High-Level-Group aus nationalen Zentralbanken und der EZB sei dagegen gewesen, die Einführung um ein halbes Jahr auf den 1. August 2014 zu verschieben, berichtet das Handelsblatt (Freitagsausgabe).

Sie wollten höchstens einen um drei Monate verschobenen Startbeginn für das europäische Zahlungssystem akzeptieren, berichtet die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bei einem Treffen der Notenbank-Vorstände mit der EU-Kommission Ende Dezember habe es starken Widerstand gegen den nun öffentlich gewordenen Vorschlag der Kommission gegeben.

Eigentlich sollte am 1. Februar von den bisherigen Kontonummern und Bankleitzahlen auf ein europaweit einheitliches System umgestellt werden – für private Überweisungen gilt eine Frist bis 2016. Kernstück der Reform ist die neue Iban-Kontonummer mit 22 Stellen. Mit Vehemenz hatten die Bundesbank und Bankenverbände Unternehmen, Vereine und Organisationen davor gewarnt, die Umstellung auf die leichte Schulter zu nehmen. Auch bei Banken herrschte am Donnerstag Verwunderung über die EU-Entscheidung.

EU-Kommissar Michael Michel Barnier hat laut Notenbankkreisen so kurz vor den Europawahlen Ende Mai einen chaotischen Sepa-Start vermeiden wollen. „Letztlich ist es aber ein Thema der Kommission“, erklärte EZB-Chef Mario Draghi. EZB und Euro-System besitzen keine Handhabe, eine mögliche Verschiebung zu stoppen.

Notenbankkreise befürchten, dass das Tempo der Umstellung durch den neuen Termin nun wieder nachlassen könnte. Die Deutsche Kreditwirtschaft appellierte, dass die noch nicht vorbereiteten Firmen die gewonnene Zeit nun nutzen sollten.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

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  • Es gibt ein großes Land in der €-Zone, in welchem der Zahlungsverkehr - auch der gewerbliche - ausschließlich per Scheck abgewickelt wird. Ein völlig antiquiertes System, völlig unzugänglich für el. Datenverarbeitung. Sie werden auf einer Rechnung von dort keine Kontoangabe finden, oh nein, die müssen Sie erst einzeln erfragen. Selbst der Staat schickt Ihnen Gebühren- und Steuerbescheide, ohne anzugeben, wohin Sie Ihr Geld überweisen können, um es loszuwerden.

    Das System wird vom Staat gestützt, indem die kostenlose Ausgabe von Scheckheften durch die Bank gesetzlich verankert ist, ebenso, daß der Zahlungsverkehr per Scheck kostenfrei sei. Eine gewöhnliche Überweisung kostet dagegen je nach Bank etwa 3 € Gebühren, womit sie natürlich unterbleibt.

    Wenn SEPA nicht flächendeckend termingerecht eingeführt werden kann, dann liegt es in erster Linie an diesem Land.

    Wo diese Hinterwälder leben? Das Land heißt Frankreich, die Heimat von EU-Kommissar Barnier. Noch Fragen?

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