Zinsen, Gebühren, Entgelte
Wo Banken bei Privatkunden abkassieren

Die Banken haben Privatkunden als Ertragsquelle entdeckt: Seit der Lehman-Pleite hat fast jede dritte Bank die Gebühren erhöht, darunter auch die großen Finanzkonzerne. Welche Kunden mehr zahlen müssen.
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Wenn die Deutsche Bank wieder mal einen Brief an ihre Kunden schreibt, bedeutet das für die selten etwas Gutes. Sobald das vormals ordentlich verzinste Festgeld ausläuft, erhalten Sparer bei der Verlängerung um vier Jahre nur noch einen Satz von einem Prozent. Nach einem Tagesgeldkonto ohne Beschränkungen suchen Kunden seit Jahren vergebens, der Dispozins liegt bei 12,5 Prozent.

Bei geduldeten Überziehungen gilt beim Branchenprimus seit Juni neuerdings ein „Mindestpreis von 6,90 Euro pro Quartal“. Zum 21. August erhöhte das Institut die Entgelte für eine schriftliche Benachrichtigung bei Ablehnung einer Überweisung um mehr als das zweieinhalbfache.

Fast jeder Kunde ist betroffen. Die Standard-Kreditkarte wird zur nächsten Abrechnung um 30 Prozent teurer und kostet dann stattliche 39 Euro. Schon die Gebühr für das Einstiegskonto stieg zuletzt um elf Prozent auf knapp 60 Euro pro Jahr. Wer eine Überweisung in Papierform abgibt, wird mittlerweile mit 1,50 Euro zur Kasse gebeten.

Die Deutsche Bank rechtfertigt sich, dass sie die Preise ihrer Produkte lange Jahre habe stabil halten können. Die Bank hätte kontinuierlich in gute Beratung, Dienstleistungen und erweiterten Leistungsumfang investiert und Kunden könnten aus einer Reihe unterschiedlicher Angebots- und Preismodelle wählen. "Die Deutsche Bank liegt mit ihren Entgelten für Dienstleistungen und Produkte im Marktumfeld", erklärt ein Sprecher. Denn der Marktführer steht mit seinem Stakkato an Preiserhöhungen nicht alleine da.

Nach einer Untersuchung der FMH-Finanzberatung für Handelsblatt Online hat seit der Pleite der Investmentbank Lehman-Brothers im September 2008 knapp jede dritte Bank ihre Preise für Girokonto und Kreditkarte erhöht. Kein einziges der untersuchten 70 Institute wurde seit Beginn  der Finanzkrise durchweg günstiger. „Kunden von Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind von der Preisrally betroffen“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

Seit Beginn der Finanzkrise hat sich die deutsche Bankenlandschaft verändert. Es gibt weniger unabhängige Privatbanken mit großem Filialnetz. Die Postbank und Norisbank gehören zur Deutschen Bank. Die Dresdner Bank landete bei der Commerzbank, die als Beteiligung vom Staat rigide überwacht wird. Zahllose Eigentümer wechselten seit dem Lehman-Crash. Aus der SEB wurde die Santander Bank, die Citibank wurde zur Targo-Bank und Unicredit kontrolliert die Hypovereinsbank. „Reduzierte Konkurrenz und neue Besitzverhältnisse geraten offenbar zum Nachteil des Kunden“, sagt Herbst.

Kommentare zu " Zinsen, Gebühren, Entgelte: Wo Banken bei Privatkunden abkassieren"

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  • Die Deutsche Bank macht es doch aus Leidenschaft.
    Sie schaft es, dass der Kunde leidet

  • Sehr geehrter Herr Hagen,

    ich habe selten einen derart schlechten Beitrag gelesen.

    Die Preise, die die Banken von ihren Kunden verlangen, übersteigen bei weitem ihre Kosten. Sehr richtig erkannt - das sollten die Banken gewerbsmäßig machen. Könnte gewinnbringend sein. Scherz beiseite: Man kann das Geheule, z. B. über hohe Dispozinsen nicht mehr hören. Wechseln Sie doch die Bank. Wir haben derart viele unterschiedliche Anbieter. Oder warten Sie auf einen seitens der EU gesetzlich geregelten Dispozins?

    Apropos EU: Wie weit einige Richte(wahrscheinlich auch Personen, die sich allesamt über hohe Bankgebühren aufgeregt haben) die Vertragsfreiheit mittlerweile eingeschränken wollen, sieht man an den Gebühren bei Verbraucherkrediten. Die Bearbeitungsgebühren werden im Vertrag und in allen Berechnungen ausgewiesen, d. h. extra angegeben, und in den Effektivzins einberechnet. Ein Bankkunde hat somit zwei Punkte, an denen er, sofern er nicht gerade eine Baumschule als Lehranstalt besucht hat, erkennen kann, dass der Kredit teurer geworden ist bzw teurer wird. Das sieht ein Blinder mit einem Krückstock. Und trotzdem gibt es Gerichtsentscheidungen (wenn auch noch nicht höchstrichterlich) die eine Bearbeitungsgebühr untersagen. Alles Richter die sich über ihre Bank aufregen?

    So ein Schwachsinn. Ich warte darauf, dass wir wieder mit Naturalien handeln, weil sowohl das Anbieten als auch die Nutzung von Finanzdienstleistungen unter Strafe gestellt worden sind...

  • Wenn ein Kunde, z.B. durch Abgabe eines Papierbelegs, oder eine nicht genehmigte Überziehung seines Kontos manuelle Eingriffe in die Abläufe verursacht, wird es teuer für die Bank. Früher wurden die Kosten derartiger dysfunktionaler Geschäftsvorfälle kompensiert, in dem die Bank ein paar Valutatage zwischen Geldeingang und Kontogutschrift abknipste. Der Normalkunde interessierte sich dafür nicht. Jetzt werden die Gebühren wesentlich verursachungs-gerechter erhoben. Von Abzocken kann keine Rede sein!

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