Zinsen und Sparen: Das Siechtum des Sparbuchs

Zinsen und Sparen
Das Siechtum des Sparbuchs

Das Sparbuch war einmal der Deutschen liebste Geldanlage. Jetzt wird es zum Auslaufmodell. Ein Vergleich zeigt: Die meisten Sparbücher taugen nichts, nur einige wenige bieten ordentliche Konditionen.
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DüsseldorfDas aktuelle Zinstief treibt Kleinsparern die Sorgenfalten auf die Stirn. Einige Lebensversicherer kürzen die Überschussbeteiligung auf knapp drei Prozent. Bausparer müssen sich in der Ansparphase mit Sätzen zwischen 0,25 und drei Prozent begnügen – und das bei ein Prozent Abschlussgebühr. Tages- und Festgelder rentieren im Schnitt nur noch mit einem Zins von einem Prozent.

Es geht aber noch tiefer. Sparbuchbesitzer erhalten aktuell so wenig wie niemals zuvor. Laut FMH-Finanzberatung fiel der Spareckzins, Basiszinssatz für Einlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist, erstmals für dieses Sparprodukt auf unter 0,4 Prozent.

Einzelne Kunden müssen sich mit weniger begnügen. Eine Analyse der FMH-Finanzberatung für Handelsblatt Online zeigt, dass mindestens sechs Institute, darunter die Deutsche Bank, ihren Kunden nur noch einen Zins von 0,15 Prozent offerieren. Die BB Bank und Volksbank Dreieich bieten sogar nur noch 0,1 Prozent. „Sparbücher haben heutzutage eher einen emotionalen Wert, etwa als Geschenk für Kinder“, sagt Oliver Mihm, Vorstand der Unternehmensberatung Investors Marketing. „Im Vergleich zu flexibleren, zinsstärkeren Produkten wie Tagesgeld haben sie aktuell aber kaum eine Chance.“

Die Banken erklären zwar, die Sätze auf dem Kapitalmarkt seien gefallen und viele Institute würden sich bereits zur Decke strecken. „Sätze von 0,25 Prozent oder weniger müssen aber nicht sein“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. „Faire Institute gewähren zumindest Sätze knapp oberhalb des  EZB-Leitzinses“, sagt Herbst. Der Referenzzins liegt derzeit bei 0,75 Prozent.   

Immer mehr Kunden winken bei Sparbüchern ab. Die Summe der Spareinlagen sank laut Bundesbank im Vergleich zum Vorjahr um knapp elf Milliarden Euro auf 668 Milliarden Euro. Während sich die Sichteinlagen in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdoppelten, stagnieren die Konten mit dreimonatiger Kündigungsfrist. „Sparbücher sind Dinosaurier unter den Bankprodukten. Es könnte der Tag kommen, an denen sie aussterben“, sagt Mihm. 

Aber wie es bei den Urzeit-Echsen wahrscheinlich war, so ist es auch bei den Sparbüchern. Einige kleinere Dino-Arten überlebten - und entwickelten sich weiter. Einzelne Sparbücher bieten nicht nur sehr gute Zinsen, sondern interessante Konditionen. „Man sollte das Produkt nicht pauschal abschreiben, einzelne Anbieter haben sich einiges einfallen lassen“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. 

Kommentare zu "Das Siechtum des Sparbuchs"

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  • Das ist die Politik, die ihre Euroretterei durch die schleichende Enteignung der Sparer finanzieren will: Andreas hat natürlich recht. Viel schlimmer trifft aber diese Niedrigzinsphase die Lebensversicherungen, und damit uns alle, die aufs Alter sparen, um später nicht der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen. Schaut man sich die Beträge der Rettungsschirme an, ist uns allen klar, dass diese Niedrigzinsphase extrem lange dauern wird. Vielleicht ist es mit Blick auf die lauernde SPD besser, das Geld einfach auszugeben, als sich einfach ausplündern zu lassen mit der Begründung "man habe stärkere Schultern" - als diejenigen,die sorglos in den Tag hineinleben?!

  • Eine Bank, die auf dem handelsüblichen Sparbuch mehr als 1,50 Prozent bietet und dies mit der Solidarität gegenüber ihren Kunden begründet muss schon ziemlich verzweifelt sein - ganz zu Schweigen von denen, die das für bare Münze nehmen.
    Wer sich am Interbankenmarkt für weniger als die Hälfte mit frischem Geld eindecken kann, tut dies auch. Wem das - aus den offensichtlichen Gründen - nicht mehr möglich ist, stellt sich als "soziale Bank" heraus...
    Wenn aber Notenbanken und andere Institute einer solchen Bank kein Vertrauen mehr schenken, wieso sollte man dann als Kunde ins offene Messer laufen?
    Zinssatz ist nicht alles, auch wenn das viele aus den Augen verloren haben!

  • @WahrlichichsageEuch

    >>Hauptsache sicher. Mein Geld liegt jedenfalls gut auf meinem Sparkassenbuch!<<

    Das einzige, was am Sparkassenbuch sicher ist, ist der Verlust. Bei offizieller Inflation deutlich über 2 % und einem Zinssatz von bestenfalls 0,4 % verlieren Sie jedes Jahr mindestens 1,5 %. Und Ihre Sparkasse lacht sich schlapp über die billige Refinanzierung.

    Ich habe für meine Kinder auch ein Sparbuch abgeschlossen. Dabei geht es mir darum, sie ans Sparen ranzuführen. Für ein Kind ist es schon spannend, die ersparten 20 Euro zur Bank zu bringen und das dann gedruckt in einem Buch zu sehen.

    Den größten Teil des Geldes der Kinder habe ich aber in einem Fondssparplan angelegt. Der bringt mit konservativen und dividendenstarken Aktien jedes Jahr ein paar Prozent. Und die Schwankungen im Anteilswert können die Kinder locker aussitzen.

  • Manche Banken besitzen Münzzählgeräte, oder nehmen nicht abgezählte Münzen an, also Kiloware. Hier macht das Sparbuch Sinn: Man muss das Kleinzeug nicht zählen, der Betrag wird überwiesen. Somit ein kostenloser Zähl-Service.

  • 1 run und sparbücher werden 0 wert sein.
    und die regierungen unternehmen zwar viel, gleichwohl gehen sie an die sparbücher.
    was anderes haben die ja auch nicht mehr, nachdem ihnen nichteinmal irgendsoetwas wie haushalt zu gelingen scheint.

    revolution heute könnte damit anfangen die werte auf den sparbüchern massenweise abzufragen und zwar außerhalb der üblichen rhythmen dafür.

  • Ziemlich sinnleer, das ständige Genöle am Sparbuch.

    Am meisten jammern die, die das Geld der kleinen Leute lieber an der Börse sehen, wo sie es sich mit Insiderwissen und ständigen gebührenpflichtigen Umschichtungen und "Bestandspflegemaßnahmen" sukzessive unter den Nagel reißen können.

    Das Handelsblatt wie auch seine meisten Leser wissen, dass hoher Zins so gut wie immer auch hohes Risiko bedeutet! Niemand zahlt freiwillig und ohne Not hohe Zinsen!

    Es wird trotzdem wieder genug Raffgierige geben, die ihr Geld zu vielleicht 4 % Club-Med-Banken anvertrauen und dann wieder irgendwann dumm aus der Wäsche schauen.

    Heute ist die Sicherheit des Kapitalerhaltes und Nähe zur Bank das Gebot der Stunde. Da ist es völlig wurscht, ob man 0,1, 0,2 oder 0,4% bekommt (im Zweifel mal nachrechnen, was das tatsächlich ausmacht; dann einmal auf's Essengehen verzichten, schon haben die meisten den Zinsverlust wettgemacht) - Hauptsache sicher. Mein Geld liegt jedenfalls gut auf meinem Sparkassenbuch!

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