Zinssenkung
Das Leid der Sparer

Als ob das Dilemma nicht groß genug gewesen wäre: EZB-Präsident Mario Draghi hat ein weiteres Mal die Zinsen gesenkt. Besonders hart trifft das die deutschen Sparer, sie müssen ordentlich bluten.
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DüsseldorfWer Geld auf Tages- oder Festgeldkonten, dem Sparbuch oder in anderen festverzinslichen Anlagen geparkt hat, ist Leid gewöhnt. Die Realzinsen – also die Erträge nach Abzug von Inflation, Abgeltungssteuer und Kosten – sind schon jetzt negativ.  Tagesgeld und Festgeld bringen im Schnitt weniger als ein Prozent pro Jahr. Bei einer aktuellen Teuerungsrate von 1,2 Prozent in Deutschland ein Minusgeschäft, Steuern und Kosten noch nicht eingerechnet.

„Es ist schon jetzt ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Einige Sparkassen würden schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten bieten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes der Notenbanken derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Mit der erneuten Zinssenkung – die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für die Euro-Zone überraschend auf 0,25 Prozent gesenkt – wird es noch schlimmer. Noch nie war dieser Satz so niedrig. Zinsen sind damit so gut wie abgeschafft. Zinssenkungen werden erfahrungsgemäß ziemlich schnell an die Kunden weitergereicht. Vor allem bei Tages- und Festgeld dürften die Zinssätze also schon sehr bald weiter zusammenschnurren.

Die Leid geprüften Anleger müssen mit weiter sinkenden Sparzinsen rechnen. „Niedrigzinsen führen zu dauerhaften Verlusten der Sparer, die quasi einer Enteignung gleichkommen, weil sie bei ihren Anlagen negative Realzinsen hinnehmen müssen“, warnt Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). „Realwirtschaftliche Auswirkungen wird die heutige Zinssenkung nicht haben, für die Sparer ist sie sogar das falsche Signal.“

Kommentare zu " Zinssenkung: Das Leid der Sparer"

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  • Wie kann man denn sein Geld heute einer Bank anvertrauen?
    Fast keine Zinsen, aber hohes Risiko.

    Der Tulpenzwiebel-Aktienmarkt wird auf seinen Niedrigstand von 2200 wie Anfang 2000 zurückkommen, denn der Schulden-Tsunami ist im Anmarsch.

    Erst kommt dank Draghi die Deflation und dann die Hyper-Inflation.

    Da die Londoner Finanzgangster den Goldpreis wieder schön nach unten manipulieren, kaufe ich wieder Gold.
    Denn Gold ist das Einzige, was seinen Wert behalten wird.
    Sonst nichts.

  • @ Marco99

    Alt werden schützt vor Dummheit nicht!

    In den meisten Fällen versterben die Sparer noch vor Eintritt des Ruhestandes und die sauer erpaarten Kröten gehen an die Erben die dann wiederrum in den meisten Fällen das Geld verjubeln und so schliesst sich der Kreis. Amen!

  • @ FlashGordon


    Hochmut kommt vor dem Fall!

    An Ihrer Stelle würde ich aufpassen das aus Ihrem virtuellen Veyron nicht über Nacht ein verrosteter Opel wird!
    Sie wären nicht der erst der wegen Totalverlust aus dem Fenster springt. haha..

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