Zusagen gegenüber Kunden werden riskanter
Langfristige Verträge belasten Versicherer

Das traditionelle Geschäftsmodell der deutschen Lebensversicherer gerät zunehmend unter Druck. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt die Versicherer vor zunehmenden Schwierigkeiten, am Kapitalmarkt die Renditen erwirtschaften zu können, die sie den Kunden garantiert haben.

HB DÜSSELDORF. Das Problem ergibt sich aus der wachsenden Dauer der Vertragslaufzeiten, der keine entsprechenden langfristigen Anlagen am Kapitalmarkt gegenüberstehen.

"Das ist ein unglaubliches Risiko, das die Versicherer da fahren", sagte der Anleihehändler einer großen Bank dem Handelsblatt. Angesichts der niedrig verzinsten Anleihe-Anlagen vieler Versicherer und der langfristigen Zahlungsverpflichtungen gegenüber Kunden fordern Experten ein höheres Aktienengagement. Davor scheuen die meisten Versicherer aber nach den schlechten Erfahrungen in der Börsenbaisse zurück. Das Anlageproblem trifft die Branche in einer schwierigen Situation: Nachdem das Steuerprivileg für Lebensversicherungen Ende 2004 ausgelaufen war, verzeichneten die Konzerne im ersten Quartal dieses Jahres einen schwachen Absatz.

Experten zufolge steigt für die Lebensversicherer das Risiko, bei einer ungünstigen Entwicklung der Kapitalmärkte Auszahlungsverpflichtungen gegenüber Kunden nicht mehr erfüllen zu können. Dies gilt für das Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen und Rentenversicherungen. Die Vorstände müssten dafür sorgen, "dass Verbindlichkeiten und Kapitalanlagen dauerhaft aufeinander abgestimmt sind", warnt BaFin-Direktor Thomas Steffen. Zuletzt hatten die Lebensversicherer die Garantieverzinsung für neue Verträge von 3,25 auf 2,75 Prozent herabgesetzt.

Fachleute raten den Lebensversicherern, den Kunden nicht länger hauptsächlich Kapitalanlagen zu verkaufen. Stattdessen müssten sie Berater in Sachen Altersvorsorge werden und Ersatz für die lange dominierenden Kapitalpolicen finden.

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