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24.08.2007 
US-Finanzkrise

Der Lebensversicherung droht Gefahr

von M. Bergermann, C. Schürmann und S. Hajek, Wirtschaftswoche

Wie die US-Finanzkrise auch Ihre Geldanlagen bedroht und warum selbst Lebensversicherungen Renditeprobleme bekommen können.

Lebensversicherungen, Betriebsrenten, Investmentfonds – überall kann der giftige Finanzsondermüll aus den USA drinstecken.

Lebensversicherungen, Betriebsrenten, Investmentfonds – überall kann der giftige Finanzsondermüll aus den USA drinstecken.

Sie suchen einen gut bezahlten Job? Gründen Sie einen Hedgefonds! Dort können Sie bis zu einer Million Dollar verdienen. Pro Stunde. Glauben Sie nicht? John Arnold ist 33 Jahre alt, betreibt den Hedgefonds Centaurus und bekam 2006 dafür zwei Milliarden Dollar – oder eben etwa eine Million pro Stunde Arbeit. Womöglich muss Arnold in diesem Jahr allerdings Gehaltseinbußen hinnehmen, wenn die Finanzkrise in den USA seinen Hedgefonds erreicht. Nicht schön für ihn; aber noch weniger schön für alle Anleger, wenn die Feuer an den weltweiten Finanzmärkten sich zu einem Flächenbrand ausweiten.

Das träfe nicht bloß Aktionäre, nahezu jeder Deutsche bekäme das zu spüren. Lebensversicherungen, Betriebsrenten, Investmentfonds – überall kann der giftige Finanzsondermüll aus den USA drinstecken. Auf der Jagd nach jedem Prozentpunkt Rendite griffen professionelle Geldverwalter oft zu undurchschaubaren Anlagekonstruktionen. So genannte derivative oder hybride Produkte bringen zwar im Schnitt etwa 1,5 Prozentpunkte mehr als herkömmliche Papiere wie etwa Staatsanleihen; das Risiko ist jedoch oft nicht abzuschätzen, da sich hinter den Papieren mit Bezeichnungen wie CDO, ABS oder MBS oft Hunderte andere Papiere und damit Hunderte Risiken verstecken (siehe Glossar LBO ABS und andere).

"Wir werden erstmals erleben, wie groß der Einfluss dieser Finanzinstrumente auf den Markt ist. Dies ist eine komplett andere Situation als beim vergangenen Börsencrash. Anleger sind darauf völlig unvorbereitet, für viele öffnet sich ein Tor zur Hölle, wo niemand weiß, was wirklich dahinter hervorkommt", sagt Ralf Fix vom Aachener Vermögensverwalter Galiplan. Er ist Experte für Hedgefonds und Private-Equity-Investitionen.

Die Krisenmeldungen kamen zuletzt Schlag auf Schlag. Vermeintlich sichere Geldmarktfonds wurden geschlossen; nach der Beinahepleite der Mittelstandsbank IKB kursierten Gerüchte über eine Schieflage der WestLB, die Finanzaufsicht BaFin fordere die Ablösung des gesamten Vorstands, nachdem schon Bankchef Thomas Fischer und sein oberster Kreditmanager gehen mussten; amerikanische Hypothekenfinanzierer schlitterten in die Pleite, Hedgefonds wurden dichtgemacht; die Europäische Zentralbank EZB pumpte an einem Tag fast 95 Milliarden Euro in den Geldmarkt, um die Finanzsysteme zu beruhigen; die US-Notenbank Fed stützte ihrerseits mit 24 Milliarden Dollar (17,5 Milliarden Euro) den Markt. Niemand glaubt mehr, dass die Finanzkrise so harmlos ist, wie viele Banker lange behaupteten.


Bildergalerie Bild für Bild: Wie es zur Subprime-Krise kam


Union Investment, HSBC, Axa, Sal. Oppenheim und Frankfurt Trust sperrten drei Milliarden Euro an Anlegergeldern auf Geldmarktfonds, weil "die Angst vor massiven Verkäufen umgeht", wie es bei Sal. Oppenheim in Köln heißt. Nicht zu Unrecht: Der Parvest Dynamik ABS der französischen Bank BNP Paribas verlor binnen zehn Tagen 6,3 Prozent an Wert – Kurse gibt es seit Anfang vergangener Woche keine mehr. Am Donnerstag schloss BNP schließlich drei Fonds mit milliardenschweren Derivate-Anlagen in den USA.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was das alles mit Versicherungen zu tun hat

Während bei BNP und Frankfurt Trust Privatanleger direkt betroffen sind, versetzen die anderen Fondsschließungen die Versicherungsbranche und andere Großinvestoren wie Banken in Aufruhr. Dabei hat beispielsweise der 800 Millionen Euro schwere Oppenheim-ABS-Fonds, bei dem Lebensversicherer, Pensionskassen und Firmenkunden Geld angelegt haben, kein Problem mit wertlosen US-Hypothekenpapieren. ABS (Asset Backed Securities) sind verbriefte Kreditforderungen. "Die Banken weltweit stellen schlicht keine Kurse mehr für unsere im Fonds liegenden Papiere, verkaufen könnten wir nur mit Abschlägen, obwohl wir nur in Europa angelegt haben", sagt Christof Kessler, Leiter des Rentenfondsmanagements bei Sal. Oppenheim. Kessler sitzt wie viele andere Fondsmanager nicht auf schlechten Papieren, er sitzt in der Liquiditätsfalle, findet keine Käufer. "Wir sind von der US-Krise infiziert, ohne etwas dafür zu können."

Froh sind da Lebensversicherungsmanager wie Rolf Kupitz von der Düsseldorfer Provinzial: "Wir haben Gott sei Dank nicht in ABS investiert." Doch die Finanzaufsicht BaFin ist alarmiert. Aufsichtschef Jochen Sanio schrieb die Versicherer an und fragte, wie hoch deren Engagements im krisengeschüttelten US-Immobilienmarkt seien. Dabei kam heraus, dass 40 Unternehmen "signifikant mehr" in die Risikogeschäfte verwickelt sind, als einem sorglosen Versicherungskunden recht sein kann. Das ist jedes dritte Unternehmen.

Die Versicherungen selbst wiegeln ab – wenn sie sich überhaupt äußern. Die Provinzial zum Beispiel sei mit "weniger als 0,5 Prozent direkt an US-Immobilienpapieren beteiligt", heißt es offiziell aus der Zentrale in Düsseldorf. Ergo (Hamburg-Mannheimer) habe nur "kleinere Bestände" am US-Immobilienmarkt. Die BaFin hakte gezielt bei jenen Versicherern nach, die auffallend stark auf ABS gesetzt haben und bei denen die Risiken für die Renditen der Kunden daher besonders groß sind. Maximal dürfen die Unternehmen 7,5 Prozent der Gelder in solche Konstruktionen stecken. Im Durchschnitt der Branche sind es nur 1,6 Prozent, bei den 40 Wackelkandidaten aber zwischen drei und fünf Prozent.


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Die Sorge der Aufsichtsbeamten ist begründet. Zwar sind "nur ein Teil der ABS-Wertpapiere Immobilienkredite", wie Axel Grosspietsch, Versicherungsanalyst der Ratingagentur Fitch in London erklärt, "der Rest sind Kreditkartenforderungen, Autokredite, alles mögliche". Doch der Verdacht, dass auch faule US-Hypothekenkredite bei den deutschen Lebensversicherungen gelandet sein könnten, liegt nahe. Das Volumen der schlechten US-Hypotheken (Subprime) beläuft sich derzeit auf 1 200 Milliarden Dollar. "Wie viel davon wo genau gelandet ist, weiß niemand, aber die US-Kredite stecken in ABS – und die haben in den letzten drei Jahren nicht nur Hedgefonds, sondern so gut wie alle gekauft", sagt ein Zinspapierhändler in London.

In Zeiten historisch niedriger Zinsen kamen die ABS-Konstrukte den Anlagemanagern gerade recht. Sie halfen, die mickrigen Renditen aufzuhübschen. Nach dem Börsencrash zur Jahrtausendwende mussten die Lebensversicherer ihren Kunden reihenweise Briefe schreiben, in denen sie ihre früheren Auszahlungsprognosen immer weiter absenkten. Für Policen zur Altersvorsorge, die in 20 oder mehr Jahren ausgezahlt werden, gingen die angekündigten Auszahlungsbeträge oft um die Hälfte zurück. Kein Wunder, wenn die Unternehmen ihren verärgerten Kunden keine weiteren Hiobsbotschaften zumuten wollten und händeringend nach einer Lösung suchten.

Kreditderivate kamen da wie gerufen. Denn sie verhießen das Unmögliche: mehr Rendite ohne höheres Risiko. Das Perfide: ABS sind keineswegs als Ramschanleihen gekennzeichnet. "Sie verfügten meist über beste Ratings, AA oder noch höher, brachten aber weit mehr Rendite", sagt Roman Mayer, Versicherungsanalyst der National Bank in Essen. Jetzt aber zeigt sich, dass in den Hochglanzverpackungen solcher Papiere zu oft minderwertiger Mist steckt.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Versicherer sind womöglich indirekt verwickelt

"Viele Versicherer sind nach 2002 dazu übergegangen, ihre Reserven in so genannte Masterfunds zu stecken. Das sind Spezialfonds, die – meist von London aus – die Gelder auf Aktien, Immobilien, Derivate und eben Festverzinsliche und Fonds streuen; darunter können auch Investments in Kreditrisiken sein", erklärt Stefan Hanekopf, Leiter Asset Management der Öffentlichen Versicherung Braunschweig. Nur 30 Prozent dieser Kreditrisiken liegen im Schnitt in Nordamerika, und "nur ein Bruchteil davon sind verbriefte Hypothekenkredite", sagt Hanekopf. Beim einen oder anderen Konkurrenten könne er sich vorstellen, dass der "seine Risiken im Festverzinslichen ein bisschen hochgefahren hat und jetzt verstärkt in ABS-Konstruktionen investiert ist".

Die Antwort der deutschen Versicherungen auf die offizielle BaFin-Anfrage ist nur auf den ersten Blick beruhigend. Knapp die Hälfte der 40 Verdächtigen gab an, keine Direktinvestments in faule US-Kredite getätigt zu haben; bei den anderen gut 20 war es "nicht im signifikanten Bereich", sagt Peter Abrahams von der BaFin.

"Direkte Investments in ABS, und erst recht in MBS, spielen bei den meisten Versicherungen so gut wie keine Rolle", sagt Björn Schütt-Alpen, Sprecher der Geschäftsleitung der Gerling Pensions-Management. Aber das sind nur die direkten Investments. "Ausschließen kann man nicht, dass über Umwege solche Dinge bei dem einen oder anderen Versicherer gelandet sind", räumt Peter Schwark ein, Sprecher des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft, GDV, in Berlin.

"Ich beobachte das mit großer Sorge", sagt der unabhängige Branchenexperte Manfred Poweleit, Er gehe davon aus, dass "erhebliche Teile der festverzinslichen Anlagen der Versicherungen indirekt auch in Produkten wie ABS stecken". Selbst die Versicherer mit behutsamer Anlagepolitik stöhnen. Provinzial-Manager Kupitz: "Schon der normale Zinsanstieg der vergangenen Woche macht uns zu schaffen. Sollten ganz schwere Zeiten an den Märkten anbrechen, hilft auch die beste Risikostreuung wenig."

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Wie das Versiegen der Übernahme-Quellen auch die Versicherer trifft

Haben diese schweren Zeiten schon begonnen? 470 Milliarden Dollar an Krediten für geplante Firmenkäufe liegen auf Eis. Die Kreditforderungen verkaufen die Banken weiter an Hedgefonds beispielsweise, die ihr Geld von Lebensversicherungen und Pensionskassenmanagern bekommen. Doch dieser Kreislauf gerät ins Stocken. Die Anleger scheuen davor zurück, die Kreditpapiere ins Depot zu nehmen, seit die Probleme im US-Immobilienmarkt und mit Hypotheken auch für den Letzten offenkundig sind.

Wenn den Private-Equity-Investoren der Treibstoff für ihre Übernahmen ausgeht, fehlt an der Börse eine wesentliche Triebfeder des Booms der vergangenen Monate. Mehr noch: Das Geschäftsmodell der gesamten Branche könnte ins Wanken geraten. Finanzinvestoren sammelten nicht nur gigantische Summen bei privaten und institutionellen Anlegern ein, denen sie hohe Renditen versprachen. Mit historisch niedrigen Zinsen war es für Blackstone, KKR & Co. einfach und vor allem billig, ihre Kriegskassen mit bis zu 90 Prozent geliehenem Geld aufzublasen. Allein in den ersten sieben Monaten 2007 kündigten Finanzinvestoren und Unternehmen Übernahmen im Gesamtwert von 3 400 Milliarden Dollar an – 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und schon genau so viel wie im gesamten Rekordjahr 2006.


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Bis sich die Situation "beruhigt habe", werde es sehr schwierig sein "eine Transaktion mit mehr als 150 Millionen Euro Akquisitionsfinanzierung durchzuführen", sagt Peter Blumenwitz, Geschäftsführer bei der Private-Equity-Gesellschaft Buchanan Capital Partners. "Die ganze Situation ist ein tiefer Einschnitt, die Zeit der großen Übernahmen von Finanzinvestoren ist zunächst einmal vorbei", bestätigt Peter Laib, Managing Director des Private-Equity-Großinvestors Adveq in Zürich.

Schon im Juli brach die Übernahmewelle in sich zusammen: Finanzinvestoren stemmten nur noch Zukäufe von 83 Milliarden Dollar – 46 Prozent weniger als im Juni. Ängstliche Banken kassierten Kreditzusagen von 60 Milliarden Dollar wieder ein. Rolf Christof Dienst, Vorsitzender der deutschen Kapitalbeteiligungsbranche, stimmt seine Kunden bereits auf sinkende Renditen ein (siehe Interview "Eine gesunde Zäsur"). Dumm für private Anleger, die 2006 mit 2,3 Milliarden Euro so viel Geld wie nie in geschlossene, oft zehn Jahre laufende Finanzinvestorenfonds gesteckt haben. International 400 Milliarden Dollar sammelten Heuschreckenfonds 2006 ein.

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Banker sehen eine "gesunde Korrektur"

Das weltweit bereitgestellte Geld trieb quer durch alle Branchen die Kurse. "Der Kaufhunger der Heuschreckenfonds muss gigantisch sein", lästerte das US-Anlegermagazin "Barron’s" noch vor wenigen Wochen, "wenn selbst ein offensichtlich wertloses Unternehmen wie Chrysler einen Käufer findet." Einen Käufer hat Chrysler nur gefunden, weil Daimler-Chef Dieter Zetsche im Frühjahr das Risiko an die Banken weiterreichte. Die suchen jetzt für Kredite von 50 Milliarden Dollar Abnehmer – finden aber keine (siehe Tabelle Die größten Übernahmen).

Bis vor Monatsfrist reichte das pure Gerücht, Finanzinvestoren interessierten sich für ein Unternehmen, schon schossen die Kurse durch die Decke. "Man musste nicht einmal einen Übernahmekandidaten im Depot haben", sagt der Londoner Asset Manager Albrecht von Witzleben, "meist genügte es, die Aktien von irgendwelchen Konkurrenten zu besitzen. Auch deren Kurse zogen an, sobald sich eine Übernahme ankündigte." Das ist nun vorbei.

Trotz der Probleme üben sich Banker in altbekannten Beschwichtigungsformeln. Es handele sich um eine "gesunde Korrektur", die überfällig gewesen sei – ein Crash sei nicht zu befürchten. "Ausgestanden ist das noch nicht; die nächsten Wochen können noch sehr giftig werden", sagt Klaus Schrüfer, Chefinvestor von SEB, "aber die mittelfristigen Aussichten für die Aktienmärkte sind nach wie vor positiv. Die Weltkonjunktur ist robust, die Unternehmensgewinne steigen von ihren Rekordniveaus sogar noch weiter an – und Aktien sind trotz allem günstig."

Allein – die Anleger glauben den Experten nicht mehr so einfach. "Wir beobachten bei unseren Kunden eine weit größere Unsicherheit als bei den vorangegangenen Korrekturen", sagt Tom Weber, Chefvolkswirt beim Bankhaus Wölbern, "obwohl die Märkte im Durchschnitt mit acht Prozent weniger verloren haben als im Mai und Juni 2006 mit fast 14 Prozent." Roland Ziegler, Leiter Aktienstrategie bei BHF-Trust in Frankfurt, ergänzt: "Die Risikowahrnehmung der Anleger hat sich schlagartig verändert, die Risikofaktoren – der US-Immobilienmarkt, die Gefahr steigender Zinsen und Energiepreise, die Möglichkeit, das Gewinnwachstum der Unternehmen könnte abflachen –, sie sind ja alle nicht neu. Nur sind sie bisher unter dem Deckmantel der vermeintlich endlosen Liquidität ausgeblendet worden. Jetzt rücken sie auf einmal in den Vordergrund."

Lesen Sie weiter auf Seite 6: Viele Unternehmen betroffen

Was passiert an der Börse, wenn den Märkten das Doping des billigen Geldes entzogen wird? "Die Übernahme- und Fusionstätigkeit wird natürlich nicht komplett zum Erliegen kommen", sagt BHF-Stratege Ziegler, "noch haben die Finanzinvestoren genügend Eigenkapital, auch die Unternehmen werden weiter den einen oder anderen Konkurrenten aufkaufen." Vielfach dürften wieder Wettbewerber bei Übernahmen zum Zuge kommen, die noch vor Kurzem von Finanzinvestoren ausgestochen wurden. So kam Continental bei VDO zum Zuge; Henkel dürfte bei ICI Erfolg haben. "Zunächst trifft es an der Börse neben den Finanzwerten jene Aktien und Branchen, die bisher als besonders attraktiv für Übernahmen durch Private-Equity-Fonds galten", sagt Gerald Kichler, Leiter Portfoliomanagement beim Kölner Asset Manager Flossbach & von Storch.

Auch Aktien, deren Unternehmen nach dem Einstieg eines Finanzinvestors hohe Schulden aufgebrummt bekamen, dürften angesichts der steigenden Zinsen überdurchschnittlich leiden. Viele Börsenneulinge der Jahre 2005 bis 2007 stammen aus den Portfolios von Finanzinvestoren; manche, wie Gagfah, VTG, Versatel oder Tognum, wenden schon jetzt erhebliche Teile ihres Gewinns für Zins und Tilgung genau jener Schulden auf, die ihnen beim Kauf in die Bilanz gedrückt wurden. Steigen die Zinsen weiter, dürften einige in die Verlustzone rutschen. "Den Börsen wird in den kommenden Monaten eine Menge Liquidität entzogen", sagt Wölbern-Volkswirt Weber, "denn nicht nur die so genannten Heuschreckenfonds leiden unter den steigenden Zinsen. Sie verteuern auch ganz normale Investitionen der Unternehmen und bremsen so die Umsätze und Gewinne der Zulieferer."


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Die Hoffnung vieler Anleger, die EZB werde die Zinsen senken und damit den Aktienmärkten helfen, hat sich zerschlagen. Im Gegenteil: Zwar beließ EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vergangene Woche den Leitzins in Euroland bei 4,0 Prozent. Aber "ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die EZB die Zinsen im September erhöhen wird", sagte Julian Callow von Barclays Capital Research in London.

Auch in den USA warnte Notenbankchef Ben Bernanke vergangene Woche vor steigender Inflation und trübte damit die Hoffnung, er werde die Märkte mit einer Zinssenkung unterstützen. So eine Hilfe könnten die US-Verbraucher gut gebrauchen. Noch dieses Jahr stehen bei miesen US-Hypothekenkrediten über 500 Milliarden Dollar Verlängerungen an, kommendes Jahr bei weiteren 700 Milliarden. "Da werden viele Amerikaner ihre persönliche Pleite eingestehen müssen", prognostiziert Adveq-Manager Laib.

Diese 1 200 Milliarden sind längst im Finanzsystem versteckt unterwegs – auch irgendwo in einem deutschen Fonds, einer deutschen Lebensversicherung oder in den Altersversorgungskassen der Arbeitnehmer.

Quelle: Wirtschaftswoche


»Lesen Sie hier mehr zum Thema (Alters-)Vorsorge & Versicherung ...


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