Ein Blick in die Bilanz der Allianz offenbart: 2006 hat sich die Zahl der Neubeiträge im Geschäft mit neu abgeschlossenen klassischen Kapitallebensversicherungen schon wieder fast verdoppelt. Und auch vom Gesamtbestand der Branche von 95 Millionen – das sind viermal mehr Policen als Fondssparpläne – lässt es sich ohnehin hervorragend leben. Statistisch gesehen verfügt jeder Deutsche vom Säugling bis zum Greis über 1,3 Lebensversicherungen. Inzwischen zahlen die Versicherer für Neuverträge zwar nur noch einen Garantiezins von 2,25 Prozent auf den Sparanteil einer Lebensversicherung. Das entspricht angesichts der jüngsten Inflationsdaten einer Realverzinsung von unter null Prozent – vor Abschlusskosten, Vertriebsprovision und Risikobeiträgen. Nun geht unter Maklern die Angst um, das Neugeschäft werde gerade durch diese unbequeme Wahrheit durch das Versicherungsvertragsgesetz ab 2008 einen herben Dämpfer bekommen. Denn dann müssen Vermittler alle Abschlusskosten und Provisionen einer Versicherung gegenüber Kunden offenlegen, was besonders für Produkte mit hoher Vertriebsprovision wie den Lebensversicherungen ein harter Schlag ist.
Dass sich an der Popularität dieser Sparform – dreimal mehr Bundesbürger zahlen in Lebensversicherungen als in Investmentfonds ein – auch künftig wenig ändern dürfte, dafür sorgt ausgerechnet der Gesetzgeber. Keine zwei Jahre nachdem er Auszahlungen für Neuabschlüsse von Lebensversicherungen ab 1. Januar 2005 steuerpflichtig gemacht hat, legt er nun die Defibrilatoren an den Dino.
Dank der beschlossenen Abgeltungsteuer sind Versicherungsverträge künftig steuerlich gegenüber klassischen Anlagen privilegiert. Wer mindestens zwölf Jahre einzahlt, erst im Alter von 60 die Summe ausgezahlt bekommt, muss nur die Hälfte des Zugewinns mit dem dann persönlichen Steuersatz versteuern. Das gilt für Einmalanlagen, aber eben auch für Sparpläne. Bei Aktien und Aktienfonds und anderen Direktanlagen will der Fiskus hingegen 25 Prozent Abgeltungsteuer auf Zugewinne einbehalten. Der Gesetzgeber feilt ab Donnerstag nur noch an Nuancen in der Durchführung.
„Eine steuerrechtliche Begünstigung von Lebensversicherungsleistungen ohne sachlichen Grund“ tobt der Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Das Comeback der Lebensversicherung“, titelt das Wirtschaftsmagazin „Capital“.
„2008 können wir als Fondsanbieter bei Einmalanlagen noch mithalten. Ab 2009 läuft das Sparplangeschäft nur über Versicherungsmäntel, und auch bei Einmalanlagen sind Versicherer dann nach Steuern konkurrenzfähig“, orakelt selbst der Vertriebsleiter einer großen deutschen Fondsgesellschaft am Rande der Messe mit Herrn Kaiser. Kein Wunder, dass Fonds- und Versicherungsbranche so eifrig wie nie zuvor an gemeinsamen Lösungen basteln. Versicherer stellen den steuerschonenden Mantel, Fondsgesellschaften renditestärkere Produkte als den Kapitalstock der Versicherer – so sieht das Sparplan-Modell der Zukunft aus, glaubt man den Marketingexperten der Branche.
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