Umweltschützer begrüßen die Nutzung der Stadtgärten, denn dadurch entfällt der Transport des Gemüses vom Land in die Stadt und das reduziert den Ausstoß von Kohlendioxyd. Außerdem werde damit das Wasser, das sonst nur zum Sprengen der Rasenflächen verwendet worden sei, sinnvoll eingesetzt, um Lebensmittel abzubauen. Allerdings stören sich viele Nachbarn an den Vorstadt-Farmen. Der Anblick von Gemüsegärten und der Gestank von Dünger ist nicht das, was sich viele unter einem Leben in einem städtischen Vorort vorstellen. Viele Hausbesitzer haben sich deshalb bereits zusammengeschlossen, um Gemüseanbau in ihren Stadtteilen zu verbieten. Die Nachbarn der Vorstadt-Farmen befürchten, dass der Wert ihrer Immobilien dadurch fällt.
Dennoch findet es eine zunehmende Zahl von Vorstadtbewohnern lukrativ, anstelle von Gras essbares Grünzeug auf ihrem Grundstück wachsen zu lassen. Um eine Mini-Farm mit einer Fläche von einem achtel Acre, gut 500 Quadratmeter, anzulegen, müsse ein künftiger Nebenerwerbsgärtner rund 5 500 Dollar investieren, etwa für ein Kühlhaus oder einen kleinen Marktstand, sagt Roxanne Christensen von der Firma Spin-Farming. Die jährlichen Betriebskosten für Saatgut oder Marktstandgebühren beliefen sich auf etwa 2 000 Dollar. Dafür kann der Mini-Farmer mit dem Gemüseanbau 10 000 bis 20 000 Dollar im Jahr verdienen. Wer Geschick und Talent für die Gärtnerei beweise, könne die Einkünfte auch noch erheblich steigern.
Susan und Greg VanHecke zum Beispiel hatten ursprünglich nur einen kleinen Bereich ihres Gartens als Gemüsebeet angelegt. Sie wollten damit ihre Kinder dazu bringen, mehr Grünzeug zu essen. Doch die Ernte war so gut, dass sie im vergangenen Jahr einem Restaurantbesitzer ihr Gemüse anboten. Bald verkauften VanHeckes ihre Überschüsse wöchentlich an das Restaurant und verdienten damit durchschnittlich 100 Dollar pro Lieferung. Inzwischen hat die Familie alle Blumenbeete in ihrem Garten in Nutzfläche verwandelt, denn sie haben nun einen zweiten Restaurantbesitzer als Kunden gewonnen.
Allerdings geht es den VanHeckes wie vielen Nebenerwerbsfarmern: Sie kämpfen damit, dass ihnen der Zeitaufwand für den Garten über den Kopf wächst. "Mein Mann kam von der Arbeit als Marine-Offizier nach Hause und verbrachte den ganzen Feierabend damit, Blätter abzuschneiden und Salatköpfe zu waschen", sagt Susan VanHecke. Die VanHeckes beschlossen deshalb, vom zeitintensiven Salatanbau auf etwas pflegeleichtere Gemüsesorten wie etwa Tomaten umzusteigen.
Eines verbindet die Vorstadt-Farmer mit ihren hauptberuflichen Kollegen vom Land: Beide leiden darunter, wenn das Wetter nicht mitspielt. Ein Frost zur Unzeit oder ein heftiger Sturm können die gesamte Ernte vernichten. Diese Erfahrung musste auch Kipp Nash machen: Ein Hagelsturm im Sommer 2006 machte seinen ersten Versuch, Gemüse in den Gärten seiner Nachbarschaft anzubauen, zunichte. "Das ist einfach eine Sache, die man nicht in der Hand hat", räumt er ein.
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