Der Generation 50+ bleibt bis zum Ruhestand nur wenig Zeit fürs Sparen. Wie sich das vorhandene Vermögen optimal fürs Alter einsetzen lässt.
Die finanzielle Absicherung des Ruhestands muss gut geplant werden. Foto: Archiv
Mit 50 Jahren sind Fernsehzuschauer tot – zumindest für die Werbeindustrie. Allein der Marktanteil in der werberelevanten Altersgruppe zwischen 20 und 49 Jahren entscheidet. Da können noch so viele Grauhaarige vor dem TV hocken, wenn es an jungen Zuschauern mangelt, wird die Sendung eingestellt. Obwohl die 55- bis 65-Jährigen mit durchschnittlich 58 600 Euro über 3,2-mal mehr Geldvermögen verfügen als die 25- bis 35-Jährigen in Deutschland, spielen sie für die Einschaltquoten keine Rolle.
Wenn sie schon nicht das Fernsehprogramm bestimmen dürfen, so können die so genannten Best Ager zumindest über ihr Erspartes fürs Alter entscheiden. Aufgewachsen in den Wirtschaftswunderjahren Deutschlands, haben die 55- bis 65-Jährigen pro Kopf ein beträchtliches Vermögen angehäuft. Ein Großteil davon steckt in Immobilien (153 000 Euro), Lebensversicherungen (22 200 Euro) sowie Wertpapierdepots, Sparguthaben und Girokonten (34 000 Euro).
>>> Fortlaufend erweitert: Die besten Fonds zum Durchklicken
Wo Geld ist, ist auch die Verlockung groß, es auch auszugeben – ohne lange nachzudenken. Schließlich hat man mehr als 30 Jahre für seinen Wohlstand geschuftet. Nur: Wie lange wird es reichen, wenn man noch 20, 25 oder mehr Jahre vor sich hat? Ohne Vorsorgeplanung hält nur die gesetzliche Rente lebenslang – und die ist schon längst kein sanftes Ruhekissen mehr.
Rentner, die in fünf Jahren in den Ruhestand gehen, können laut Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung nur noch mit 48,6 Prozent ihres Bruttoeinkommens rechnen. Weitere fünf Jahre später, also 2017, werden es nur noch 47,0 Prozent sein. Die Quoten gelten aber nur für den so genannten Standardrentner mit Durchschnittseinkommen und 45 Beitragsjahren. Mit den realen Erwerbsbiografien hat das wenig zu tun. Schon von 2012 an steigt das Rentenalter sukzessive bis 2029 auf 67 Jahre. Wer früher gehen will, büßt bis zu 14,4 Prozent seiner Rente ein.
Wer glaubt, er könne diesen Aderlass verkraften, weil im Alter weniger Geld notwendig sei, der irrt. Allein wegen der steigenden Gesundheitskosten wird der Finanzbedarf gegenüber dem Berufsleben kaum abnehmen. Das gilt vor allem für gut verdienende Arbeitnehmer und Selbstständige, die privat krankenversichert sind. So zahlt ein 65-Jähriger nicht selten eine doppelt so hohe Prämie wie ein 35-Jähriger. Zudem wachsen die Kosten für Pflege. So kassiert die gesetzliche Pflegeversicherung von 2008 an von Rentnern einen um 0,25 Prozentpunkte höheren Beitrag. Auch die Prämien der privaten Pflegeversicherungen sind in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen.
Da wäre es fahrlässig, den Finanzbedarf im Alter zu unterschätzen. Experten wie die Düsseldorfer Finanzberaterin Bärbel Amels raten, die Alterseinkünfte, gemessen am letzten Nettoeinkommen, nicht niedriger als 100 Prozent anzusetzen. "Es ließe sich auch mit weniger planen, aber wer will schon, wenn er gesundheitlich fit ist und ausreichend Zeit hat, seinen Lebensabend nur vor dem Fernseher verbringen."
Da Deutschlands Best Ager meist schon über Vermögen verfügen, werden sie ihre Freizeit als Rentner nicht vor der Glotze fristen müssen – wenn sie ihre Vorsorge intelligent managen.
Lassen Sie sich die wichtigsten Anleger-Themen
der Woche per Mail zuschicken!
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie die Planung aussehen kann
Wer seine Alterseinkünfte mit einer privaten Rente aufbessern will, sollte zunächst einen Kassensturz machen. Erspartes ist dabei nach liquiden und illiquiden Vermögensarten zu trennen. Liquide sind beispielsweise Wertpapierdepots, schwer flüssigzumachen Immobilien. Bei Lebens- und Rentenversicherungen hängt die Verfügbarkeit von der Vertragslaufzeit ab. Idealerweise werden die Policen fällig, wenn der Versicherte in den Ruhestand gehen will.
Wird eine Kapitallebensversicherung schon zum 60. Lebensjahr fällig, der Kunde will aber noch fünf Jahre weiter arbeiten, dann muss er sich überlegen, wie er dieses Geld plus alle übrigen liquiden Mittel zwischenparkt, um es später in eine zusätzliche Rente zu wandeln. "Bei einem Anlagehorizont von fünf Jahren sollten Anleger kein zu großes Risiko mehr eingehen", sagt Lutz Overlack, Geschäftsführer der Anlageberatung Fund Market in Düsseldorf. Er rät dann zu Anleihen oder Festgeldkonten.
Bei einem Anlagehorizont von fünf bis zehn Jahren bieten sich auch Mischfonds an, die 25 bis 50 Prozent in Aktien und den Rest in Anleihen investieren (siehe Tabelle: Wette auf ein langes Leben, dazu die Beispielrechnung am Ende dieses Artikels). Angesichts der derzeitigen Zinsentwicklung sind reine Rentenfonds nicht die erste Wahl, weil sie kaum mehr einbringen als ein Tages- oder Festgeldkonto.
Erst wenn zehn oder mehr Jahre bis zum Renteneintritt zur Verfügung stehen, macht es Sinn, über Aktienfonds nachzudenken, weil sonst die Gefahr zu groß ist, dass der Anleger in einer für ihn ungünstigen Börsenphase ein- und aussteigt. Gänzlich ungeeignet zum Zwischenparken sind Lebensversicherungen, weil sie den Anleger an einen bestimmten Termin binden und Laufzeiten von weniger als zwölf Jahren steuerlich keinen Sinn machen. Zudem ist der Steuervorteil von Policen mit Einmalauszahlung seit Januar 2005 stark geschrumpft.
Wie Sie mit Zertifikaten höhere Renditen erwirtschaften,
lesen Sie alle 14 Tage im Zertifikate-Newsletter von Handelsblatt.com.
» Hier geht's zur Anmeldung.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wie das Ersparte den Lebensabend finanziert
Der künftige Rentner hat sein Vermögen gut durch die Wartezeit bis zum Eintritt in den Ruhestand gebracht, nun stellt sich für ihn die Frage: Wie mache ich aus meinem Ersparten ein ausreichend hohes Zubrot für den Lebensabend? Grundsätzlich stehen ihm dabei zwei verschiedene Modelle zur Verfügung: die Privatrente über eine Versicherung oder ein Entnahmeplan auf Fondsbasis.
Wer unmittelbar vor dem Ruhestand steht, zahlt bei einer Rentenpolice, nicht wie im Berufsleben Monat für Monat in kleinen Raten, sondern einen größeren Betrag auf einen Schlag ein. Im Branchenjargon heißt das Produkt daher auch Sofortrente. Dieses Modell erlebt derzeit einen Boom. So stieg die Zahl der neu verkauften fondsgebundenen Rentenversicherungen gegen Einmalbetrag nach Angaben des Branchenverbandes GDV im vergangenen Jahr um 282 Prozent.
»Fundinfo.com: Hier können Sie 20.000 Fondsdokumente von mehr als 200 Anbietern kostenlos abrufen!
Vorteil der Rentenversicherung ist, dass sie lebenslange Zahlungen garantiert. Egal, wie alt der Ruheständler wird, die Rente ist sicher. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, der sollte allerdings die klassische Rentenpolice ohne Fonds bevorzugen, weil sie zumindest eine Verzinsung garantiert, die in etwa den Wertverlust durch die Inflation ausgleicht. Derzeit liegt der Garantiezins bei 2,25 Prozent.
Gegen die Rentenpolice spricht, dass der Versicherte bis zu seinem Lebensende an den Vertrag gekettet ist und nicht mehr an sein Kapital herankommt. Zudem gehen seine Erben nach Ablauf einer vertraglich vereinbarten Rentengarantiezeit leer aus. Das restliche Geld fließt zurück in den allgemeinen Anlagetopf der Lebensversicherung.
Der Entnahmeplan investiert dagegen das eingezahlte Kapital in Investmentfonds. Für den Anleger und seine potenziellen Erben ist das Guthaben des Fondsdepots jederzeit verfügbar. Monat für Monat entnimmt die Bank einen vorher festgelegten Betrag aus dem Depot. Dabei kann sie nach zwei verschiedenen Methoden vorgehen. Bei Kapitalerhalt schüttet der Entnahmeplan lediglich die Erträge aus, bei Kapitalverzehr wird das Guthaben komplett verrentet.
| VERGLEICHSRECHNER | mehr |
| Nutzen Sie hier unseren kostenlosen und unabhängigen Service: Wer bietet Ihnen aktuell die besten Zinsen und Konditionen? |
![]() |
Lesen Sie weiter auf Seite 4: Für wen welche Variante sinnvoll ist
Für den durchschnittlich vermögenden Anleger macht in der Regel nur die zweite Variante Sinn, weil ansonsten die Rente nicht mehr als ein Taschengeld wäre. Der Kapitalverzehr birgt allerdings die Gefahr, dass das Guthaben aufgebraucht ist, bevor der Anleger stirbt. Wann kein Geld mehr da ist, hängt nicht zuletzt von der Verzinsung des Depots ab. Je höher die Rendite, desto länger fließt die Privatrente.
Um böse Überraschungen zu vermeiden, werden Entnahmepläne meist mit festen Laufzeiten vereinbart. Dann allerdings ist die Rentenhöhe variabel, weil sich die Fondsrendite nur abschätzen, aber nicht garantieren lässt. Zudem schützt die feste Laufzeit den Anleger nicht davor, sein Fondsguthaben zu überleben.
Welches Modell ist nun besser für den finanziell sorgenfreien Ruhestand geeignet, private Rentenversicherung oder Entnahmeplan? Um dieser Frage nachzugehen, hat Tom Friess, Chef des Vermögenszentrums in München, eine typische Vorsorgesituation durchgerechnet (siehe Tabelle: Wette auf ein langes Leben): Eine 65-jährige Frau will ihre ersparten 250 000 Euro verrenten. Sowohl bei der Rentenpolice als auch beim Entnahmeplan wird eine monatliche Rente nach Steuern von 1171 Euro unterstellt.
Lesen Sie weiter auf Seite 5: Die wichtigsten Ergebnisse
Die wichtigsten Ergebnisse:
- Die Rentenversicherung macht nur Sinn für Rentner, die überdurchschnittlich gesund sind. Bei einer Rendite von 3,5 Prozent für das Fondsdepot, hat die Anlegerin in der Beispielrechnung mit der Rentenversicherung erst ab dem 88. Lebensjahr einen finanziellen Vorteil, weil das Fondsguthaben mit 87 aufgebraucht ist. Tipp: Wer sich dennoch für eine Police entscheidet, kann seine Rendite erhöhen, wenn er mangels Erben auf eine Rentengarantiezeit verzichtet. Die Versicherung zahlt dann mehr aus, weil sie ohne Hinterbliebenenschutz weniger vom Ersparten abziehen muss.
» Welcher Investmentfonds ist für Ihren individuellen Anlagebedarf der beste? Nutzen Sie kostenlos das interaktive Fondstool.
- Damit sich aus einem Entnahmeplan auch eine langfristig verlässliche Rente generieren lässt, ist die Auswahl renditestarker Investmentfonds unerlässlich, anderenfalls droht dem Ruheständler auf seine letzten Jahre ein ziemlich karges Dasein.
Fondsexperte Overlack hält vor allem international investierende Aktienfonds, die bevorzugt auf Substanzwerte setzen, und flexible Mischfonds für einen Entnahmeplan geeignet. Selbst nach dieser Einschränkung bleiben aus dem großen Fondsangebot noch mehrere Hundert Portfolios übrig. Folgende Kriterien erleichtern dem Anleger, die Perlen herauszufiltern: n Rendite: Der Fonds sollte mindestens fünf Jahre auf dem Markt sein. Nur so lässt sich nachvollziehen, ob der Fondsmanager sowohl in Hoch- als auch in Krisenzeiten das Geld der Anleger gut verwaltet. Wichtiger als ein einzelnes Spitzenergebnis, ist die Konstanz, mit der sich der Fonds im oberen Leistungsviertel hält.
- Risiko: Die Schwankungsbreite sollte, gemessen am Durchschnitt der Fondskategorie, niedrig sein, weil sich so zwischenzeitliche Verluste schneller wieder ausbügeln lassen.
- Anlagepolitik: Aktienfonds sollten weltweit oder zumindest europaweit anlegen, um das regionale Marktrisiko breit zu streuen. Für Rentenfonds gilt das Gleiche, wobei der Schwerpunkt bei Euro-Anleihen liegen sollte, um Währungsrisiken aus dem Weg zu gehen. Mischportfolios sollten sich nicht stur an die Formel 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen halten, sondern je nach Marktlage das Schwergewicht verlagern.
Lesen Sie weiter auf Seite 6: Entnahmemodelle
Gute Fonds alleine sichern allerdings noch keinen funktionierenden Entnahmeplan. Schließlich bleibt immer noch das Problem, dass sich bei Vertragsabschluss nicht abschätzen lässt, wie lange der Anleger seinen Ruhestand genießen kann. Tom Friess schlägt daher ein zweistufiges Entnahmemodell vor. Zunächst fließen lediglich 40 bis 50 Prozent in einen ersten Auszahlplan, vorzugsweise über zehn Jahre. "Der Rest wird zum Großteil in Aktienfonds angelegt und wächst mit den Erträgen weiter an", sagt Friess.
Sind die zehn Jahre um, könnte die dann 75-jährige Anlegerin aus der Beispielrechnung einen zweiten Entnahmeplan über 10 oder 15 Jahre starten. Um ganz sicherzugehen, bliebe ihr noch die Option, 20 bis 25 Prozent des nach dem ersten Auszahlplan verbliebenen Kapitals als eiserne Reserve zurückzulegen. Mit 85 oder 90 bliebe ihr noch ein Notgroschen für die dritte Entnahmerunde oder für die Erben ein zusätzliches Bonbon.
Lesen Sie weiter auf Seite 7: Beispielrechnung zur Tabelle "Wette auf ein langes Leben"
Wette auf ein langes Leben
Private Rentenversicherung und Entnahmeplan mit Investmentfonds im Vergleich
Beispielrechnung:
Eine 65-Jährige hat 250 000 Euro zur Verfügung, die sie für ihre Rente nutzen will. Sie kann zwischen einer privaten Rentenversicherung und einem Entnahmeplan (Fondsdepot) wählen. Die Rendite der Rentenversicherung entspricht dem Durchschnitt der zehn besten Anbieter, die des Fondsdepots liegt je nach Szenario bei 3,5, 4,5 oder 5,5 Prozent. Bei der Rentenversicherung liegt der Steuersatz bei 35 Prozent auf 18 Prozent des Ertraganteils, bei der Fondsrente sind es 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag, also 26,4 Prozent. Beide Modelle gehen aus von 1 171 Euro monatlicher Rente nach Steuern (Rentenversicherung inklusive nicht garantierter Überschüsse).
Nur in den ersten zehn Jahren haben die Hinterbliebenen Ansprüche aus der Rentenversicherung, falls der Versicherte frühzeitig stirbt. Die Rente aus der Versicherung fließt lebenslang, die aus dem Fondsdepot dagegen nur so lange, wie das Depotguthaben reicht. Beispiel: Verzinst sich das Fondsdepot mit 3,5 Prozent pro Jahr, ist das Guthaben im 87. Lebensjahr aufgebraucht, es fließt danach keine Privatrente mehr. Bei einer Fondsrendite von 5,5 Prozent wäre mit 93 Schluss. Wie hoch der finanzielle Vor- oder Nachteil des Entnahmeplans gegenüber der Rentenversicherung ist, zeigt der Vergleich unten.
Das Fazit: Die Leibrente lohnt sich für rüstige Rentner, die keine Kinder haben. Wer flexibel bleiben möchte, ist mit dem Entnahmeplan besser bedient.
| VERGLEICHSRECHNER | mehr |
| Nutzen Sie hier unseren kostenlosen und unabhängigen Service: Wer bietet Ihnen aktuell die besten Zinsen und Konditionen? |
![]() |

