27 Bewertungen ***
27.08.2008 
Riester-Rente

Kosten zehren Riester-Rendite auf

von Thomas Schmitt

Viele Jahre lief die staatlich geförderte Riester-Rente schlecht. Erst 2005 bekam diese Form der privaten Altersvorsorge einen Schub, weil Vermittler deutlich mehr daran verdienen. Was Vertreter freut, ärgert Kunden. Die Kosten fressen sogar oftmals die Förderung auf. Folge: Viele Verträge rechnen sich nicht.

In Sachen Altersvorsorge hat guter Rat in den meisten Fällen seinen Preis. Foto: dpa Lupe

In Sachen Altersvorsorge hat guter Rat in den meisten Fällen seinen Preis. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Ein Beispiel der Verbraucherzentrale Stuttgart: Eine 28 Jahre alte Frau zahlt den Höchstbeitrag. Das sind 2 100 Euro pro Jahr bis zu ihrem 64. Lebensjahr. Ihr Vertreter bietet ihr eine fondsgebundene Rentenversicherung an. Bei einer Rendite von fünf Prozent zahlt die Sparerin bis zur Rente Kosten von 40 320 Euro.

Außerdem entgehen ihr Kapitalerträge von 38 000 Euro, da die Kosten von der Prämie abgezweigt werden und den effektiv angelegten Betrag mindern. Auf der anderen Seite erhält die Vorsorgesparerin Zulagen und Steuervorteile von etwa 23 000 Euro. Das Ergebnis bleibt jedoch katastrophal: Die Kosten schmälern ihr Kapital bei Rentenbeginn von 200 000 auf 121 680 Euro. "Die Rente wäre ohne Kosten über die Hälfte höher", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale. Sein Fazit: "Viele Riesterverträge sind zu teuer."

Dies ist in der Branche bekannt. "Es gibt günstige und teure Verträge", bestätigt Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge. Der Grund: "Beratung kostet Geld." Das war schon immer so, doch erst seit 2005 lohnt es sich für Versicherungs- und Fondsvertriebe, Riester-Renten zu verkaufen. Inzwischen besitzen elf Millionen Deutsche einen Vertrag, und der Trend zeigt nach oben. 2006 wurden mehr als 2,4 Millionen Riesterverträge abgeschlossen, 2007 sogar 2,7 Millionen.

Fonds holen auf: Abschlüsse von Riester-Verträgen

Grundsätzlich ist das eine gute Idee, weil Sparer über die Riester-Rente Zulagen und steuerliche Vorteile ergattern können. Das erkennen viele aber erst, seit Vermittler mit dieser Botschaft auf Kundenfang gehen. Denn viele Deutsche verdrängen, dass sie nach ihrem Berufsleben ihren gewohnten Lebensstandard im Alter nicht halten können. Nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) legt die Hälfte der Haushalte, deren Hauptverdiener zwischen 1959 und 1973 geboren wurde, nicht genug für das Alter zurück. Wer mit 65 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheidet, hat nach Berechungen des IW 26 000 Euro zu wenig gespart, um den Ruhestand sorgenfrei zu genießen zu können.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Zuletzt besucht / gesucht

Anzeige

weiter Thema:

weiterAnlegerakademie

Genug Geld für das Leben im Alter  Artikel in Merkliste

09.11.2008Die gesetzliche Rente allein reicht nicht mehr aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter aufrechtzuerhalten. Eine zusätzliche private Vericherung kann vor der sogenannten "Rentenlücke" schützen. Foto: dpa

Die Deutschen werden immer älter. An sich ist das eine gute Nachricht. Wir essen ausgewogener und arbeiten heute weniger als früher –zumindest körperlich. Das schont Gelenke und Glieder. Laut Statistischem Bundesamt hat ein neugeborenes Mädchen eine Lebenserwartung von gut 81 Jahren; ein Junge wird im Schnitt 76 Jahre alt werden. Das lange Leben der heutigen Generation hat allerdings einen Haken: Wer lange lebt, braucht eine Menge Geld. Artikel


Anzeige