Wer sich in diese Einbahnstraße manövriert hat, dem hilft auch Helmut Müller nicht mehr raus. Der neutrale Ombudsmann der Privatversicherten, zuvor Chef der deutschen Versicherungsaufsicht, handelt für Kunden in Streitfällen Kompromisse aus. Dabei schießt er nicht scharf, sondern gibt Versicherungen unverbindliche Empfehlungen. Immerhin macht er auch gute Erfahrungen: "Seit ich mich direkt an die Vorstände wende, steigt die Kompromissbereitschaft."
Mit mehr als 4 000 Fällen rechnet er für dieses Jahr. Rund 80 Prozent der zulässigen Beschwerden drehen sich um Krankheitskosten, je knapp zehn Prozent um Zusatzversicherungen, ein Prozent um Ärger mit der Pflegeversicherung. Am häufigsten wird auch hier über die medizinische Notwendigkeit gestritten, gefolgt von Gebühren. Anlass bietet das ganze Leben: Es beginnt beim Bereitschaftsdienst einer Hebamme und endet beim Zahnersatz.
Kein Thema für den Ombudsmann sind Beitragssteigerungen. Die Tarife hält der ehemalige Versicherungsaufseher für wasserdicht kalkuliert. Deshalb zahlen die Privatversicherten aber trotzdem nicht lieber. Steigerungen von mehr als zehn Prozent im Jahr sind nicht selten. Thomas Rudnik vom Bund der Versicherten hat damit täglich zu tun: "Fünf bis zehn Prozent pro Jahr sind Durchschnitt. Ich bearbeite soeben den Fall eines Mitte 50-Jährigen, dessen Tarif mit 2 600 Euro Selbstbehalt 2007 schon um 30 Prozent und 2008 noch mal um 35 Prozent erhöht wurde." Selbst der PKV-Verband weist statistische Beitragserhöhungen von bis zu 20 Prozent pro Jahr aus.
Das muss aber nicht sein, sagt Jörg Bork, Vorstand der R+V Krankenversicherung, die in der aktuellen Branchenanalyse des "map-Report" als beitragsstabilster Privatversicherer abschnitt. Zum 1. Januar 2008 erhöhte sie im Schnitt um 1,4 Prozent. Bork: "Wenn wir einen neuen Tarif auf den Markt bringen, kalkulieren wir ihn auskömmlich, statt ihn zwecks Kundengewinn knapp anzusetzen und drei Jahre später um 20 Prozent erhöhen zu müssen."
Versicherte können sich die Tarifkalkulation ihres Unternehmens vorlegen lassen und womöglich dagegen zu Felde ziehen (siehe "Aktuelle Entscheidungen für Privatpatienten") – die Aussichten sind schlecht. An den zu erwartenden Aufschlägen durch Basistarif und Altersrückstellungen dürften auch Richter nichts beklagen, so sie sauber kalkuliert sind.
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