R+V-Vorstand Jörg Bork spricht von einem "Softwarekrieg": Ärzte plusterten ihre Honorare mit Computerhilfe auf, Versicherungen dampften diese anschließend wieder ein. Zwischen die Fronten geraten die Patienten. Schließlich sind allein sie die Vertragspartner des Arztes oder Krankenhauses. Problem seien, sagen die Versicherer, nicht illegale Abzocker, sondern Ärzte, die die Grenzen des Legalen touchierten, oft um Streichungen der gesetzlichen Kassen zu kompensieren. Gernot Winzer, Leiter Leistungsservice bei der Central Krankenversicherung: "Sowohl die Gebührenordnung für Ärzte als auch die für Zahnärzte sind veraltet, bei der Abwicklung moderner Therapien besteht zu viel Spielraum."
Das fällt auch bei Krankenhausbehandlungen auf: "So wird bei der Operation eines inneren Organs gerne die Öffnung der Bauchdecke extra in Rechnung gestellt, die ist in der Gesamtrechnung natürlich enthalten." 75 Prozent aller stationären Abrechnungen seien formal falsch, so Winzer.
Sinnvoll: Grundsätzlich Rechnungen nicht sofort zahlen, sondern sie zunächst bei der Versicherung auf Plausibilität checken lassen. Der Patient hat meist ein Zahlungsziel von 30 Tagen; viele Versicherungen versprechen den Check binnen fünf Tagen. So können Fragen geklärt werden, bevor das Geld überwiesen ist.
"Kreative Ärzte" sind offenbar ein heißes Eisen: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wollte auf Anfrage der Wirtschaftswoche dazu keine Stellung beziehen. Die Bundesärztekammer geben Kontra: "Tatsache ist, dass der überwiegende Anteil der Rechnungen korrekt erstellt wird. Auseinandersetzungen sind für alle Beteiligten unangenehm." Es sei wünschenswert, wenn auf allen Seiten der sachliche Umgang mit Rückfragen und Reklamationen zunähme, die Menge der Anfragen aber insgesamt abnähme. Wohl wahr.
»Lesen Sie hier mehr zum Thema (Alters-)Vorsorge & Versicherung ...
