Lohnt es sich für Pflichtversicherte, innerhalb der GKV zu wechseln?
Nein, dort lockt nur ein kurzes Glück. Wo der Beitragssatz ab Januar liegen wird, ist noch unklar – 15 Prozent und ein Schnaps drauf. Das entscheidet nicht der Markt oder die Wirtschaftlichkeit, sondern allein die weise Bundesregierung. Aber immerhin zum Nutzen aller, meint Gesundheitsministerin Schmidt: "Der Fonds führt zu mehr Gerechtigkeit, weil die gesamten Einnahmen der Kassen umverteilt werden. Er führt zu Transparenz, weil jeder Versicherte sieht, wie gut seine Kasse wirklich ist. Er führt zu Wettbewerb." So weit die Politikerin.
Beiträge:> "Mehr Gerechtigkeit" bedeutet offenbar wieder einmal, dass die meisten mehr zahlen werden. Knapp 85 Prozent der 77 befragten Kassenvorstände rechnen laut einer Studie der Berater von PricewaterhouseCoopers nicht damit, dass der vermutliche 15,3-Prozent-Beitrag in den Einheitsfonds die Finanzierung des Systems auf Dauer sichern wird. Nur sechs Prozent der Vorstände erwarten Senkungen. Ulla Schmidt mag das nicht glauben. Sie kontert: "Bei den großen Kassen – AOK, Barmer, Techniker – werden die Beiträge eher gesenkt."
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Eines steht aber längst fest: Wer bisher unter 15,3 Prozent zahlt, bekommt zum 1. Januar eine Betragserhöhung serviert. So trifft es Innungskrankenkassen mit jetzt unter 13 Prozent (zum Beispiel IKK BIG, IKK Südwest Direkt), viele Betriebskrankenkassen (zum Beispiel BKK RWE, BKK Miele, BKK Dürkopp Adler) oder große Kassen wie die Techniker oder die AOK Westfalen-Lippe (je 13,8 Prozent).
Leistungen:> Die sind in allen gesetzlichen Kassen von Gesetzes wegen gleich. Gleich abgespeckt. "In absehbarer Zeit werden die Kassen nicht mehr mit allen Ärzten, Krankenhäusern und Pharmaherstellern zusammenarbeiten", prognostiziert Ralf Sjuts, Chef der Deutschen BKK. Sein Argument: "Nicht alle Anbieter halten unsere Qualitätsstandards ein. Das schadet der Versorgung unserer Mitglieder." Stimmt. Aber die Restriktion nutzt auch der Finanzlage der Kassen, denn die hoffen auf günstige Gruppentarife mit den Versorgern und wollen zusätzlich falsche Therapien samt Folgekosten vermeiden.
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Konsequenz: Kunden, die zum Beispiel auf einen von ihrer GKV nicht mehr akzeptierten Arzt schwören, können sich von diesem mit einem normalen Tarif nicht mehr behandeln lassen. Sie müssten dann mit einem Wahltarif aufrüsten (siehe Artikel: "Die Tücken der Wahltarife"). Wer mehr zahlt, hat mehr Auswahl. Das ist der Trend. Die Politik will es so.
Den möglichen Kunden-Aderlass durch den geschätzten 15,3-Prozent-Beitrag ab Januar vor Augen, agieren die ersten Kassen schon. Die einen werben für ihre Zusatz- und Wahltarife, die anderen ködern mit unseriösen Tricks. Wer bei der IKK direkt anruft und fragt, wie denn sein Beitrag ab 2009 aussehen wird, hört: "Alles kein Problem, wir zahlen Ihnen 50 Euro im Monat zurück." Die Berater dort müssen eine Kristallkugel haben, weiß doch heute noch niemand, mit welchen Versichertenbeiträgen die Kasse ab Januar eigentlich wirtschaften muss. Seriöser ist die Techniker Krankenkasse. Sie antwortet schlicht: "Dazu können wir noch nichts sagen, das wüssten wir selbst gerne."
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Was viele von der Werbung neugierig Gewordene nicht ahnen: Wer sich schon mit einer Zusatzversicherung über seine Kasse Zahnimplantat und Zweibettzimmer gesichert hat, darf die Kasse ab Vertragsbeginn drei Jahre lang gar nicht wechseln. Das sollte sich auch überlegen, wer jetzt eine Zusatzversicherung abschließen will (mehr dazu im Artikel: "Mit Zusatzversicherungen aufrüsten").
Erst auf den zweiten Blick erschließt sich eine weitere – ebenfalls politisch gewollte – Nebenwirkung des Gesundheitsfonds: "40 Prozent der Kassen planen unter dem Druck der Wirtschaftlichkeit Zusammenschlüsse", sagt Holger Steuermann von PricewaterhouseCoopers. 15 Fusionen wurden bereits zum Januar gemeldet, die meisten unter Betriebskrankenkassen (BKK). "Vor allem auf ihnen lastet ein hoher Druck, viele sind schlicht zu klein. Für ihre Kunden müssen aber die Zusammenschlüsse kein Nachteil sein."
