Eine wachsende Zahl der Ruheständler will ihre Zweitimmobilie dagegen zumindest zeitweise auch selbst nutzen. Gründe gibt es viele: Einige wollen näher bei ihren erwachsenen Kindern und den Enkeln wohnen, andere kehren nach Jahrzehnten in die Regionen ihrer Kindheit zurück. Oft locken auch die niedrigen Lebenshaltungskosten in ländlicheren Gebieten von Niedersachsen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt.
Mehr als 20 000 Menschen zogen allein im vergangenen Jahr nach Sachsen, schätzen Experten. Und die größeren Städte dort heizen eifrig die Nachfrage an, zum Beispiel mit Werbeaktionen wie "Leipzig - Gegen Mangel im Alter" und mit Schnupper-Bustouren zum Schnäppchenpreis. Denn die Ruheständler sind gut für die Bevölkerungsstatistik, sie fordern keine Arbeits- oder Kindergartenplätze und bringen stattdessen jede Menge Kaufkraft mit ins Land.
Michael Schick beobachtet zudem bei selbstgenutzten Zweitimmobilien einen Trend in die Kulturstädte Berlin, Hamburg und München: "Die kulturinteressierten Pensionäre, die ohnehin ein paarmal pro Jahr für Theater und Ausstellungen in die Großstädte reisen, kaufen sich jetzt des Öfteren eine Zwei- oder Dreizimmerwohnung, statt jedesmal ein Hotelzimmer zu buchen. Und irgendwann einmal werden diese Immobilien dann an die Kinder weitergegeben."
Eine Reihe von Ruheständlern erfüllt sich dann gleich auch noch einen Lebenstraum: mit einer Wohnung an der französischen Côte d?Azur oder einer Finca auf Mallorca zum Beispiel. Experten warnen allerdings davor, bei einem Umzug ins Ausland den deutschen Erstwohnsitz ganz aufzugeben. Insbesondere angesichts der Krankenversicherung, Rentenansprüche und Erbschaftsteuer sollten sich die Auswanderungswilligen ausführlich beraten lassen, bevor sie ihre Zelte in Deutschland für immer abbrechen.
Ganz gleich, wo sich die Investoren umschauen: Die meisten sind letztlich erstaunt, dass bei ihrem Budget tatsächlich eine Zweitimmobilie drin ist, sagen Makler. "Viele Anleger können es sich leisten und wissen das gar nicht, bis sie sich einmal die Kosten durchrechnen lassen", sagt Albrecht Spindler, Vorstandssprecher der Compact Wohn- und Industriebau (CWI). "Wer mehr verdient als 1 800 Euro netto im Monat, der kann sich auch eine Immobilie zur Altersvorsorge anschaffen." Auch Jürgen Kriegisch rät den Anlegern zu einem unverbindlichen Finanzierungsplan, besonders für den Fall dass die Investoren später selbst einziehen möchten: "Da die Miete wegfällt, bleibt dann oft sogar mehr in der Kasse als vorher."
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