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12.07.2007 
Altersvorsorge

Pensionsfonds im Kommen

von Anke Rezmer

Saint Gobain setzt einen Meilenstein in der betrieblichen Altersvorsorge. Der französische Baustoff- und Glashersteller hat als erstes Unternehmen ein größeres Vermögen in einen so genannten Gruppen-Pensionsfonds gepackt. Die Franzosen dürften der zunächst schwachen Nachfrage nach den Fonds Schwung verleihen.

Membrane-Prüfung bei Saint-Gobain in Willich.  Das Unternehmen treibt die betriebliche Altersvorsorge seiner Mitarbeiter voran. Foto: Saint Gobain

Membrane-Prüfung bei Saint-Gobain in Willich. Das Unternehmen treibt die betriebliche Altersvorsorge seiner Mitarbeiter voran. Foto: Saint Gobain

FRANKFURT. 518 Mill. Euro fließen der Deutschen Pensionsfonds AG (DPAG), der Deutschen Asset Management (DeAM) und der Zürich Versicherung zu. Saint Gobain sorgt mit dem Anlagevermögen für die betriebliche Altersvorsorge von 11 500 Betriebsrentnern und für bestehende Ansprüche von 2 400 ehemaligen Mitarbeitern.

Für Saint Gobain mache die Summe rund die Hälfte seiner Pensionsverpflichtungen in Deutschland für seine 52 Tochterfirmen aus, sagte Edouard Koeune, Finanzdirektor für Saint Gobain Deutschland, dem Handelsblatt. Für den jungen Markt der firmenübergreifenden Pensionsfonds machen die 518 Mill. Euro aber aktuell fast drei Viertel des Marktvolumens von insgesamt 725 Mill. Euro aus, wie die Unternehmensberatung Towers Perrin (TP) kürzlich in einer Studie ermittelte.

Bis 2009 soll sich das Kapital vervielfachen. Die Zahl der Anbieter von Pensionsfonds, die Pensionsgelder für mehrere Firmen managen, werde um ein Drittel auf rund 30 steigen, schätzt Jürgen Helfen, Partner bei TP. Vor allem mittelständische Firmen dürften ihr Pensionsvermögen von solchen Gruppen-Pensionsfonds verwalten lassen. Große Unternehmen legten hingegen eher eigene Fonds auf. Bislang gibt es davon gerade einmal drei im Land, weitere zehn erwartet TP bis 2009.

Der Pensionsfonds löst sich damit langsam von seinem Nischendasein in Deutschland. Hintergrund: Seit 2006 gelten mit dem novellierten Versicherungsaufsichtsgesetz bessere Bedingungen für diese Möglichkeit der betrieblichen Altersvorsorge. Seitdem müssen die Anbieter von Pensionsfonds ihre Leistungszusagen nicht mehr mit Versicherungen unterlegen, was sie freier in der Kalkulation und der Geldanlage macht. Diese neuen Pensionsfonds weckten das besondere Interesse von Unternehmen, sagt Helfen. Grund: Anbieter zinsen künftige Rentenzahlungen nicht mit dem konservativen Zins der Versicherer von aktuell 2,25 Prozent ab, sondern rechnen mit einem nach internationalen Bilanzierungsregeln geltenden Kapitalmarktzins von aktuell 4,5 Prozent. Das senkt die Einzahlungen der Unternehmen in einen Pensionsfonds laut TP um rund 30 Prozent.

Für Pensionsfonds sprechen noch weitere Argumente: Durch die Übertragung von Pensionszusagen auf die Fonds entlasten Firmen ihre Bilanzen, machen Pensionsrisiken kalkulierbar und erhalten Steuervorteile gegenüber anderen Modellen. „Unser Ziel war es, den Pensionsaufwand unter Kontrolle zu bekommen“, sagt Koeune von Saint Gobain. „Wir wollten die Pensionsrückstellungen aus der HGB-Bilanz herausnehmen und die Steuervorteile bei der Übertragung der Pensionszusagen nutzen.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Pensionsfonds dürften bei großen Firmen sogar bedeutender werden als die Direktzusage von Betriebsrenten.

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