Abgeltungsteuer
Beifall für die Beamten

Die geplante Abgeltungsteuer stößt auf wenig Gegenliebe. Jetzt verraten Beamten aus dem SPD-geführten Bundesfinanzministerium, wie man die Steuer umgehen kann - ganz legal. Riester-Fondsverträge machen's möglich.

FRANKFURT. Was wären die Politiker ohne ihre Beamten im Hintergrund! Brav liefern sie ihnen das Futter für den einen oder anderen Vorstoß. Manchmal allerdings, wenn es mit ihnen durchgeht, dann stellen sie denen von den Parteien auch mal ein Bein. Zum Beispiel bei der Abgeltungsteuer, jener Konstruktion, mit der sparenden Bürgern vom nächsten Jahr an noch tiefer in die Tasche gegriffen werden soll. Gut ein Viertel der Erträge aus Kapitalvermögen soll dann an den Fiskus fließen.

Doch da hat die hohe Politik die Rechnung ohne ihre Ministerialen gemacht. Auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums haben sie jetzt einen kleinen, aber feinen Tipp versteckt, wie die geplante Steuer zu umgehen ist - ganz legal, versteht sich. Findig erläutern die Beamten, dass jeder Anleger einfach mehr Kapital in Riester-Fondsverträge stecken kann, als gefördert wird. Der Clou: Auf den Ertrag des so "übersparten" Kapitals fällt keine Abgeltungsteuer an, sondern der persönliche Steuersatz auf die Hälfte der Erträge. Und da niemand in diesem Land die Hälfte seines Einkommens an das Finanzamt zahlt, ist diese Sparform ab 2009 für jedermann günstiger als das Sparen unter der Abgeltungsteuer, die mindestens 25 Prozent der Erträge wegfrisst.

Der Tipp fällt in eine Zeit, in der das Bundeskabinett erbittert über das Thema streitet. Die Christdemokraten wollen dem Bürger mehr Freiheit beim Sparen fürs Alter gewähren und auch Sparpläne mit Aktien von der Abgeltungsteuer ausnehmen. Die Sozialdemokraten formieren sich dagegen. Ausnahmen von der noch nicht einmal eingeführten Steuer wollen sie nicht. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sieht das auch so und weist darauf hin, dass das Sparen für das Alter ja bereits mehrfach über die nach den Herren Riester und Rürup benannten Verträge gefördert werde. Und dort sei, im Gegensatz zu freien Sparverträgen, sichergestellt, dass der Bürger erst im fortgeschrittenen Alter ab 60 Jahren und in Raten an sein Geld herankomme und es nicht so mir nichts, dir nichts in einen plötzlichen Konsumrausch stecken könne.

So weit die klassisch konträren Ansichten, die - positiv formuliert - rechts von der Mitte die Freiheit verkörpern, links von der Mitte die staatliche Fürsorge. Zwischen beiden schlängeln sich geschickt die sonst so oft gescholtenen Beamten, wenn sie die Steuerzahler schon jetzt darauf hinweisen, wie sich die neue Abgabe umgehen lässt - ganz gleich, was beschlossen wird. Die Fondsbranche klatscht ihnen deswegen bereits Beifall und hat das Wort "übersparen" in ihr Standardvokabular aufgenommen.

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