Abschreibungen
Lebensversicherer tricksen bei Abschreibungen

Die deutschen Lebensversicherer leiden unter der Finanzkrise. Mit einem Bilanztrick haben sie im vergangenen Jahr Abschreibungen von mehreren Milliarden Euro vermieden. Real sinkt die Nettoverzinsung einiger Lebensversicherer unter den Garantiezins. Womit Kunden rechnen müssen.

HB FRANKFURT. Die deutschen Lebensversicherer haben im vergangenen Jahr in ihren Kapitalanlagen Abschreibungen von mehreren Milliarden Euro vermieden. Möglich machte dies eine von der BaFin erlaubte großzügigere Anwendung des § 341b HGB. Wie die Branche durch einen Bilanztrick die Krise austrickst.

Die Ratingagenturen Fitch und Assekurata schätzen die Höhe auf rund sieben Mrd. Euro. Möglich war dies, weil viele Unternehmen eine Bilanzierungshilfe nutzten. Je nach Entwicklung an den Finanzmärkten müssen die Abschreibungen aber nachgeholt werden. Das könnte erneut die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen belasten und - je nach Unternehmenspolitik - die für Kunden wichtige Überschussbeteiligung drücken.

Verzinsung niedriger als Garantiezins

Für die Versicherten haben die vermiedenen Abschreibungen noch keine Bedeutung. Allerdings steckt für 2010 Brisanz im Thema. So glaubt Fitch-Analyst Ockenga, dass die Nettoverzinsung der Lebensversicherer unter drei Prozent gefallen wäre, wenn alle Wertpapiere streng nach den niedrigsten Werten bilanziert worden wären. Das wäre unter dem durchschnittlichem Garantiezins. Bei neuen Verträgen liegt dieser derzeit bei 2,25 Prozent, bei alten bis zu 4 Prozent. Im Schnitt ergibt sich Assekurata zufolge für die Branche im Moment 3,4 Prozent.

Das heißt also theoretisch, dass die Versicherer, hätten sie die Bilanzierungserleichterungen nicht gehabt, ihren Kunden garantiert mehr hätten auszahlen müssen, als sie eigentlich mit den Kapitalanlagen verdienen. Und dabei ist der Garantiezins nur das Minimum. Für dieses Jahr werden die Lebensversicherer den Verträgen im Schnitt mehr als vier Prozent gut schreiben - trotz Krise. Das ist auch für nächstes Jahr das erklärte Ziel.

Deshalb ist es zwar unangenehm für die Branche, wenn die Kapitalanlagen durch Abschreibungen wieder weniger als vier Prozent brächten. Doch negativ für den Kunden ist das nicht automatisch. Seine Gutschrift hängt neben den Kapitalerträgen auch von Komponenten wie den Risiko- und Kostenüberschüssen aus vorsichtiger Kalkulation und sparsamer Unternehmensführung ab. Die Branche hat noch Puffer, um die Kunden wie gewohnt zu bedienen.

Das ist jedoch nur die Durchschnittsbetrachtung. Im Einzelfall stellt Fitch fest, dass Abschreibungen von bis zu 3,8 Prozent der Kapitalanlagen vermieden worden sind. "Sofern eine dauerhafte Wertminderung gegeben ist, müssten die Abschreibungen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen", warnt Assekurata-Geschäftsführer Will. "In welchem Umfang dies geschehen könnte, ist gegenwärtig aber Kaffeesatzleserei."

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