Allensbach-Studie
Deutsche fahren in der Krise Altersvorsorge zurück

Aus Sorge vor einer Verschlechterung der eigenen Lage im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise schränken die Deutschen ihre Vorsorgeausgaben ein. Jeder Sechste hat bereits Verträge für die Altersvorsorge gekündigt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie.
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HB BERLIN. Die Bereitschaft der Bundesbürger, privat für das Alter vorzusorgen, hat durch die Wirtschafts- und Finanzkrise nach einer Studie stark gelitten. 17,4 Prozent aller Berufstätigen haben bereits zusätzliche Vorsorgeverträge aufgelöst oder die Beiträge gekürzt. 32 Prozent - und damit ein Drittel - verzichtet nach eigenen Angaben ganz auf Ruhestands-Einnahmen aus einer privaten Vorsorge.

Das geht aus einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Danach wollen mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) ihre Sparbeiträge nicht aufstocken. Dieser Wert ist der höchste seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2003.

Nach jüngsten Zahlen des Bundesarbeitsministeriums zur Riester- Rente hat sich allerdings die Zahl der geförderten Neuverträge zur Altersvorsorge auch im ersten Halbjahr weiter erhöht, zuletzt jedoch mit abnehmender Tendenz. Insgesamt haben die Bundesbürger derzeit gut 12,6 Millionen Riester-Versicherungen abgeschlossen.

Jedoch lässt die aktuelle Krise offensichtlich viele Menschen am Sinn kapitalgedeckter Vorsorge zweifeln: 32 Prozent der Berufstätigen fragen sich laut Studie, "welche privaten Anlageformen überhaupt noch Sinn machen".

Ein Eigenheim werde immer beliebter und gelte als sicherste Anlageform, allerdings glaubten zunehmend weniger Menschen, im Ruhestand tatsächlich ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben, sagte Postbank-Privatkundenvorstand Michael Meyer in Berlin und warnte: "Aus der Finanz- und Wirtschaftskrise kann jetzt eine langfristige Krise der Altersvorsorge in Deutschland werden."

Meyer plädierte wie 40 Prozent der Deutschen für eine gesetzliche Pflicht zur privaten Altersvorsorge, 34 Prozent sind allerdings dagegen. "Aus meiner Sicht wäre das durchaus ein hilfreicher Ansatz", sagte Meyer. Ein stärkerer Handlungsdruck sei zu begrüßen, zudem stoße staatliche Förderung an ihre Grenzen. So wollten junge Berufstätige künftig weniger auf die Riester-Rente zurückgreifen. Auf diese Form der privaten Vorsorge mit staatlichen Zuschüssen vertrauen bisher mehr als 12,6 Millionen Deutsche.

Rund ein Jahr nach weltweite Finanzkrise mitausgelöst hatte, befragte das Allensbach-Institut im Auftrag der Postbank gut 1800 Menschen. Die Postbank hat etwa 14 Millionen Privatkunden und bietet selbst zahlreiche Altervorsorge-Produkte an. Nach eigenen Angaben ist das Institut, das zu rund 25 Prozent der Deutschen Bank gehört, beim Bausparen mit seiner Tochter BHW die Nummer Zwei hinter Branchenprimus Schwäbisch-Hall.

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