Allianz: Aktionärsmast auf Kosten der Versicherten?

Allianz
Aktionärsmast auf Kosten der Versicherten?

Die Allianz Leben erhöht ihre Dividenden und entfacht damit einen alten Konflikt: Wie viel Gewinn eines Unternehmens geht an seine Eigentümer und wie viel muss an die Kunden weitergegeben werden?
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MünchenDie Allianz Leben erhöht ihre Dividende - zum Nachteil der Versicherten.

Auch unter Wissenschaftler und Verbraucherschützer sorgte die heutige Vorstellung die heutige Bilanzkonferenz der Allianz Deutschland AG (ADAG) für Spannung. Vor allem zwei Zahlen der Tochter Allianz Leben haben sie im Visier: die Eigenkapitalrendite und die Dividende. Aus beiden Zahlen leiten Kritiker ab, dass der mit Abstand größte Lebensversicherer im Lande insbesondere in der Finanzkrise seine Aktionäre gegenüber seinen Kunden bevorzugt hat. Allianz-Leben-Chef Maximilian Zimmerer hat diese Kritik zurückgewiesen.

Die Grundsatzfrage ist so alt wie Unternehmen: Wie viel von den Gewinnen der Lebensversicherer erhalten Kunden, wie viel die Eigentümer? Bei Versicherungsvereinen, die sich selbst gehören, stellt sich die Frage nicht so sehr. Denn Überschusse fließen im Zweifel über Rückerstattungen wieder zurück. Bei gewinnorientierten Aktiengesellschaften wie Allianz oder Munich Re ist das ganz anders, weil Aktionäre ihren Teil am Ergebnis verlangen.

Gefahr unanständiger Renditen

Eigentlich dachte die Branche, dass der Gesetzgeber den alten Streit 2008 mit klaren Vorgaben gelöst hat. Doch ein Professor der Fachhochschule Ludwigshafen glaubt inzwischen das Gegenteil, nachdem er die Zahlen des größten Lebensversicherers im Lande unter die Lupe genommen hat. „Die Unternehmenspolitik der Allianz Leben verfolgt konsequent die Maximierung des Jahresüberschusses zulasten der Versicherungsnehmer und eine exzeptionelle Dividendenpolitik“, heißt es in einer Analyse von Hermann Weinmann. Beide Werte hätten sich seit 2002 verdreifacht. Im Ergebnis habe dadurch die Eigenkapitalrendite der Allianz nach Steuern einen Spitzenwert von 33,3 Prozent erreicht. Das sei ein sehr hoher Wert, denn damit lasse die Allianz Leben sogar die Deutsche Bank hinter sich, merkt Weinmann an. Er rückt dieses Renditeniveau der Allianz auf eine moralische Ebene: „Der aktuelle rechtliche Rahmen birgt die Gefahr von unanständigen Eigenkapitalrenditen und Dividenden.“

Der Versicherungsexperte Lars Gatschke vom Bundesverband der Verbraucherschützer bestätigte die Kritik gestern auf der Handelsblatt-Tagung „Assekuranz im Aufbruch“. Er sieht stellenweise in der Lebensversicherungsbranche „extreme Verschiebungen“ bei den Zuweisungen an Kunden. Was die Unternehmen da täten, sei nicht transparent. Deshalb sollten die Regeln für Zuweisungen an Kunden erneut angepasst und dieses Mal richtig verschärft werden. Sein Prinzip: Grundsätzlich sollen die Kunden künftig mindestens 90 Prozent aller Gewinne erhalten, egal aus welchen Töpfen diese stammten. Bisher dürfen die Lebensversicherer ihre Gewinnquellen aufsplitten, manchmal werden die Kunden mit 50 Prozent, manchmal mit 75 oder 90 Prozent bedient. Diese Regeln hätten sich als unvorteilhaft erwiesen und seien undurchsichtig, kritisiert auch Weinmann. Denn sie ermöglichten gewinnorientierten Aktiengesellschaften wie der Allianz, völlig legal ihre Aktionäre besser als früher zu bedienen.

Dividende ist stark gestiegen

Allianz-Leben-Chef Maximilian Zimmerer stellt die Zahlen von Weinmann nicht in Frage, sie seien jedoch nicht wesentlich, schreibt er in der Fachzeitschrift „Versicherungswirtschaft“. Sein Credo lautet: „Ich fühle mich unseren Kunden wie auch den Aktionären verpflichtet.“ Die Allianz Leben erziele ihre Überschüsse nicht, weil in die Beiträge der Kunden zu hohe Kosten einkalkuliert würden. Erfolgreich sei der Lebensversicherer durch eine „erfolgreiche Anlagestrategie, konsequentes Kostenmanagement und eine professionelle Zeichnungspolitik“. Eine Unternehmenspolitik, die sich einseitig an den Interessen der Aktionäre ausrichte, sei nicht nachhaltig.

Kritiker meinen, heute werde sich an der Dividende, dem Jahresüberschuss und der Eigenkapitalrendite der Allianz Deutschland für 2010 erweisen, ob dem so sei oder nicht. Für 2009 zahlte die Allianz Leben aus Stuttgart an die Mutter in München 44 Euro je Aktie. 2002 waren es erst 12,50 Euro gewesen. 2009 betrug der Jahresüberschuss der Allianz Leben 550 Millionen Euro. Laut Weinmann hat die Mutter davon 84 Prozent erhalten.

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